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Gesundheitslexikon: Polytrauma

Polytrauma - ein lebensbedrohliches Notfallbild

Die Verletzung von Körpergeweben entspricht immer einem Trauma. Ein Polytrauma liegt bei gleichzeitiger Verletzung unterschiedlicher Körperregionen oder Organsysteme vor. Das Polytrauma ist ein lebensbedrohliches Notfallbild und wird nach dem ‚Injury Severity Score‘ mit einem Schweregrad von mindestens 16 Punkten definiert.

Ursachen

Bis zu 38.000 Menschen verletzen sich in Deutschland jedes Jahr schwer. Die Überlebensrate für Unfallverletzte liegt mittlerweile bei 78 Prozent. Polytraumen werden pro Jahr rund 14.000 Mal dokumentiert. Die meisten Polytraumen sind stumpfe Traumen, die in vielen Fällen durch Verkehrsunfälle verursacht werden. Auch Stürze aus einer gewissen Höhe können zum Bild eines Polytraumas führen. Am häufigsten liegt im Rahmen der Symptomatik eine Schädel-Hirn-Verletzung vor. Vergesellschaftet ist dieses Symptom in vielen Fällen mit Verletzungen des Brustraums oder Bauchverletzungen und Schädigungen der Extremitäten. In rund einem Drittel der Fälle entwickelt sich aus Polytraumen ein Multiorganversagen.

Symptome

Neben Beckenfrakturen und Wirbelsäulenverletzungen umfasst die Symptomatik des Polytraumas am häufigsten arterielle Blutungen, Schädel-Hirn-Traumen, Rippenserienfrakturen und Hämatothorax. In den meisten Fällen zählt eine Hypovolämie mit zum Krankheitsbild. Die Patienten verlieren also viel Blut und in ihrem Kreislaufsystem entsteht ein Volumenmangel. Auf Basis dieses Volumenmangels entwickelt sich häufig eine Schocksymptomatik. In vielen Fällen liegt im Rahmen des Polytraumas ein ‚Capillary leak syndrome‘ vor, das ein Lungenödem entstehen lässt. Neben Volumenmangel, Lungenödemen und Schocksymptomen kann das Polytrauma mit akuter Niereninsuffizienz oder Fettembolien assoziiert sein. Polytraumen sind deshalb immer medizinische Notfälle, die mit akuter Lebensgefahr assoziiert sind.

Diagnose

Die Diagnose eines Polytraumas wird noch am Unfallort vom Rettungsarzt gestellt. Die Beurteilung der Verletzungen erfolgt gemäß ‚Injury Severity Score‘ (ISS). Die Verletzungsschwere wird in diesem Scoring-System als Quadratsumme aus den drei schwersten Verletzungen ermittelt. Bei Multiverletzungen mit einem ISS-Schweregrad von über 16 liegt ein Polytrauma vor. Die Diagnose des Polytraumas stellt den Notarzt vor Herausforderungen. Mehrere Körperregionen oder Organe sind zur selben Zeit schwer verletzt, sodass er die Dringlichkeit der Behandlung von einzelnen Körperregionen einschätzen muss. An der Unfallstelle verschafft er sich unter Zeitdruck einen groben Überblick über die beteiligten Körperregionen und führt erste Rettungsmaßnahmen durch.

Behandlung

Die Behandlung des Polytraumas erfolgt in drei Phasen. Auf eine Reanimationsphase folgen eine Notoperationsphase und eine Stabilisierungsphase. Der Rettungsdienst ist an der Erstversorgung der Patienten beteiligt. Neben Reanimationsmaßnahmen erfolgt noch an der Unfallstelle die Stillung von starken Blutungen. Die Stabilisierung der Vitalfunktionen hat am Unfallort höchste Relevanz. Neben Sauerstoffgabe und einer Sicherung der Atemwege durch Intubation können am Unfallort Druckverbände und Infusionstherapien erforderlich sein. Die Wirbelsäule der Patienten wird durch eine Cervicalstütze und ein Spineboard stabilisiert. Patienten bei Bewusstsein erhalten außerdem schmerzstillende Medikamente. Nach diesen ersten Behandlungsschritten erfolgt der Transport ins Krankenhaus. In der Klinik beurteilt ein Trauma-Team aus Fachärzten verschiedener Fachrichtungen das Polytrauma genauer. Nach einer umfangreichen Diagnostik erfolgen Notoperationen. Die lebensbedrohlichen Verletzungen werden sofort behandelt. Alle weniger ernsten Verletzungen werden hinten angestellt und erhalten zunächst nur provisorische Versorgung, so zum Beispiel Frakturen der Extremitäten. Erst wenn sich der Patient nicht mehr in Lebensgefahr befindet, werden die weniger ernsten Verletzungen ausgiebig behandelt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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