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Gesundheitslexikon: Placebo

Placebo - Schein statt Sein

Der Glaube versetzt bekanntlich Berge – das altbewährte Sprichwort kann sich auch in der Medizin bewahrheiten. Personen, die unter Hypochondrie leiden, bilden sich häufig Krankheitssymptome ein. Diese können sich mit Hilfe von sogenannten Placebos therapieren lassen. Placebos sind Scheinmedikamente, die zumeist ohne arzneiliche Inhaltsstoffe auskommen. Viele Ärzte verschreiben sie ihren Patienten, um deren subjektives Wohlbefinden zu steigern. Doch nicht nur bei psychisch bedingten Symptomen können Placebo-Präparate ihre positive Wirkung entfalten, auch bei tatsächlichen, klar diagnostizierten Erkrankungen können sie eine lindernde Wirkung erzielen.  

Die verschiedenen Arten von Placebo

Generell wird Placebo in drei Klassifikationen unterteilt. Differenziert wird zwischen echten, aktiven und falschen Placebos. Welches Mittel im Einzelfall verabreicht wird, liegt im Ermessen des behandelnden Arztes. Echte Präparate enthalten lediglich Zucker oder Stärke. Des Weiteren können Geschmacks- und Farbstoffe beigefügt sein. Diese werden in den gängigen Darreichungsformen hergestellt - als Pulver oder Tablette. Aktive Scheinmedikamente hingegen werden primär für die Kontrolle klinischer Prüfungen benutzt. Auch sie verfügen über keinerlei Wirkstoffe. Stattdessen bringen sie die möglichen Nebenwirkungen echter Medikamente zum Vorschein. Bei Pseudoplacebos handelt es sich um tatsächliche Arzneien, die aber - laut aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis - keine Wirkung erzielen können, da ihre Dosierung zu geringfügig ist. Auch eine Akupunktur oder eine vorgetäuschte Operation können als Placebo gelten. 

Die Effekte von Placebo

Sämtliche psychische und physische Reaktionen, die einen positiven Aspekt auf den menschlichen Organismus ausüben, gelten als Placebo-Effekt. Sie stehen in einem psychosozialen Kontext zur schulmedizinischen Behandlung. Dadurch, dass der Patient sich durch das verabreichte Mittel eine Besserung erhofft, kann diese tatsächlich eintreten. Dennoch greift der erhoffte Effekt nicht bei jedem Individuum. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass etwa 35 Prozent aller Probanden auf eine Placebo-Behandlung anspringen. Als wichtiger Faktor gilt die positive Grundhaltung, die der Mensch einnehmen sollte. Falls er bereits im Vorfeld nicht an eine Gesundung glaubt, ist das Einsetzen von Placebo sinnlos. Skepsis steht also im Widerspruch zu einer erfolgreichen Pseudomedikation. 

Der ethische Aspekt

Nach aktueller Gesetzeslage dürfen Placebos nur verabreicht werden, wenn der Patient vorab aufgeklärt wurde. Dies steht - logischerweise - im Widerspruch zum eigentlichen Sinn des Scheinmedikaments. Dieser paradoxe Fakt führt seit Jahrzehnten zu dem Diskurs, inwieweit die Richtlinien umgangen werden können. Vor allem bei Menschen, die seit geraumer Zeit Schmerzmittel einnehmen, kann es zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit kommen. Deshalb setzen viele Ärzte, zum Wohle der Patienten, auf die Zugabe von Placebo. 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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