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Gesundheitslexikon: Psychose

Psychose

Psychose ist ein Überbegriff für eine Reihe psychischer Störungen, bei denen die betroffenen Personen nicht mehr zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Realität unterscheiden können. Das kann dazu führen, dass sie sich bedroht oder verfolgt fühlen, dass sie Stimmen hören, Botschaften aus einer für andere nicht zugänglichen Welt erhalten oder den Eindruck haben, ihr Körper würde sich verändern. Ein bis zwei Prozent aller Menschen erkranken im Lauf ihres Lebens an einer Psychose. Erstmals tritt die Krankheit meist im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auf.

Ursachen

Psychosen werden in eine primäre und eine sekundäre Form unterschieden. Wie primäre Psychosen entstehen, wurde noch nicht eindeutig geklärt. Es steht jedoch fest, dass einige Menschen für derartige Erkrankungen anfälliger sind als andere. Umwelteinflüsse, belastende Lebensereignisse und virale Infekte können das Risiko erhöhen, allerdings liegen hierfür noch keine gesicherten Beweise vor. Derzeit geht die Medizin davon aus, dass das Zusammenwirken verschiedener biologischer und psychosozialer Faktoren bei den einzelnen Betroffenen die Ausbildung einer Psychose begünstigt.

Sekundären Psychosen lassen sich auf eine äußere Ursache zurückführen, beispielsweise auf neurologische Erkrankungen, eine Hirnschädigung, Infektionen, Vergiftungen oder Stoffwechselentgleisungen. Weitere Auslöser sind Psychostimulanzien und bestimmte Medikamente, aber auch Flüssigkeitsmangel, Narkosen und hohes Fieber.

Symptome und verschiedene Formen

Es sind verschiedene Arten der Psychose bekannt, die sich jeweils durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Schizophrene Psychosen äußern sich vor allem durch Denkstörungen und Wahrnehmungsstörungen. Bei affektiven Psychosen sind insbesondere Stimmung, Antrieb und Motivation beeinträchtigt. Schizoaffektive Psychosen stellen eine Verbindung aus diesen beiden Formen dar, erfüllen allerdings weder die Kriterien für die depressive oder manische Episode noch für die Schizophrenie. Darüber hinaus gibt es die schizotype Störung mit ungewöhnlichen Wahrnehmungserlebnissen und Denkstörungen, die jedoch weniger schwer sind als bei einer Schizophrenie, anhaltende wahnhafte Störungen, akute vorübergehende psychotische Störungen und induzierte wahnhafte Störungen.

Diagnose

Die Diagnose einer Psychose erfolgt in Zusammenarbeit zwischen dem Patienten, seiner Familie und dem Arzt oder Therapeuten. Hat sich das Vorliegen psychotischer Symptome bestätigt, muss zunächst festgestellt werden, ob es sich um eine primäre oder eine sekundäre Psychose handelt. Hierzu kommen neben körperlichen auch verschiedene labormedizinische oder apparative Untersuchungen wie EKG, EEG, oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie zum Einsatz. Sind die Befunde unauffällig, ist von einer primären Psychose auszugehen.

Die genaue Zuordnung zu einer bestimmten Form dieser Erkrankung ist bei der Erstuntersuchung häufig noch nicht möglich. Daher ist eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum erforderlich.

Behandlung

Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Therapie so früh wie möglich beginnt. Für gewöhnlich wird die Behandlung ambulant in einer Tagesklinik oder einer Praxis durchgeführt. In schwereren Fällen ist jedoch manchmal auch ein stationärer Aufenthalt erforderlich.

Für die medikamentöse Therapie kommen vor allem sogenannte Antipsychotika zur Anwendung. Diese wirken gegen Wahnvorstellungen und Halluzinationen und können dadurch eine rasche Besserung herbeiführen. Begleitend zu den Medikamenten empfiehlt sich eine Verhaltenstherapie bei einem Psychologen. Auch Behandlungsformen wie die Familientherapie, die Ergotherapie, die Kunsttherapie oder die Soziotherapie können ebenfalls einen Beitrag zur Gesundung des Patienten leisten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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