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Gesundheitslexikon: Mutismus

Mutismus: psychisch bedingte Stummheit

Der Mutismus ist eine psychische Störung, welche durch hartnäckiges Schweigen oder durch vollständige Stummheit der betroffenen Person gekennzeichnet ist. Ein wichtiges Merkmal des Mutismus besteht darin, dass er nicht willentlich beeinflusst werden kann. Die Störung kann in selektiven, totalen und akinetischen Mutismus eingeteilt werden. Der selektive Mutismus betrifft meist Kinder. Ihnen ist nicht möglich, willentlich einen kommunikativen Kontakt zu fremden Personen aufzunehmen. In ungewohnter Umgebung und bei fremden Personen bleiben die Betroffenen stumm. Mit vertrauten Personen findet jedoch eine normale Kommunikation statt. Beim totalen Mutismus kommt es zu gar keinem verbalen Kontakt. Im Falle des akinetischen Mutismus leiden die betroffenen Personen unter massiven Antriebstörungen. Sie reden und bewegen sich nicht. Außerdem zeigen sie keine Emotionen. Dabei sind die Wahrnehmung und das Gedächtnis meist intakt.

Ursachen

Als Ursache für den selektiven Mutismus werden massive Angststörungen vor sozialen Kontakten vermutet. Dadurch wird die Kommunikation in ungewohnter Umgebung oder bei fremden Personen blockiert. Diese Blockade kann vom Kind nicht willentlich aufgehoben werden. Auslöser für dieses selektive Schweigen können Traumata oder massive psychische Belastungen sein. Da das Phänomen sehr selten auftritt, wird auch eine genetische Veranlagung für den selektiven Mutismus vermutet. Organische Ursachen liegen nicht vor.

Für die Auslösung des totalen Mutismus sind auch psychische Probleme verantwortlich. Man vermutet neben psychologischen Ursachen auch genetische Veranlagungen.

Bei einem akinetischen Mutismus spielen oft auch organische Ursachen eine Rolle. Diese Form des Mutismus tritt unter anderem bei einer Schädigung des Frontalhirns, bei Hirntumoren oder anderen Hirnerkrankungen auf. Der Gyrus cinguli im limbischen System, dem Zentrum des Wollens, ist oft geschädigt. Dadurch ist der willentliche Einfluss auf die Erkrankung nicht möglich.

Symptome

Das Leitsymptom besteht beim totalen oder akinetischen Mutismus im völligen Schweigen. Beim selektiven Mutismus ist der Patient nur in Gegenwart von fremden Personen oder in fremder Umgebung stumm. Die Betroffenen haben keinen willentlichen Einfluss auf die Wiederaufnahme des Kontaktes.

Diagnose

Da es viele Erkrankungen gibt, die mit dem Verlust des Sprechvermögens einhergehen können, müssen Differenzialdiagnosen gegen verschiedene andere Störungen durchgeführt werden. Mutismus ist ein eigenständiges Krankheitsbild und wird gegen Störungen abgegrenzt, bei denen mutismusähnliche Symptome nur als Begleiterscheinung auftreten wie bei Psychosen, Autismus, Stottern, Schädel-Hirn-Traumen, Sprachentwicklungsstörungen, Gehörlosigkeit oder anderen Erkrankungen.

Die Kriterien für die Definition als Mutismus bestehen in der Unmöglichkeit einer verbalen Kontaktaufnahme mit anderen Menschen, der Verschlechterung der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit, einer mindestens einmonatigen Dauer der Störung und ihrer Unabhängigkeit von anderen Erkrankungen.

Behandlung

Zum Einsatz kommt die Kombination von sprachtherapeutischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Behandlungsmethoden. Zuweilen ist auch eine begleitende medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva notwendig. Jeder Patient muss individuell behandelt werden.

Vorbeugung

Aufgrund der Vielfalt der Ursachen für diese Erkrankung ist eine Vorbeugung nicht möglich. Beim Auftreten erster Symptome sollte jedoch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um einen voll ausgeprägten Mutismus zu vermeiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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