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Gesundheitslexikon: Paartherapie

Paartherapie als Chance für eine kriselnde Beziehung

Die Paartherapie wird angewendet, um akute oder langwierige Probleme in einer Zweierbeziehung zu lösen. Es geht dabei nicht unbedingt um ein Heilung wie bei einer Psychotherapie, sondern es wird versucht mit Unterstützung eines Psychologen, Sozialpädagogen oder Seelsorgers, Konflikte einer Beziehung aufzuarbeiten und zu überwinden. Wie die Eheberatung ist die Paartherapie eine nichtheilkundige psychologische Tätigkeit. Die Paartherapie geht jedoch zumeist wesentlich tiefer.

Voraussetzungen für erfolgreiche Paartherapien

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreich verlaufende Paartherapie ist, dass beide Partner den Therapeuten akzeptieren, sowie die Erkenntnis, dass nicht einer der beiden Partner die alleinige Schuld an den Problemen hat. Auch sollte man nicht mit der Einstellung in eine Therapie gehen, dass der Berater die Probleme des Paares lösen wird, sondern im besten Fall diesen als Moderator ansehen, der das Paar zur Lösung hinführt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Partner zur erhöhten Autonomie geführt werden.

Zu den am weitesten verbreiteten Paartherapien zählt die Gesprächstherapie, die von Carl Rogers entwickelt wurde. Akzeptanz, Empathie, Echtheit und später ergänzend die Präsenz, definierte dieser als die vier Kernvariablen der Gesprächspsychotherapie.

Techniken der Mediation bilden eine weitere Variante der Paartherapie. Mediation ist eine auch im Rechtswesen häufig angewandte Methode, um Konflikte beizulegen, indem unabhängige dritte die Parteien zu einer einvernehmlichen Lösung zu führen.

Auch die Gestalttherapie, eine From der Psychotherapie, findet in Form von Rollenspielen Anwendung, ebenso wie ein einfaches Kommunikationstraining.

Ursachen und Erklärungsmodelle

Weshalb Konflikte in Paarbeziehungen so häufig auftreten, ist ein viel diskutiertes Thema. Aufgrund der großen Zahl unterschiedlicher psychologischer Denkschulen, stehen beinahe ebenso viele Erklärungsmodelle zur Verfügung.

Psychoanalytische Theorien gehen davon aus, dass die Ursachen von Paarkonflikten meist mit neurotischen Dispositionen beider Betroffenen zu tun haben. Die Kollusion, entwickelt durch den Psychoanalytiker Jürg Willi, besagt, dass beide Partner bestimmte Konflikte in ihrer Vergangenheit nicht bewältigt haben und dadurch in die neuen Beziehungen, die mit den eigentlichen Ursachen gar nichts zu tun haben, übertragen.

Bei der Paarsynthese wird angenommen, dass Liebe als früher Antrieb des Lebens wirkt. Die intime, emotionale Bindung wird dabei als ein entscheidender Faktor der Persönlichkeitsentwicklung gesehen.

Die Mehrgenerationentherapie geht davon aus, dass Paarkonflikte über mehrere Generationen hinweg bestehen, die die Paare im Heute weiter leben.

Durch Kommunikationspsychologie wird versucht, das emotionale Verständnis untereinander zu verbessern. Der Psychologie John Gottmann definierte vier Kommunikationsprobleme als potentielle Sargnägel jeder Beziehung: Kritik, Verachtung, Verteidigung und Abschottung.

In modernen Paartherapien werden mehr und mehr auch sexuelle Aspekte der Partnerschaft mit einbezogen, da Konflikte nicht selten ihren Kern eben in der Sexualität haben.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Die Methode ist auf jeden Fall entscheidend für Ihre Auswahl. Informieren Sie sich, bevor Sie einen Paartherapeuten in Anspruch nehmen, über dessen angewandte Methoden. Machen Sie nur etwas, mit dem beide Partner einverstanden sind. Und natürlich sollte der Therapeut auch unbedingt beiden Partnern sympathisch sein.

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