Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Noma (gangränöse Stomatitis, Wangenbrand, Wasserkrebs)

Noma – in Industrienationen eine seltene Erkrankung

Noma, auch als Wangenbrand bekannt, ist eine Entzündung, die vom Zahnfleisch oder der Wangenschleimhaut ausgehend die Durchblutung des umliegenden Gewebes verhindert und es absterben lässt. Der Name der Erkrankung leitet sich aus dem altgriechischen Wort ‚nomein‘ ab, das wörtlich übersetzt ‚weiden, abfressen‘ bedeutet und hier für ‚um sich fressendes Geschwür‘ steht. Weitere Bezeichnungen für die Krankheit sind Wasserkrebs und gangränöse Stomatitis. In den westlichen Industrienationen tritt Noma praktisch nicht auf. In vielen von Armut und unzureichender Hygiene geprägten Ländern ist sie jedoch epidemisch und führt jährlich bei rund 100.000 Kindern unter sechs Jahren zu schweren Entstellungen im Gesicht oder sogar zum Tod.

Ursachen

Der Wangenbrand befällt fast ausschließlich unter- und mangelernährte Kinder, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. Auslöser der Erkrankung sind sogenannte Fusobakterien und Spirochäten, die in der Mundschleimhaut siedeln, ohne für gesunde Menschen eine Bedrohung darzustellen. Ist das Immunsystem jedoch bereits durch andere Infektionskrankheiten geschwächt, beispielsweise durch Masern, Typhus oder AIDS, werden aus den harmlosen Bakterien gefährliche Krankheitserreger.

Symptome

Erstes Anzeichen für Noma ist eine kleine Wunde in der Mundschleimhaut. Aus dieser entsteht innerhalb kürzester Zeit ein Geschwür, für gewöhnlich an der Wange. Der beginnende Wangenbrand ist gekennzeichnet durch einen fauligen Mundgeruch. Von der Wange aus breitet sich das Geschwür auf die Lippen und das ganze Gesicht aus und zerfrisst dabei auch tieferliegende Gewebeschichten wie Muskeln und Knochen. Die Erkrankten leiden unter starken Schmerzen und Fieber. Da die Vernarbung meist eine Kiefersperre verursacht, können sie nicht mehr richtig essen und auch das Sprechen fällt schwer. Sinne wie Riechen, Hören und Sehen können ebenfalls beeinträchtigt sein. Die Entstellung des Gesichts und die damit einhergehende Ausgrenzung sind außerdem mit schwerem seelischen Leid verbunden.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose gangränöse Stomatitis ergibt sich schnell aus den sichtbaren Zeichen der Erkrankung und den Begleitumständen wie Mangelernährung oder unzureichende Hygiene. Um die Diagnose labordiagnostisch zu erhärten, wird eine Gewebeprobe aus dem infizierten Areal entnommen, aus der die Erreger auf einem geeigneten Nährboden gezüchtet und dann mikrobiologisch untersucht werden. Lassen sich die Bakterien nachweisen, gilt die Diagnose als sicher.

Behandlung

Die Behandlung von Noma zielt darauf ab, die Infektion aufzuhalten, die Symptome zu beseitigen und Rückfälle zu verhindern. Antiseptische Mundspülungen und eine Verbesserung der Ernährung reichen in der Frühphase der Erkrankung aus, um das Geschwür zum Abklingen zu bringen. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, lässt sich die Infektion mit Antibiotika im Zaum halten. Hat sich das abgestorbene Gewebe schon abgelöst, können die zerstörten Gesichtspartien nur noch durch einen chirurgischen Eingriff wiederhergestellt werden. Dies ist jedoch in Entwicklungsländern nur sehr selten möglich.

Vorbeugung

Hygiene, ausreichende Ernährung und eine gute medizinische Versorgung nach westlichem Standard sind die beste Prophylaxe gegen Noma. Die wirksamste Hilfe bestünde also in der Bekämpfung der Unterernährung, in der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und in der Vermeidung anderer Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus, Masern und Röteln durch entsprechende Impfungen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige