Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Neurologie

Neurologie – ein sehr komplexes medizinisches Fachgebiet

Die Neurologie ist das medizinische Fachgebiet, welches sich mit allen Facetten von Erkrankungen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems sowie der Muskulatur beschäftigt. Zu ihrem Tätigkeitsbereich gehören die Vorbeugung, die Untersuchung, die konservative Therapie und die Rehabilitation möglicher sowie bestehender neurologischer Beeinträchtigungen. Es gibt Überschneidungen und Kooperationsmöglichkeiten mit der Psychiatrie, der Inneren Medizin und der Neurochirurgie, besonders im rehabilitativen Bereich auch mit der Orthopädie.

Neurologen

Die Bezeichnung Facharzt für Neurologie erwirbt sich ein Mediziner im Anschluss an das Medizinstudium durch eine 60-monatige Weiterbildung in einer geeigneten und anerkannten medizinischen Einrichtung. Die Absolventen müssen bestimmte Stationen durchlaufen, von der stationären und intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten bis zum Aufenthalt in einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie. Fakultativ können Kenntnisse in den angrenzenden Fachgebieten wie Innere Medizin, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Psychosomatik und im ambulanten Bereich erworben werden.

Erkrankungen

Ein großes Aufgabengebiet der Neurologie sind die Erkrankungen des Zentralnervensystems. Dazu gehören die Ischämien und Hirnblutungen, die infolge von Gefäßschädigungen entstehen, insbesondere der Arteriosklerose. Auch Hirntumore und neurodegenerative Erkrankungen wie die Parkinsonkrankheit und alle Formen der Demenz fallen in diesen Bereich. Ebenso entzündliche Prozesse, die durch Viren oder Bakterien hervorgerufen werden wie die Meningitis. Die Neurologie befasst sich auch mit Anfallsleiden wie der Epilepsie und – gemeinsam mit anderen medizinischen Disziplinen – mit der Migräne.

Eine weitere Gruppe von neurologischen Erkrankungen kann sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem betreffen. Dazu gehören die multiple Sklerose, bei der es durch Entzündungsprozesse zu einem Abbau der Isolierschichten der Nervenfasern kommt, und die degenerativ bedingte amyotrophe Lateralsklerose. Tumore und Metastasen können ebenfalls beide Systeme betreffen.

Der dritte Aufgabenbereich der Neurologie umfasst die Störungen im peripheren Nervensystem. Das können lokale Nervenläsionen sein, wie zum Beispiel beim Bandscheibenvorfall, oder systemische Erkrankungen wie die Polyneuropathie, die sowohl die motorischen als auch die sensiblen Nervenfasern betrifft.

In diesen Bereich fallen auch die neuromuskulären Erkrankungen, bei denen es zu Muskelatrophien kommt, weil die Innervation der Muskulatur gestört ist.

Diagnostik/Therapie

Viele neurologische Erkrankungen sind sehr komplex und verursachen häufig lebensbedrohliche Zustände. Die genaue Diagnosestellung stellt die verantwortlichen Ärzte auch heute noch oft vor schwierige Aufgaben, obwohl sich die Möglichkeiten in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie, die Dopplersonografie und die Magnetresonanztomografie ergänzen heute standardmäßig die schon traditionellen Untersuchungsverfahren der Elektrophysiologie und die Laboruntersuchungen von Blut und Nervenwasser (Liquor). Das Ausmaß und die Art einer Erkrankung können dadurch erheblich besser eingeschätzt und verursachende Faktoren besser gefunden werden.

Das hat auch Auswirkungen auf die Therapie, die in den letzten Jahren maßgebliche Fortschritte gemacht hat. Für viele Erkrankungen stehen heute Behandlungen zur Verfügung, die auf einer schnellen Diagnose beruhen, wie zum Beispiel die Lysetherapie bei Schlaganfällen oder chirurgische Eingriffe bei Hirntumoren. Die Entwicklung neuer Medikamenten bei entzündlichen Prozessen wie der multiplen Sklerose hat dazu geführt, dass nicht mehr nur die Symptome behandelt werden können, sondern auch der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden kann. Obwohl diese positive Entwicklung stetig fortschreitet, gibt es immer noch viele neurologische Leiden, für die es keine adäquate Behandlung gibt. Dazu gehören die meisten neurodegenerativen und neuromuskulären Erkrankungen.

Anzeige