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Gesundheitslexikon: Nierenversagen (akutes Nierenversagen)

Akutes Nierenversagen – die vier Phasen des Nierenleidens

Akutes Nierenversagen bezeichnet den temporären sowie totalen Ausfall der Nierenfunktion. Dabei wird zwischen prärenaler, renaler und postrenaler Form unterschieden, was die Lokalisation der Ursache bezeichnet. Das akute Nierenversagen verläuft in vier Stadien und ist in den meisten Fällen reversibel.

Ursachen

Kommt es zu einem akuten Nierenversagen aufgrund prärenaler Faktoren, so handelt es sich hierbei zu 90 Prozent um das Resultat verminderter Durchblutung der Nieren beispielsweise aufgrund eines Volumenmangelschocks oder einer Sepsis.

Spricht man von akutem Nierenversagen mit renaler Ursache, so spielen nierenspezifische Erkrankungen oder Schädigungen eine Rolle bei der Entstehung. Sehr typisch sind hier eine vorangegangene Glomerulonephritis oder nierenschädigende Toxine beispielsweise in Drogen oder Medikamenten.

Die häufigste Form des akuten Nierenversagens ist die postrenale Form. Hierbei kommt es aufgrund einer Abflussbehinderung beispielsweise durch Harnsteine, eine Prostatavergrößerung oder einen Tumor zu einem Rückstau des Urins und infolgedessen zu einer Schädigung der Niere.

Symptome

Das akute Nierenversagen verläuft in vier Phasen. Die erste Phase, die Schädigungsphase, dauert meist nur wenige Stunden bis Tage an und zeigt keine Symptome. Erst in der zweiten Phase des Nierenversagens, welche sich über eine bis zehn Wochen hinauszögern kann und in der die Nieren so gut wie keinen Urin produzieren, beginnt der Körper zu reagieren. Insbesondere die harnpflichtigen Substanzen, die eigentlich ausgeschieden werden sollten, stauen sich im Blut und führen zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen oder Lungenödemen. In der anschließenden dritten Phase der Polyurie beginnt sich der Körper langsam zu erholen. In diesen Wochen gehen die Symptome der zweiten Phase zurück und die Betroffenen scheiden bis zu sieben Litern täglich aus. In der Restitutionsphase nimmt die Niere ihre Funktion wieder wie gewohnt auf.

Diagnose

Eine umfassende Anamnese soll Aufschluss geben, ob beispielsweise ein Infekt vorangegangen ist oder andere etwaige Ursachen auszumachen sind. Stellen sich Betroffene in der zweiten Phase beim Arzt oder im Krankenhaus vor, so gibt das klinische Bild meist ebenfalls deutliche Hinweise auf ein akutes Nierenversagen. Letztlich kann mittels Labor und Ultraschall die Diagnose gesichert werden.

Behandlung

Die Therapie eines akuten Nierenversagens erfolgt stets medikamentös, es sei denn es handelt sich um das Ergebnis einer Abflussbehinderung, welche dann zusätzlich meist operativ entfernt wird.

Je nach Phase können antiemetische Medikamente gegen das Erbrechen helfen. Antibiotika unterstützen, wenn das akute Nierenversagen nach einer Glomerulonephritis auftritt. Insbesondere in der zweiten Phase benötigen Betroffene Schleifendiuretika zur Unterstützung bei der Harnausscheidung. Die dritte Phase geht aufgrund der massiven Urinausscheidung oft mit einer Dehydration einher, weshalb Infusionen und Elektrolyte hier sinnvoll sind.

In der zweiten und dritten Phase benötigen die Patienten zu den medikamentösen Maßnahmen jedoch vor allem auch Ruhe und Erholung.

Vorbeugung

Im Falle einer bereits durchlebten Erkrankung sollten Betroffene zur Vermeidung einer Nierenschädigung auf tierische Proteine verzichten sowie Kalium reduzieren.

Wenn Sie bereits eine beeinträchtigte Nierenfunktion haben oder älter als 50 Jahre sind, so ist es wichtig, Medikamente, insbesondere Schmerzpräparate, nur nach ärztlicher Absprache einzunehmen, da diese teilweise toxisch auf die Nieren wirken können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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