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Gesundheitslexikon: Raynaud-Syndrom

Raynaud-Syndrom: blasse Finger durch Durchblutungsstörungen

Das Raynaud-Syndrom ist umgangssprachlich unter den etwas morbiden Bezeichnungen ‚Leichenfinger‘ oder ‚Totenfinger‘, aber auch als ‚Weißfingerkrankheit‘ oder ‚Reilscher Finger‘ bekannt. Einige dieser Namen beschreiben das sichtbare Symptom – ein anfallsweises Erblassen einzelner Finger oder Fingerpartien – sehr zutreffend. Maurice Raynaud, französischer Arzt und Entdecker der Erkrankung, erläuterte die Krankheitssymptome erstmals 1874 anhand von Fallbeispielen in einer Veröffentlichung. In den USA leiden heute schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung am Raynaud-Syndrom, wobei Frauen bis zu fünfmal häufiger betroffen sind als Männer.

Wo kann das Raynaud-Syndrom auftreten?

Das Raynaud-Syndrom ist eine Durchblutungsstörung, die vornehmlich im Bereich der Finger, seltener jedoch auch an den Zehen sowie an Nase, Ohren und weiblichen Brustwarzen während der Stillzeit auftritt. Sie entsteht durch krampfartige Verengungen der Blutgefäße infolge einer Fehlregulation des vegetativen Nervensystems. Man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten Vasospasmen, die sich für gewöhnlich nach einer Weile von selbst wieder lösen. Zu unterscheiden sind das primäre sowie das sekundäre Raynaud-Syndrom: Bei ersterem treten die Beschwerden meist beidseitig und ohne eindeutigen Grund auf, während sie beim zweiten meist einseitig auftreten und durch eine andere Erkrankung ausgelöst werden.

Ursachen

Das vor allem bei junge Frauen auftretende primäre Raynaud-Syndrom wird besonders häufig bei Rauchern oder im Anschluss an eine Chemotherapie diagnostiziert; die genauen Ursachen sind jedoch noch unerforscht. Anders verhält es sich beim sekundären Raynaud-Syndrom, das als Begleiterkrankung verschiedener Nerven- und Gefäß-, aber auch Krebserkrankungen auftreten kann. Andere mögliche Ursachen sind arterielle Durchblutungsstörungen durch Gewalteinwirkung auf die Finger, Vergiftungen sowie intensiv die Finger involvierende Tätigkeiten. Auch bestimmte Medikamente sowie Drogen können das Raynaud-Syndrom als Nebenwirkung auslösen.

Symptome

In Bezug auf die Symptome lassen sich drei Phasen des Raynaud-Syndroms unterscheiden. Während der ersten Phase tritt die bereits beschriebene verminderte Durchblutung mit erblassten Fingern auf, die mit Taubheitsgefühlen und Schmerzen einhergehen kann. Darauf erfolgt eine Blaufärbung der betroffenen Körperpartien, bevor in der letzten Phase infolge der wiedereinsetzenden Durchblutung Rötungen mit Kribbel- und Klopfgefühlen auftreten. Für gewöhnlich sind die Symptome ungefährlich, sofern sich die Durchblutungsstörungen nach einer Weile von selbst wieder normalisieren. Erst längere Phasen mangelnder Durchblutung können zu einem Absterben von Gewebe führen.

Diagnose

Im Anschluss an eine Anamnese durch den Hausarzt erfolgt meist die Überweisung an einen Rheumatologen. Ob das Raynaud-Syndrom vorliegt, wird unter anderem mittels der so genannten Faustschlussprobe ermittelt. Hierbei wird getestet, ob nach mehrmaligem Öffnen und Schließen der Faust die charakteristische Blässe der Finger auftritt. Einem ähnlichen Prinzip folgt das gezielte Abdrücken von Arterien zur Überprüfung der Blutversorgung. Neben einer gründlichen Inspektion der Hände werden im Laufe einer detaillierten Anamnese spezifische Symptome und Eigenschaften des primären und sekundären Raynaud-Syndroms abgefragt, um die Diagnose spezifizieren zu können.

Behandlung

Sofern keine Nekrose, also das Absterben von Gewebe, droht, besteht kein zwingender Therapiebedarf. Dennoch können eine Vielzahl vorbeugender Maßnahmen die Durchblutungsstörungen eindämmen helfen. Hierzu gehören das Tragen beheizbarer Wärmehandschuhen sowie das Vermeiden von kalten Nahrungsmitteln und Getränken. Der Verzicht auf Nikotin sowie das Einhalten einer Diät mit Omega-3-Fettsäuren kann sich positiv auf die Durchblutung auswirken; selbiges gilt für ausreichend körperliche Bewegung und Stressabbau durch Yoga, Meditation oder ähnliche Entspannungstechniken. Sofern diese Maßnahmen nicht ausreichen, können bestimmte Medikamente zur Durchblutungsverbesserung eingenommen werden. Eine Operation, bei der der Sympathikus durchtrennt wird, ist nur selten erforderlich und birgt zahlreiche Risiken, die vorab mit den behandelnden Ärzten abzuklären sind.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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