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Gesundheitslexikon: Myasthenia gravis (Myasthenie)

Myasthenia gravis – Übertragungsstörung zwischen Nerven und Muskeln

Die Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die betroffenen Muskeln nicht oder nur noch schwach auf Nervenimpulse reagieren. Kennzeichnend sind eine schnelle Ermüdung der Muskulatur und Muskelschwäche. Die Erkrankung tritt relativ selten auf und ist nicht ansteckend. Es können Menschen jeder Altersgruppe betroffen sein. Frauen erkranken häufiger als Männer. Bei ihnen bricht die Krankheit meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, bei Männern zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr aus.

Ursachen

Bei einer Myasthenia gravis greift das Immunsystem aus bisher ungeklärter Ursache die Muskelrezeptoren an, welche die Nervenimpulse empfangen. Normalerweise werden die Signale aus dem Gehirn mithilfe chemischer Substanzen (Neurotransmitter) auf den Muskel übertragen. Der Neurotransmitter (Acetylcholin) bindet an den entsprechenden Rezeptor im Muskel und löst eine Kontraktion aus. Bei der Myasthenia gravis blockieren Antikörper diese Signalübertragung, indem sie den Rezeptor besetzen und langfristig zerstören.

Die schädlichen Antikörper werden vor allem in der Thymusdrüse gebildet, die vermutlich bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielt. Circa drei Viertel aller Betroffenen weisen krankhafte Veränderungen in der Thymusdrüse auf. Bei zehn bis 15 Prozent dieser Patienten handelt es sich um ein Thymom (Tumor des Thymus).

Symptome

Die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich. Manchmal ist nur die Augenmuskulatur betroffen (okuläre Form), was hängende Oberlider (Ptosis) und Doppelsichtigkeit zur Folge hat. Bei vielen Patienten weitet sich die Myasthenie auf andere Muskelgruppen aus. Grundsätzlich können alle Muskeln betroffen sein, die man bewusst steuern kann (quergestreifte Muskulatur). Sogenannte autonome Muskeln wie das Herz werden nicht eingeschränkt. Häufig ist die Muskulatur des Gesichts, Kehlkopfs, Halses und Nackens betroffen. Anzeichen dafür können eine verzerrte Mimik und Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken oder Sprechen sein. Manchmal erkrankt auch die Arm- und Beinmuskulatur. Dann treten beispielsweise Probleme beim Treppensteigen oder in der Feinmotorik auf. Ist die Atemmuskulatur betroffen, kann eine lebensbedrohliche Situation (myasthene Krise) entstehen. Belastung verschlimmert die Symptome.

Diagnose

Ein Eisbeuteltest kann erste Hinweise liefern, wenn sich die Symptome durch Kälte bessern. Belastungstests geben Auskunft über die Muskelkraft. Beim Simpson-Test schaut der Patient beispielsweise einige Minuten nach oben, was eine Ptosis auslösen oder verstärken kann. Nach Gabe des Wirkstoffes Tensilon verschwinden die Symptome bei Betroffenen (Tensilontest). Andere diagnostische Mittel sind die Elektromyografie (Messung der elektrischen Muskelaktivität) und der Nachweis bestimmter Antikörper im Blut. Manchmal wird auch Muskelgewebe entnommen und im Labor untersucht. Veränderungen der Thymusdrüse können mittels Computertomografie des Thorax festgestellt werden.

Behandlung

In leichten Fällen reicht die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, welche die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln erleichtern. Das fehlgeleitete Immunsystem wird mit Kortison und anderen Immunsuppressiva gebremst. Eine weitere Möglichkeit ist die operative Entfernung des Thymus. Eine myasthene Krise muss intensivmedizinisch behandelt werden. Teilweise ist eine künstliche Beatmung nötig. Mittels Plasmapherese werden die Antikörper mechanisch aus dem Blut gefiltert. Eine schnelle Besserung kann auch durch die intravenöse Verabreichung hochdosierter Immunglobuline erzielt werden.

Vorbeugung

Da die Ursachen der Autoimmunstörung unbekannt sind, kann einer Erkrankung nicht wirksam vorgebeugt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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