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Gesundheitslexikon: Nierenentzündung (Interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis)

Nierenentzündung: So unterscheiden sich die Ausprägungen

Die Nieren befinden sich rechts und links der Wirbelsäule, auf Höhe des letzten Rippenbogens. Das Organ soll das Blut reinigen, die gefilterten Abfallprodukte mit dem Harn ausscheiden und den Wasser- und Elektrolythaushalt regulieren. Die Bestandteile der Nieren werden Nephronen genannt, die vom Zwischengewebe (Interstitium) umgeben sind und aus Nierenkörperchen (Glomerulum) und Nierenkanälchen bestehen. Je nachdem wo die Nierenentzündung entstanden ist, sprechen Mediziner daher entweder von einer Glomerulonephritis oder einer interstitiellen Nephritis. Entzündet sich der Hohlraum in der Mitte des Organs, handelt es sich um eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Ursache

Glomerulonephritis ist ein Überbegriff für mehrere entzündliche Erkrankungen der Nieren. Üblicherweise sind beide Nieren betroffen, entzündet sind immer die Nierenkörperchen. Die Glomerulonephritis ist eine Autoimmunerkrankung, sie wird also durch eine Fehlfunktion des Immunsystems ausgelöst. Mediziner unterscheiden zwischen primärer und sekundärer Glomerulonephritis. Die sekundäre Erkrankung tritt als Folge einer anderen Krankheit auf. Häufig handelt es sich dabei um Infektionskrankheiten, andere Immun- oder Krebserkrankungen. Auch Medikamente, die Penicillamin, Quecksilber oder Gold enthalten, können für eine Glomerulonephritis verantwortlich sein.

Die interstitielle Nephritis ist häufig eine Folge einer Überempfindlichkeit auf Medikamente. Es kommt dabei zu einer allergischen Reaktion. Auslöser können Antibiotika, Zytostatika, Virostatika, Diuretika oder nicht-steroidale Antirheumatika sein. Beim chronischen Verlauf, der zumeist durch die jahrelange, tägliche Einnahme von Schmerzmitteln entsteht, gelten unter anderem Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Pyrazolone oder Codein als Verursacher. Außerdem kann die interstitielle Nephritis auch von Bakterien oder Viren ausgelöst werden.

Symptome

Da bei den beiden Erkrankungen unterschiedliche Bereiche der Nieren betroffen sind, unterscheiden sich auch die Symptome. Die Glomerulonephritis verläuft zumeist ohne Schmerzen und wird deswegen erst spät – meist im Zuge von Routineuntersuchungen – entdeckt. Mögliche Symptome im späteren Krankheitsverlauf sind ein trüber oder rötlich gefärbter Harn, Wassereinlagerungen im Gesicht oder Bluthochdruck.

Auch bei der interstitiellen Nephritis sind die Symptome meist sehr unauffällig. Bei einer akuten Erkrankung berichten Patienten von Fieber, Gelenkschmerzen, blutigem oder trübem Harn oder Veränderungen der Haut. Im chronischen Verlauf treten Symptome wie eine gelb-bräunliche Hautfarbe, ein ausgetrocknetes Aussehen oder Kopfschmerzen auf.

Diagnose

Die Anamnese, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung, kann dem Arzt erste Hinweise auf eine Nierenentzündung geben. In der Regel folgen eine Harn- sowie eine Blutuntersuchung, im Zweifelsfall kann eine Biopsie in lokaler Betäubung notwendig werden.

Behandlung

Die Behandlung der Nierenentzündung unterscheidet sich je nach Ursache und Beschwerden. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut. Eine medikamentöse Behandlung ist zumeist dann nicht vonnöten, wenn nur geringe Eiweiß- und Blutmengen im Harn festgestellt werden. Eine regelmäßige Kontrolle sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind aber wichtig.

Bei der fortgeschrittenen Glomerulonephritis kann eine Therapie mit Glukokortikoiden oder Immunsuppressiva Erfolg zeigen. Die Arzneimittel unterdrücken die Entzündungsreaktion und hemmen das Immunsystem. Zur Heilung der interstitiellen Nephritis müssen die auslösenden Medikamente sofort abgesetzt werden. Im späteren Stadium werden kortisonhaltige Medikamente verabreicht. Ist die Schädigung der Nieren schon weit fortgeschritten, kann eine Dialyse oder eine Transplantation notwendig werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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