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Gesundheitslexikon: Pathologie

Pathologen sind keine Gerichtsmediziner

Es ist ein lang gepflegter Mythos, der seinen Ursprung in der Unterhaltungsindustrie hat, dass Pathologen die Leichen in Mordfällen untersuchen. Aber dies ist falsch! In solchen Fällen greifen in den meisten Fällen Gerichtsmediziner oder Rechtsmediziner ein. Pathologen hingegen haben es in den allermeisten Situationen mit lebenden Patienten oder solchen zu tun, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Bei der Pathologie handelt es sich um ein medizinisches Teilgebiet, das sich mit krankhaften oder abnormen Zuständen im Körper und mit deren Ursachen beschäftigt. Dabei diagnostiziert und erforscht der Pathologe Symptome, also einzelne Phänomene, oder Syndrome, welche Verbände von Symptomen sind. Ebenfalls zum Spezialgebiet der Pathologie gehören Missbildungen.

Wichtigste Aufgaben der Pathologie

Zu den großen Aufgabenbereichen der Pathologen zählen die Biopsie, die Obduktion und die Qualitätssicherung. Bei der Biopsie werden Gewebeproben untersucht, die durch operative Entnahme von Organen oder vom Gewebe eines Patienten entnommen wurden. Diese werden je nach Größe und Form vom Pathologen unter dem Mikroskop betrachtet oder zuvor mit bloßem Auge beurteilt. Auf Basis dieser Untersuchungen erstellt er Diagnosen, die durch alleinige klinische oder radiologische Untersuchungen nicht gestellt werden könnten. Häufig verlässt man sich bei der Diagnose über die Gut- oder Bösartigkeit eines Tumors auf die pathologische Diagnose. Diese liefert dem klinischen Arzt oft entscheidende Hinweise, um eine entsprechende Behandlungsmethode zu entwickeln.

Wenn ein Patient eines natürlichen Todes gestorben ist, wird eine Obduktion durch einen Pathologen durchgeführt, sofern die Angehörigen damit einverstanden sind. Ziel ist zumeist die Feststellung der Todesursache. In vielen Fällen wünschen Angehörige eine solche Obduktion, um Gewissheit über die Todesursache zu erhalten, was vor allem bei einem plötzlichen Tod die Ungewissheit nehmen kann. Hierin unterscheidet sich der Pathologe von einem Gerichts- oder Rechtsmediziner, welcher dann in Anspruch genommen wird, wenn ein Gewaltverbrechen vorliegt oder vermutet wird. Diese häufig vorkommende Verwechslung ist vermutlich auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen: Im amerikanischen Englisch bedeutet Gerichtsmediziner ‚forensic pathologist‘.

Durch seine Arbeit bei der Biopsie und Obduktion leistet der Pathologe darüber hinaus entscheidende Arbeit bei der Qualitätssicherung medizinischer Dienstleistungen. Die Stützung von Diagnosen durch pathologische Untersuchungen hilft der Medizin, den Standard zu halten und zu verbessern.

Teilgebiete der Pathologie

Man unterscheidet fünf Teilgebiete der Pathologie. Bei der pathologischen Anatomie werden Gewebsveränderungen aller Art untersucht. Die Histopathologie ist ein Verfahren der Krankheitsdiagnostik, bei dem auf das Mikroskop zurückgegriffen wird. Sie ist die am häufigsten angewendete Untersuchungsmethode der Pathologen. Sie erlaubt nicht nur eine sichere Krebsdiagnose, sondern findet in 90 Prozent aller untersuchten Proben Anwendung. Die Zytopathologie ist ein Verfahren, um Krebs festzustellen, bei dem keine Gewebeproben, sondern einzelne Zellen untersucht werden. Sie findet beispielsweise bei der Diagnose von Gebärmutterhalskrebs Anwendung. Die Molekulare Pathologie untersucht ebenfalls einzelne Zellen und Gewebe, allerdings auf molekularer Ebene.

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