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Gesundheitslexikon: Östrogen

Östrogene, die weiblichen Geschlechtshormone

Mit dem Begriff Östrogene bezeichnet man eine ganze Gruppe von weiblichen Geschlechtshormonen. Bei Männern und Kindern kommen sie zwar auch vor, jedoch nur in wesentlich geringerer Konzentration. Zu den Östrogenen gehören das Östradiol, das Östriol und das Östron. Dem Östradiol kommt die wichtigste Bedeutung zu.

Normwerte von Östradiol im Blutserum:

- in der ersten Zyklus-Hälfte 25 bis 95 ng/l

- während des Eisprungs 75 bis 570 ng/l

- in der zweiten Zyklus-Hälfte 60 bis 250 ng/l

- nach den Wechseljahren (Postmenopause) weniger als 45 ng/l

- bei Männern 12 bis 42 ng/l

- vor der Pubertät bei Mädchen und Jungen unter 30 ng/l

Wozu braucht der weibliche Körper Östrogene?

Östrogene haben einen bedeutenden Einfluss auf den Rhythmus des weiblichen Zyklus. Besteht keine Schwangerschaft, sind die Eierstöcke die Hauptproduzenten der Hormone, die in kleineren Mengen auch in der Nebennierenrinde und der Plazenta hergestellt werden. Die Bildung von Östrogenen wird vom Gehirn aus gesteuert. Es ist die Hypophyse, also der Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, welche diese Aufgabe übernimmt. Durch ihr follikelstimulierendes Hormon (FSH) regt sie die Bildung der Östrogene an.

Östrogene sind in der Schwangerschaft unverzichtbar, unterstützen die Knochenbildung und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Sie sorgen für den Aufbau der Gebärmutter-Schleimhaut und haben einen Einfluss auf das Wachstum von Brustgewebe. Östrogene fördern außerdem die Produktion des guten HDL-Cholesterins und sorgen zeitweise auch für Wassereinlagerungen im Körper.

Wodurch kommt es zu erhöhten Östrogen-Werten?

In der ersten Hälfte des weiblichen Zyklus steigt besonders das Östradiol an und hat kurz vor dem Eisprung die höchste Konzentration. Dadurch wird auch das luteinisierende Hormon (LH) dazu veranlasst sprunghaft zu steigen, als Folge kommt es zum Eisprung. Wird das Ei nicht befruchtet, verringert sich die Menge der Östrogene schlagartig wieder. Erhöhte Östrogen-Werte können aber auch auf Krankheiten hindeuten. Die Leber ist für den Abbau der Östrogene verantwortlich und die Niere sorgt für die Ausscheidung der Hormone. Werden also erhöhte Östrogen-Werte festgestellt, kann das unter Umständen auch auf Funktionsstörungen von Leber oder Nieren hindeuten. Erhöhte Werte finden sich ebenso bei bestimmten Tumorerkrankungen.

Wodurch kommt es zu niedrigen Östrogen-Werten?

Liegt eine Störung der Funktion des Hypophysenvorderlappens vor, können die Östrogen-Werte zu niedrig sein. Denn dann produzieren die Eierstöcke zu wenig Hormone. Auch durch die Wechseljahre kommt es zu spürbaren, körperlichen Veränderungen, die mit der sinkenden Produktion der Östrogene zusammenhängen. Die Eierstöcke beenden schließlich die Arbeit komplett. Zyklus und Monatsblutung bleiben aus.

Welche Aufgaben haben die Östrogene in der Schwangerschaft?

Ohne Östrogene könnte der Follikel, also das unbefruchtete Ei, im Eierstock nicht heranreifen. Kommt es zu einer Schwangerschaft, geht der Östrogen-Wert nach oben und verhindert dadurch das Heranreifen weiterer Folikel. Nun übernimmt die Plazenta die Hauptaufgabe und produziert vor allem Östradiol und Östriol. Zum Ende der Schwangerschaft werden die höchsten Werte gemessen.

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