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Gesundheitslexikon: Promiskuität

Promiskuität: Sexualität im Wandel der Zeit

Mit zunehmendem Verlust religiöser Bindungen neigen Menschen vermehrt dazu, ihre Sexualpartner häufiger zu wechseln. Während insbesondere bei jungen Frauen noch bis in die 1970er-Jahre hinein wechselnde sexuelle Beziehungen unter Umständen sogar zu einer Heimeinweisung führen konnten, haben sich heute die Grenzen zwischen ‚richtigem‘ und ‚falschem‘ Sexualverhalten verwischt.

Was ist Promiskuität?

Unter Promiskuität versteht man häufig wechselnde sexuelle Bekanntschaften, ohne dass eine tiefere zwischenmenschliche Beziehung entsteht. Damit kann aber auch gemeint sein, dass Betroffene neben einer Partnerschaft noch andere sexuelle Beziehungen unterhalten. Allerdings ist nicht eindeutig definiert, ab wann von Promiskuität gesprochen werden kann. Es handelt sich um einen schwammigen Begriff, denn dies ist nicht zuletzt eine Frage des kulturellen Konsenses und der persönlichen Wahrnehmung. Während in westlichen Gesellschaften ein häufiger Partnerwechsel als immer unproblematischer angesehen wird und in den Bereich der sexuellen Selbstbestimmung fällt, verhält sich dies in traditionellen Gesellschaften in der Regel noch anders.

Formen der Promiskuität

Im Gegensatz zum Christentum, das Monogamie als ideale Lebensform postuliert, existieren auch polygame Gesellschaften, in denen Promiskuität einen festen Platz hat. In manchen Kulturen wird es auch akzeptiert, wenn der (Ehe-)Mann Promiskuität pflegt, bei Frauen wird dieses Verhalten jedoch sanktioniert. In westlichen Gesellschaften existieren zum Teil auch sogenannte Swinger-Clubs, die Paare im gegenseitigen Einverständnis besuchen, um abseits der gesellschaftlichen Normen mit anderen Partnern Sexualkontakte oder Gruppensex zu pflegen. Im Tierreich wird von Promiskuität gesprochen, wenn während der Paarungszeit verschiedene Sexualkontakte entstehen. Der Grund ist hier eine angestrebte genetische Vielfalt.

Ursachen

Abgesehen von Gesellschaften, in denen Promiskuität schon immer einen Platz hatte (zum Teil im Rahmen religiöser Kulte), wird in der westlichen Kultur das Aufweichen sexueller Normen mit der schwindenden Bedeutung religiöser Grundsätze in Verbindung gebracht. Ein wichtiger Wendepunkt war hierbei die nonkonformistische Bewegung junger Menschen in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren, die unter anderem die gängige Sexualmoral massiv in Frage stellte (sogenannte Hippie-Bewegung). Heute gilt das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung als bedeutender als althergebrachte Normen. Wechselnde Sexualkontakte werden weitgehend akzeptiert, wobei die Frage, ab wann diese als problematisch angesehen werden sollten, nicht eindeutig zu beantworten ist.

Problematik

Häufige und wechselnde sexuelle Bekanntschaften bergen ein Risiko, wenn kein ‚Safer Sex‘ praktiziert wird. Damit steigt die Gefahr, dass insbesondere Geschlechtskrankheiten und HIV mit allen gesundheitlichen Folgen sich ausbreiten. Im zwischenmenschlichen Bereich können sich Probleme ergeben, wenn nicht beide Partner Promiskuität gleich neutral oder positiv bewerten. Jedoch werden häufige und wechselnde Sexualkontakte bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen (so etwa bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder der narzisstischen Persönlichkeitsstörung) von Medizinern auch als ein Symptom angesehen, da Betroffene nicht in der Lage sind, langfristige Bindungen einzugehen. Allerdings genügt häufiger Partnerwechsel alleine nicht als Kriterium für eine stichfeste Diagnose. Auch ist es denkbar, dass bei promiskem Verhalten Sexsucht vorliegt, die ebenfalls behandelt werden sollte, da Betroffene ein unstillbares Verlangen haben, dem psychische Ursachen zugrunde liegen.

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