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Gesundheitslexikon: Prävalenz

Prävalenz: Erkrankungsraten innerhalb der Bevölkerung

Möchte der Arzt seinem Patienten einen Zusammenhang erklären, so klingt das in den Ohren der meisten Erkrankten zunächst nach Fachchinesisch. Kommt der Begriff der Prävalenz auf, so schrillen bei vielen die Alarmglocken. Schnell werden bestimmte Zahlen genannt, die beängstigend oder unausweichlich klingen. Doch was möchte der Mediziner wirklich vermitteln, wenn er von der Prävalenz spricht?

Was ist die Prävalenz?

Der Begriff kommt aus der Statistik und gibt ein Größenverhältnis an. Mit der Prävalenz wird die relative Häufigkeit bezeichnet, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraumes, an einer Krankheit zu leiden.

Es ist also eine Kennzahl der Epidemiologie. Hierbei wird der Anteil der Bevölkerung gemessen, bei der entweder bereits eine bestimmte Erkrankung vorliegt oder die zumindest über ein Risikomerkmal verfügt. Da in den wenigsten Fällen die gesamte Bevölkerung statistisch erfasst werden kann, wird die Prävalenz aus Stichproben heraus ermittelt, welche dann hochgerechnet werden.

Im Gegensatz zur Prävalenz kann auch die Inzidenzrate ermittelt werden. Sie gibt die Zahl der Neuerkrankungen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne oder zu einem gewissen Zeitpunkt an. Aus beiden Werten lässt sich ein gutes Bild konstruieren, wie sich während eines Zeitraumes die Krankheitshäufigkeit entwickelt hat.

Welche verschiedenen Prävalenzarten gibt es?

Es gibt mehrere Arten, die Prävalenz zu definieren. Bei der Punktprävalenz (auch Stichtagsprävalenz genannt), werden die Erkrankungen einer bestimmten Gruppen zu einem Stichtag, also auf den Punkt genau, addiert. Gerade bei Krankheiten, welche sich rasch ausbreiten, ist dieser Wert jedoch nicht immer aussagekräftig.

Daher kann auch die Periodenprävalenz erhoben werden. Hier wird ein ganz bestimmter Zeitraum festgelegt, in welchem die erkrankten Probanden ermittelt werden. Insbesondere zur Grippezeit oder unter saisonalen Gesichtspunkten bietet diese Methode eine größere Vergleichbarkeit mit vorherigen Ergebnissen. Diese Messmethode wird auch Streckenprävalenz genannt. Nach dem gleichen Prinzip arbeitet die ‚30-Tage-Prävalenz‘ oder die ‚12-Monats-Prävalenz‘.

Zudem kann beispielsweise auch eine Behandlungsprävalenz erhoben werden, wenn ausschließlich jene Personendaten berücksichtigt werden, welche tatsächlich in einer Behandlungseinrichtung vorstellig wurden.

Von wem wird die Prävalenz ermittelt?

Große medizinische Institute ermitteln die gewünschte Prävalenz selbstständig oder greifen auf die Daten der Ärzte zurück. Letzteres ist nur bei Krankheiten möglich, welche der Meldepflicht unterliegen. Ferner sind auch die Behörden an den berechneten Messwerten interessiert und können externe Dienstleister beauftragen, die Daten in der Bevölkerung zu erheben.

Wie wird die Prävalenz ermittelt?

Bei meldepflichtigen Krankheiten können die Daten relativ einfach gesammelt, bereinigt und statistisch ausgewertet werden. Schwieriger ist es bei Erkrankungen, welche von den Ärzten oder Pflegestellen nicht nachgehalten werden müssen. Hier werden dann umfangreiche Befragungen innerhalb bestimmter, repräsentativer Bevölkerungsgruppen vorgenommen, welche dann entsprechend statistisch hochgerechnet werden. Dabei handelt es sich streng genommen um Prognosen.

Was sollte man beachten?

Über die Prävalenz erhält man zwar einen guten Überblick, doch sollte berücksichtigt werden, dass jede Person nach dieser Methode nur ein einziges Mal an einer bestimmten Krankheit leiden kann. Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden lässt dieser Wert daher keine eindeutige Aussage zu. So erkrankt zwar jeder Mensch im Laufe seines Lebens sicherlich einmal an einer Grippe, doch könnte dies eben einmalig oder jährlich wiederkehrend stattfinden. Daher ziehen umfangreiche Statistiken die Auswertungen der Prävalenz und der Inzidenz zusammen und kombinieren diese miteinander, um genauere Aussagen daraus ableiten zu können.

Ein weiterer Schwachpunkt der Prävalenz ist, dass bei kurzfristig auftretenden Symptomen keine Vergleichswerte abzuleiten sind. Gerade im Bereich der neu auftretenden Krankheiten kann der Prävalenzwert hier keine Richtlinie herleiten.

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