Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsstörung erkennen und richtig behandeln

Die Gesamtheit unserer Eigenschaften macht unsere Persönlichkeit aus. Es liegt auf der Hand, dass der Begriff der Persönlichkeit deswegen ein ungenauer ist. Dies macht es auch schwierig, elementare Störungen derselben zu diagnostizieren. Doch circa 10 Prozent der Bevölkerung weisen Medizinern zufolge eine oder mehrere Persönlichkeitsstörungen auf. Von einer Persönlichkeitsstörung sprechen Psychologen oder Psychotherapeuten dann, wenn tiefgreifende Verhaltensmuster deutlich von der Norm abweichen, erheblichen Leidensdruck verursachen und auch durch eindeutige Lernerfahrungen nicht korrigiert werden können. Es handelt sich um starre Muster, die sich in der Kindheit oder frühen Jugend manifestieren, auch wenn sich immer wieder herausstellt, dass diese kontraproduktiv sind. Unterschieden werden die Borderline-Störung (starke Stimmungsschwankungen, intensive, aber labile Beziehungen, Selbstverletzung, latente Suizidalität), die antisoziale Störung (impulsives, antisoziales Verhalten), die narzisstische Persönlichkeitsstörung (Selbstverliebtheit und Größenwahn als dominierende Merkmale), die schizotypische Persönlichkeitsstörung (exzentrisches Verhalten), die selbstunsichere, die abhängige und die zwanghafte Persönlichkeitsstörung.

Ursachen

Wie bei allen psychischen Störungen geht man davon aus, dass eine genetische Komponente eine wesentliche Rolle spielt. Ferner werden frühkindliche Erfahrungen diskutiert, die die Persönlichkeit eines Menschen deutlich prägen und mitbestimmen. Zudem existieren auch neurobiologische Ansätze. Dabei werden durch Bildgebungsverfahren mögliche hirnorganische Ursachen analysiert. Ein weiterer Faktor ist das angeborene Temperament. So geht man davon aus, dass zum Beispiel ein ängstliches Kind eher eine Neigung aufweist, eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung zu entwickeln, als ein extrovertiertes.

Symptome

Die Symptome äußern sich unterschiedlich. Diese hängen davon ab, um was für eine Persönlichkeitsstörung es sich handelt, wie stark diese ausgeprägt ist und ob möglicherweise eine Komorbidität vorliegt, d. h., eine Kombination von mehreren psychischen Störungen. Allen Persönlichkeitsstörungen gemein ist, dass sie für die Betroffenen und ihre Umwelt einen erheblichen Leidensdruck darstellen. So ist die permanente latente Suizidalität eines Borderliners sowohl für den Betroffenen als auch für seine Umgebung schwer zu ertragen. Die Betroffenen fallen mit ihrem Verhalten grundsätzlich aus der Norm und stoßen somit bei ihrer Umwelt immer wieder auf Widerstände und Unverständnis.

Diagnose

Eine Diagnose kann nur ein Fachmann stellen (ein Psychotherapeut, ein Psychologe oder ein Psychiater), wenn der oder die Betroffene mindestens 18 Jahre alt ist und durch ihr Verhalten längerfristig auffällig geworden ist. Zum einen zählt dabei der klinische Eindruck, zum anderen ist eine umfassende Anamnese in Form von Gesprächen notwendig, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Behandlung/Therapie

Das Mittel der Wahl bei Persönlichkeitsstörungen ist eine intensive Psychotherapie. Medikamente können zwar manche Verhaltensweisen und den Leidensdruck abmildern, nicht jedoch die Ursache beseitigen. Die Therapie von Persönlichkeitsstörungen kann dabei je nach Ausprägung langwierig und schwierig sein.

Vorbeugung

Diese psychischen Störungen zu vermeiden, ist schwierig, da die Ursachen oft in der frühen Kindheit liegen. Eltern können sich bemühen, ihren Kindern Halt und eine verlässliche Bindung zu bieten. Dies verringert die Gefahr, dass sich eine Persönlichkeitsstörung entwickelt. Zudem sollte die Umwelt verstehen, dass eine Störung vorliegt und manche Verhaltensweisen auf diese Weise erklärbar werden. Dies bedeutet aber nicht, dass man letztere gutheißt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige