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Gesundheitslexikon: Reizdarm (Reizdarmsyndrom)

Das sind die Symptome - und das kann man tun
Das sind die Symptome - und das kann man tun Reizdarm-Snydrom 00:02:46
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Reizdarm: Was steckt hinter dem Reizdarmsyndrom?

Ein Reizdarm (Reizdarmsyndrom) ist eine sehr häufig auftretende Erkrankung des Magen-Darm-Trakts und oft Folge einer psychischen Belastung.

Ursachen

Die Ursachen eines Reizdarms können vielfältig sein. Als Auslöser kommen unter anderem bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Trakts als Vorerkrankung in Betracht. Weiterhin können eine erhöhte Durchlässigkeit (Permeabilität) oder eine gesteigerte Immunaktivität der Darmschleimhaut verantwortlich sein. Stress und psychische Belastungen bringen die Verdauungstätigkeit nachweislich durcheinander. In Stressreaktionen wird deutlich mehr Magensaft produziert, der Darm gerät regelrecht in Rage und reagiert mit gesteigerten Darmbewegungen (Motilität). Dazu gesellt sich eine Veränderung der lokalen Immunreaktion im Darm. Nicht bei allen Menschen hat Stress dieselben Auswirkungen. Einige beherrschen Coping, eine Bewältigungsstrategie, den Stress auszuklinken, andere leiden unter dem Martyrium von seelischen Qualen mit körperlichen Folgen. Dazu gehört auch das Reizdarmsyndrom. Weiterhin besteht vermutlich auch ein Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, Fibromyalgie, Fatigue-Syndrom, chronisches Erschöpfungssyndrom und chronische Schmerzen.

Symptome

Bauchschmerzen sind die ständigen Begleiter eines Reizdarmsyndroms, manchmal krampfartig, manchmal auch brennend und stechend oder als Druck im Unterbauch empfunden. Flankiert werden diese Schmerzen bisweilen von Übelkeit und Völlegefühl, Blähungen und von Stuhlveränderungen, die sich entweder durch Durchfall oder Verstopfung ausdrücken. Reizdarm-Betroffene werden in vier Typen unterteilt: Es gibt den Durchfalltyp, den Verstopfungstyp, den Schmerztyp und den Blähungstyp, je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Drei Kriterien sind symptomatisch für einen Reizdarm:

- Nach dem Stuhlgang ist eine deutliche Linderung der Beschwerden spürbar.

- Es ist keine Regelmäßigkeit des Stuhlgangs erkennbar.

- Die Beschaffenheit des Stuhls verändert sich.

Diagnose

Der Diagnose geht immer eine ausführliche Befragung voraus, um die genauen Beschwerden und Vorerkrankungen zu ermitteln. Durch ein Ernährungsprotokoll und eine Aufzeichnung der Beschwerden kann oft ein Zusammenhang zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und den Verdauungsbeschwerden ermittelt werden. Zunächst wird der Arzt eine körperliche Untersuchung vornehmen, den Bauch abtasten, leicht abklopfen und die Darmbewegung mit einem Stethoskop abhören, um abnormalen Veränderungen auf die Spur zu kommen. Zum Stellen der Diagnose müssen dann andere Erkrankungen ausgeschlossen werden wie Gallensteine, Magengeschwüre, entzündliche Veränderungen von Magen, Bauchspeicheldrüse, Niere oder Darm oder eine Krebserkrankung. Dies geschieht durch Laboruntersuchungen von Blut und Urin, durch Ultraschall (Abdmomen-Sonografie) oder letztlich durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) und Darmspiegelung mittels Koloskop.

Behandlung

Sind andere Erkrankungen oder Lebensmittelunverträglichkeiten als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen, richtet sich die Therapie auf die Behandlung der Symptome und der vermeintlichen Ursache des Reizdarms. Die wichtigsten Grundlagen einer erfolgreichen Behandlung sind eine Umstellung der Ernährung und Entspannungstechniken, die Stress und psychische Belastung kompensieren. Unter Umständen ist eine psychotherapeutische Begleitung angesagt, um die Betroffenen ins seelische Gleichgewicht zu bringen. Bewährte Hausmittel wie Kümmel, Fenchel und Anis können dazu beitragen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen zu lindern.

Vorbeugung

In der Tat ist das Reizdarmsyndrom keine lebensbedrohliche und gefährliche Erkrankung, aber für die Betroffenen belastend. Zwei Maßnahmen können sowohl vorbeugend als auch lindernd wirken, unter Umständen sogar die Beschwerden eliminieren: eine ausgewogene und den Darm nicht unnötig belastende Ernährung und wenig Stress. Langsam essen, gut kauen, Regelmäßigkeit bei der Nahrungsaufnahme in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre und ausreichend Flüssigkeit sind vorbeugende Maßnahmen. Verzichten sollte man weitgehend auf fettes Essen, blähende Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, übermäßig viel Kaffee, zu scharf gewürzte oder sehr süße Speisen sowie auf kohlensäurehaltige Getränke.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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