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Gesundheitslexikon: Orthopädie

Orthopädie, die Kunst der Aufrichtung

Ursprünglich befasste sich die Orthopädie hauptsächlich mit der Behandlung von Fehlstellungen und Fehlhaltungen bei Kindern. Darauf weist der griechische Wortursprung hin. "Ortho" steht für gerade oder aufrecht und "pädie" für Erziehung im Allgemeinen und Kindererziehung im speziellen. Heute befasst sich die Orthopädie als medizinisches Teilgebiet mit dem gesamten Spektrum an Erkrankungen, Fehlstellungen, Funktionseinschränkungen und Verletzungen des Bewegungssystems in allen Altersgruppen. Neben der Diagnostik und Behandlung gehören auch die Prävention und die Rehabilitation zu ihrem Aufgabengebiet. Die Bezeichnung Orthopäde erwerben sich Ärzte durch den erfolgreichen Abschluss einer sechsjährigen Facharztausbildung.

Abgrenzung/Teilgebiete

Im Laufe der Zeit hat sich der Tätigkeitsbereich der Orthopädie deutlich ausgeweitet. Das hat auch dazu geführt, dass die Grenzen zu anderen medizinischen Teilgebieten teilweise verwischt wurden. Insbesondere mit der Unfallchirurgie und der Sportmedizin gibt es vielfältige Überschneidungen.

Typische Sportverletzungen wie Meniskusläsionen, Kreuzband- oder Innenbandrisse im Knie und Rotatorenmanschettenrupturen im Schultergelenk können ohne Vorbedingung durch große Gewalteinwirkung passieren und würden dann eher den Unfallchirurgen zugewiesen. Verschleißerscheinungen der Menisken, Sehnen und Bändern steigern die Verletzungsanfälligkeit. Läsionen, die unter dieser Voraussetzung entstehen, fallen eher in das Zuständigkeitsgebiet der Orthopäden. Allerdings wird diese Unterscheidung heute nicht mehr so strikt und genau eingehalten. Fachärzte für Sportmedizin, die häufig aus der Orthopädie oder Traumatologie kommen, beschäftigen sich sowieso mit allen Aspekten, die im Zusammenhang mit Sportverletzungen von Bedeutung sind. Die Orthopädie teilt sich die Rheumatologie mit den Internisten und übernimmt dort eher den operativen Part zur Korrektur von Fehlstellungen.

Betätigungsfelder/Erkrankungen

Orthopäden befassen sich mit einem großen Spektrum an Erkrankungen des Bewegungsapparates. Das beginnt mit Fehlbildungen und Fehlstellungen, geht weiter über degenerative Erkrankungen und entzündliche Prozesse in Gelenken, Knochen und der Wirbelsäule bis zu Tumorerkrankungen an den Strukturen des Bewegungssystems. Ein Hauptaugenmerk der Orthopädie liegt auf der Erforschung der verursachenden Faktoren und deren Ausschaltung. Dazu gehören die körperlichen Gegebenheiten wie zum Beispiel Übergewicht und Achsfehlstellungen, aber auch die Verhaltensgewohnheiten im Beruf und im privaten Leben. Andererseits spielt die Therapieplanung eine wichtige Rolle. In der Regel werden heute erhaltende Therapiekonzepte bevorzugt, die komplett ohne oder zumindest ohne große Eingriffe auskommen. Erst wenn alle konservativen Optionen ausgeschöpft sind oder die Problematik zu schwerwiegend ist, kommen operative Verfahren zum Einsatz. Diese reichen von kleinen Eingriffen, die arthroskopisch oder minimal invasiv durchgeführt werden, bis zu großen Operationen wie Umstellungsosteotomien bei Achsfehlstellungen, Gelenkersatz bei Arthrose oder Versteifungs- und Aufrichtungsverfahren an der Wirbelsäule.

Kooperation mit anderen Berufsgruppen

Gerade die konservativen Konzepte haben eine große Bedeutung in der Orthopädie, besonders in den Phasen der stationären oder ambulanten Rehabilitation. Neben den ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten wie der Schmerz- und Injektionstherapie und chirotherapeutischen Verfahren ist die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen von Bedeutung. Die Verordnung von Heilmitteln wie Physiotherapie wird sowohl zur therapeutischen Unterstützung genutzt als auch zur Vermittlung von präventiven Konzepten wie Rücken- oder Knieschule. Im Rahmen der Verschreibung von Hilfsmitteln arbeiten Orthopäden häufig mit Orthopädietechnikern zusammen, wenn es um die fachgerechte Versorgung und Anpassung von Orthesen, Korsetts oder Schienen geht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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