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Gesundheitslexikon: Plasmozytom (Multiples Myelom)

Plasmozytom: bösartiges Leiden des Knochenmarks

Das Plasmozytom, auch als Multiples Myelom oder Morbus Kahler bezeichnet, gehört zu den häufigsten malignen Erkrankungen, die Knochen und Knochenmark befallen. Sie zeichnen sich durch einen rapiden, zerstörerischen Verlauf aus, der ohne Behandlung zum Tod führt. Es handelt sich um eine Art Blutkrebs, der zu den B-Zell-Lymphomen gezählt wird, also einem Tumor des Lymphgewebes.

Ursachen

Ausgangspunkt der Erkrankung ist die Bildung entarteter Plasmazellen. Sie werden zu den B-Lymphozyten gerechnet, einer Untergruppe der Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Antikörper für die Immunabwehr zu produzieren. Die entarteten Plasmazellen stellen jedoch in extrem großen Mengen veränderte Antikörper her, sogenannte Paraproteine. Sie sind innerhalb der Immunabwehr funktionslos. Warum es zu dieser Entartung kommt, ist bis heute nicht restlos geklärt. Anhaltspunkte fanden Wissenschaftler in genetischen Veränderungen auf den Chromosomen 13 und 14. Selten lässt sich eine familiäre Häufung dieser Erkrankung nachweisen. Eine länger anhaltende, beispielsweise berufsbedingte Exposition gegenüber Pestiziden könnte einen Risikofaktor darstellen.

Symptome

Zu den ersten Anzeichen gehören häufig Rückenschmerzen. Da durch die Erkrankung das Knochengewebe abgebaut wird, klagen die Betroffenen zusätzlich über Knochenschmerzen in der Wirbelsäulengegend und erleiden vermehrt Knochenbrüche. Im Knochenmark wird die Bildung normaler Zellen, auch die der roten Blutkörperchen, zurückgedrängt. Deshalb treten Symptome einer Anämie (Blutarmut) auf: Blässe, Schwäche- und Schwindelgefühle, Müdigkeit. Da es gleichzeitig an funktionsfähigen weißen Blutkörperchen mangelt, wird das Immunsystem geschwächt. Gehäufte Infektionen sind die Folge. Wegen der verminderten Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) zeigen sich in der Haut oft kleine stecknadelkopfgroße Blutungen. Die massenweise produzierten Paraproteine werden nur teilweise über die Nieren ausgeschieden: Ein bedeutender Teil setzt sich in der Niere fest und schädigt sie auf diese Weise.

Diagnose

Die Diagnose eines Plasmozytom lässt sich anhand des Nachweises von Plasmazell-Infiltrationen im Knochenmark und der auftretenden Paraproteine stellen. Bereits in der Blutuntersuchung kann eine Erhöhung des Gesamteiweißes auftreten. Trennt man es auf, können sich die Paraproteine als Extra-Signal (M-Gradient in der Serumelektrophorese) abzeichnen. Bence-Jones-Proteine als Sonderform der Paraproteine lassen sich im Urin nachweisen. Die Blutsenkungsreaktion und die Konzentration von Kalzium im Blut sind oft stark erhöht. Im Blutbild werden Merkmale einer Anämie und die Verringerung der Thrombozytenzahl nachweisbar. In der Röntgendiagnostik zeigen sich Hinweise einer Osteolyse (griechisch: ostéon, Knochen; lýsis, Auflösung) am Schädel-, Rippen-, Wirbelsäulen oder Beckenknochen. Zusätzlich kann eine Knochenmarksbiopsie zur histologischen Beurteilung herangezogen werden.

Behandlung

Für die Therapie des Plasmozytoms ist die Kenntnis über das Stadium der Erkrankung von großer Bedeutung. Liegen zu Beginn im Stadium I keine Beschwerden vor, wird engmaschig kontrolliert ohne weitere Behandlung. Für spätere Stadien ist eine exakte Einstufung wichtig, um den passenden Therapieplan zu erstellen. Die Chemotherapie soll die weitere Ausbreitung der entarteten Plasmazellen verhindern. Dabei werden auch die funktionstüchtigen Immunzellen zerstört und die Abwehr geschwächt. Deshalb können vor Beginn einer solchen Behandlung dem Patienten Stammzellen entnommen werden, um sie ihm dann im Anschluss wieder zu verabreichen. Sie sorgen dafür, dass die Immunabwehr wieder in Gang kommt. Andere Kombinationstherapien setzen Glucocorticoide, sogenannte Proteasom-Hemmer und immunmodulierende Medikamente ein. Ziel ist es, die Krebszellen absterben zu lassen und die verbessern die Abwehrfunktionen im Körper.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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