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Gesundheitslexikon: Psychische Deprivation

Psychische Deprivation: Folge von mangelnder Bedürfnisbefriedigung

Als Menschen besitzen wir bestimmte Grundbedürfnisse. Neben dem Bedürfnis nach bestimmten Reizen empfinden wir ein Verlangen nach Stabilität, Bindung, aber auch Autonomie. Psychische Deprivation tritt aufgrund ungenügender Befriedigung unserer Grundbedürfnisse ein.

Ursachen

Die Ursachen für psychische Deprivation sind vielschichtig. Isolation und Trennung zählen zu den häufigsten Auslösern. Wir sehnen uns nach Beziehungen zu Bezugspersonen. Wenn keine Beziehungen aufgebaut werden können, besteht eine Deprivationssituation. Von psychischer Deprivation sind Heimkinder zum Beispiel besonders bedroht. Die Familie nimmt eine zentrale Position bei der psychischen Entwicklung ein. Familiäre Bezugspersonen erfüllen lebenswichtige Bedürfnisse auf physischer, emotionaler, intellektueller und moralischer Ebene. Zusätzlich sind das soziale Umfeld und die Einbettung des Individuums in eine Gemeinschaft für die Persönlichkeitsentwicklung relevant. Wenn die Familiensituation keine engen Bezugspersonen zulässt oder die Familie nicht in das Umfeld integriert ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Deprivation sehr stark an. Ursachen für solche Zustände können Scheidungen, Todesfälle oder Kriegsszenarien sein. Besonders negativ wirkt sich ein vorherrschender Zustand der Gefühlskälte aus, der zur emotionalen Isolierung führt. Da wir als Menschen ebenso nach Autonomie streben, kann auch bei emotionaler Integration eine Deprivationssituation entstehen. Der Konflikt zwischen unseren Bindungswünschen und unseren Autonomiebestrebungen wird als psychischer Grundkonflikt bezeichnet.

Symptome von Deprivationsstörungen

Psychische Deprivation kann abhängig von der Schwere unterschiedliche Symptome zeigen. Auch das Alter des Betroffenen wirkt sich auf die Symptome aus. Wenn ein Kleinkind zum Beispiel keine Zuwendung durch Bezugspersonen erfährt, kann diese Situation zu emotionalen und intellektuellen Entwicklungsstörungen beitragen. In der absoluten Isolation lernt das Kind zum Beispiel nur schwer das Sprechen. Daher gelten Sprachentwicklungsstörungen als ein Leitsymptom psychischer Deprivation. Die Sprachentwicklungsstörung kann sich als Stammeln manifestieren oder in einem begrenzten Wortschatz und einer fehlerhaften Grammatik äußern. Hinzu kommt oft eine körperliche Unruhe. Häufig schaukeln oder wippen die Patienten zur Beruhigung hin und her. In sozialer Umgebung wissen sich Betroffene oft nicht zu verhalten und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Auf Basis von psychischer Deprivation entwickeln sich außerdem häufig Psychosen und Depressionen.

Diagnose

Die Diagnose von Deprivationsstörungen wird innerhalb der interdisziplinären Zusammenarbeit von Pädiatern, Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen und Eltern gestellt. Neben dem Zustand des Betroffene, seiner physischen und psychischen Entwicklung sowie der Familiensituation spielen für die Diagnose soziale, ökonomische und kulturelle Zusammenhänge eine Rolle. Je früher eine Deprivationsstörung diagnostiziert wird, desto aussichtsreicher gestaltet sich die Behandlung.

Behandlung

Innerhalb der Behandlung wird ein Patient mit psychischer Deprivation mit einer angemessenen Reizzufuhr auf emotionaler, intellektueller und moralischer Basis versorgt. Die Patienten werden durch die Therapie resozialisiert. Der unzureichenden Befriedigung emotionaler Bedürfnisse wird durch ein individuelles Angebot aus emotionalen Erfahrungen begegnet. Zum Therapeuten baut der Betroffene eine enge Gefühlsbindung auf. Diese Bindung dient als Brücke für neue Beziehungen. Oft gestaltet sich die Therapie als langwierig. Die Erfolge hängen vor allem von der Persönlichkeit des Therapeuten ab. Zu den mitunter wichtigsten Ansatzpunkten der Therapie zählen die Integration durch Sport, Schule oder Beruf. In den meisten Fällen ist der Therapieweg für die Heilungsaussichten weniger relevant als die Beziehung zwischen Patient und Therapeut.

Vorbeugung

Bei der Prävention von psychischer Deprivation werden Reize in der Umwelt geschaffen, die der Entwicklungsstufe des Individuums entsprechen und ihm bei der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse helfen. Als Voraussetzungen für emotional und intellektuell gesunde Entwicklung gelten Sinngebung, verschiedene Verhaltensregeln und eine gewisse Stabilität. Neben der Herstellung dieser Grundvoraussetzung ist die Eingliederung in eine Gemeinschaft als Präventivmaßnahme zu verstehen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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