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Gesundheitslexikon: Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Das Risiko lässt sich reduzieren

‚Plötzlicher Kindstod‘ gehört zu den am meisten gefürchteten Diagnosen, die Ärzte jungen Eltern mitteilen können. Zu der Trauer um das verlorene Kind gesellt sich stets auch die quälende Ungewissheit bezüglich der Ursachen. In der Folge kommt es häufig zu Vorwürfen gegen sich selbst, aber auch gegen den Lebenspartner sowie den Eltern nahestehende Menschen. Gut zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass es durchaus vorbeugende Maßnahmen gibt, mit denen sich die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kindstods reduzieren lässt.

Was ist plötzlicher Kindstod?

Der im Englischen auch als SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) bezeichnete und während des Schlafens eintretende plötzliche Kindstod stellt eine Ausschlussdiagnose dar. Dies bedeutet, dass er immer dann diagnostiziert wird, wenn im Rahmen einer Obduktion keine andere Todesursache ermittelt werden konnte. Die Diagnose darf erst dann gestellt werden, wenn alle denkbaren Todesursachen eindeutig ausgeschlossen werden können und überdies keine vorangegangene Krankheitsgeschichte besteht, die Anhaltspunkte für mögliche Ursachen liefert. Im Jahr 2014 lag das Risiko für einen plötzlichen Kindstod bei 0,17 Prozent. In 80 Prozent aller Diagnosefälle tritt er vor dem sechsten Lebensmonat ein; bei 60 Prozent der betroffenen Kinder handelt es sich um Jungen. Die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Kindstods ist während der Wintermonate grundsätzlich höher als während der übrigen Jahreszeiten.

Erklärungsansätze

Obgleich die Ursachen für den plötzlichen Kindstod bisher noch unbekannt sind, existieren mehrere Ansätze zur Erklärung des Phänomens. Zu den plausibelsten Theorien gehört die Unterbrechung des Blutflusses zum Hirnstamm während des Schlafs. Dies geschieht vornehmlich in der Bauchlage durch seitliches Drehen des Kopfes. Zwei weitere als wahrscheinlich geltende Ursachen sind zum einen Fehlregulationen des vegetativen Nervensystems in Bezug auf die Serotonin-Produktion und zum anderen Vergiftungen mit Botulinumtoxin, die zu Atemlähmungen führen. Der giftige Stoff kann unter anderem in verunreinigtem Honig enthalten sein. Weitere, teils kontrovers diskutierte oder bereits widerlegte Erklärungsansätze sind Phosphatmangel im Blut, aus Matratzen austretende toxische Gase sowie ein vermuteter Zusammenhang zwischen Säuglingsimpfungen und dem Eintreten des plötzlichen Kindstods.

Maßnahmen zur Risikominderung

Entsprechend dem sehr plausiblen Erklärungsansatz der mangelnden Hirnstamm-Durchblutung empfiehlt es sich, den Säugling zum Schlafen in Rückenlage zu platzieren. Verzichtet werden sollte auf zusätzliche Decken, Mützen oder Bettumrandungen, die durch Verrutschen zum Ersticken führen könnten; stattdessen bietet sich die Verwendung eines passenden Schlafsacks an. Neben einer festen und dennoch luftdurchlässigen Matratze sollte auf eine Schlaftemperatur zwischen 16 und 18 Grad geachtet werden. Zusätzlich zum generellen Verzicht auf Zigaretten und Alkohol sowie auf Drogen und bestimmte Medikamente wirkt sich auch eine rauchfreie Umgebung positiv auf die Gesundheit des Kindes aus. Auch das Stillen gilt als risikomindernd für den plötzlichen Kindstod.

Folgen für Eltern und Angehörige

Laut einer 2003 durchgeführten dänischen Studie verringert sich die Lebenserwartung der Eltern eines vom plötzlichen Kindstod betroffenen Kindes drastisch – nicht zuletzt aufgrund des bis zu viermal höheren Suizid- und Unfallrisikos bei den Müttern. Eine gewissenhafte Obduktion kann im besten Falle eine eindeutige Todesursache ergeben; die auf diese Weise erlangte Gewissheit wirkt sich zumeist positiv auf die seelische Verfassung der Eltern aus. Selbiges gilt für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe zur Verarbeitung des traumatischen Erlebnisses sowie zur Förderung des Dialogs zwischen beiden Elternteilen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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