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Gesundheitslexikon: Retention

Retention – ein Begriff, viele Bedeutungen

‚Retenere‘ ist ein lateinisches Verb und bedeutet so viel wie ‚zurückhalten‘. Der medizinische Begriff der Retention ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen, dessen Bedeutung an der wörtlichen Übersetzung orientiert ist. Retention ist demzufolge der Verhalt von Körpersubstanzen oder bezieht sich auf die Entlastung von Organen und Geweben.

Unfallchirurgische und orthopädische Retention

Innerhalb verschiedener Medizinbereiche kann der Begriff der Retention mit unterschiedlichen Bedeutungen assoziiert sein. In der Unfallchirurgie bezieht sich die Retention auf Frakturen. Wenn Knochen brechen, müssen sie häufig repositioniert werden. Bei dieser Reposition bringt der Chirurg die verrutschten Knochenbruchstücke wieder in ihre anatomisch natürliche Stellung zurück. Die Frakturheilung findet erst nach der Reposition statt. Nur dadurch ist gewährleistet, dass ein Knochenbruch richtig zusammenwächst und nicht in einer Fehlstellung abheilt. Wenn die Abheilung in einer Fehlstellung erfolgt, kann das zum Beispiel eine Verkürzung des betroffenen Knochens oder den Verlust von damit verbundenen Gelenkfunktionen bedeuten. Nach einer Reposition muss die Fraktur in der wiederhergestellten, natürlichen Position stabilisiert werden. Diese Stabilisierung von Frakturen wird unfallchirurgisch als Retention bezeichnet. Ähnlich verhält es sich mit der Orthopädie. Mit einer orthopädischen Retention ist die Zurückhaltung von Fehlstellung gemeint, die durch Orthesen realisiert werden kann und die Fehlstellung dauerhaft korrigiert.

Retention von Organen und Geweben

Auch im Zusammenhang mit verschiedenen Organen und Geweben nutzt die Medizin zuweilen den Begriff der Retention. Neben einer Hodenretention existiert zum Beispiel eine Zahnretention. Mit der Hodenretention ist der unvollständige Abstieg von Hoden ins Skrotum gemeint. Die Hoden werden durch eine Hodenretention also praktisch vom Abstieg ‚zurückgehalten‘. Dieses Phänomen geht meist auf eine hormonelle Fehlregulation und eine so bedingte Entwicklungsstörung während der embryonalen Entwicklungsperiode zurück. Die Zahnretention bezieht sich anders als die Hodenretention nicht auf ein Organ, sondern ein Gewebe des Körpers. Die Zähne oder ein bestimmter Zahn werden im Kieferknochen ‚zurückgehalten‘ und gelangen somit nicht zum Durchbruch. Unserem Zahnwechsel liegt eigentlich ein festes Zeit-Schema zugrunde: Abweichungen von diesem Zeit-Schema erwecken den Verdacht auf Zahnretention. Die Ursache des Phänomens ist meist Platzmangel. So stellen sich Zahnretentionen insbesondere ein, wenn der Kiefer zu klein ist, oder Fehlstellungen anderer Zähne vorliegen. Darüber hinaus kann diese Art der Retention durch traumatische Ereignisse bedingt sein, die den Zahnkeim zu Verlagerung gezwungen haben.

Retention von Körpersubstanzen

Mitunter am häufigsten bezieht sich der Ausdruck der Retention auf Körperflüssigkeiten oder körpereigene Substanzen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Harn- oder Stuhlretention. Bei Harn- oder Stuhlretention sind die Patienten unfähig, sich zu entleeren. Der Urin oder Stuhl wird praktisch gegen ihren Willen ‚zurückgehalten‘. Als Ursachen kommen verschiedene Umstände infrage. Zu den wichtigsten Ursachen der Harnretention zählen nervenbedingte Entleerungsstörungen der Blase, Prostataerkrankungen, Gebärmutterabsenkungen und Entzündungen der Harnwege. Auch psychische Faktoren und die Nebenwirkungen verschiedener Medikamente können einen unwillentlichen Harnverhalt verursachen. Ähnliche Ursachen kann auch Stuhlverhalt haben, so zum Beispiel nervenbedingte Krämpfe des Beckenbodens. In Zusammenhang mit körpereigenen Stoffen ist wiederum immer dann von Retention die Rede, wenn bestimmte Stoffe nicht in ausreichendem Maß ausgeschieden werden. Eine Flüssigkeitsretention kann damit zur Wassereinlagerung führen und liegt häufig an ursächlichen Störungen des Wasser-Elektrolyt-Haushalts.

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