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Gesundheitslexikon: Muskelatrophie

Muskelatrophie: Wissenswertes zum Muskelschwund

Eine Muskelatrophie, allgemein auch Muskelschwund genannt, ist eine sichtbare Verminderung der Muskelmasse. Dahinter steckt eine Verkleinerung des Querschnitts der einzelnen Muskelfasern und in der Summe des gesamten Muskels durch zu wenig Beanspruchung.

Ursachen

Die Ursache für eine Muskelatrophie kann im Muskel selbst liegen und wird häufig durch nicht genügenden Gebrauch hervorgerufen. Diese Form der Atrophie, Inaktivitätsatrophie genannt, kommt gehäuft im Alter vor, verstärkt bei älteren Menschen, die längere Zeit bettlägerig sind. In dem Fall ist die gesamte Skelettmuskulatur betroffen. Lokale Muskelatrophien bilden sich aus, wenn ein Körperteil zum Beispiel nach einem Unfall für längere Zeit ruhig gestellt wurde. Bei Menschen mit Unterernährung baut der Körper Muskelgewebe ab, um den Mangel an Nährstoffen auszugleichen.

Muskeldystrophien sind eine Gruppe von erblich bedingten Erkrankungen, bei denen der Stoffwechsel der Muskulatur zum Teil erheblich eingeschränkt ist. Sie führen zu einem massiven Abbau der Muskelmasse beziehungsweise verhindern den normalen Muskelaufbau im Rahmen der kindlichen Entwicklung. Eine große Gruppe von neurologischen Erkrankungen kann ebenfalls zu einem massiven Muskelschwund führen. Dazu gehören Läsionen der peripheren Nerven, wie sie bei einem Bandscheibenvorfall oder Verletzungen der Bein- oder Armnerven entstehen. Die Folge sind lokale schlaffe Lähmungen mit einer sehr raschen Atrophie der versorgten Muskeln. Die spinalen Muskelatrophien sind erblich bedingte Erkrankungen, bei denen die motorischen Nervenzellen im Rückenmark nicht funktionieren. Es gibt verschiedene Schweregrade der Erkrankung, die mit massiven Beeinträchtigungen und zum Teil einer erheblichen Verminderung der Lebenserwartung einhergehen. Eine weitere neurologische Erkrankung mit einer fortschreitenden Muskelatrophie der gesamten Skelettmuskulatur ist die Amyotrophe Lateralsklerose.

Symptome

Inaktivitätsatrophien sind durch den sichtbaren Volumenverlust und die zunehmende Einschränkung der Muskelfunktion durch die Kraftminderung gekennzeichnet. Weitere Symptome sind die schnelle Ermüdung der Muskulatur, Ermüdungsschmerzen sowie Schmerzen bei Belastung und auf Druck. Alle neurologisch bedingten Muskelatrophien führen mehr oder weniger schnell zu einem Abbau der Muskulatur, weil diese keine Nervenimpulse mehr erhält. Häufig zeigt sich die daraus resultierende Muskelschwäche zunächst in den Extremitäten und breitet sich Richtung Rumpf aus. Bei manchen Erkrankungen ist aber von Beginn an das gesamte System betroffen. Häufig sind elementare motorische Funktionen wie Sitzen, Stehen und Gehen nicht möglich. Die Symptomatik bei den Muskeldystrophien ist trotz der völlig verschiedenen Ursachen ähnlich.

Diagnose

Eine Muskelatrophie kann häufig durch einfache Methoden festgestellt werden. Umfangmessungen der Muskulatur können den Verdacht auf eine Atrophie durch den Sichtbefund bestätigen, insbesondere wenn eine Messung im Seitenvergleich möglich ist. Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit sind Muskelfunktionsprüfungen, mit den sich der Kraftgrad der Muskulatur feststellen lässt. Sie können manuell oder geräte- und computergestützt durchgeführt werden. Tests der motorischen Leistungsfähigkeit lassen Rückschlüsse auf die Muskelfunktion und mögliche Beeinträchtigungen durch eine Muskelatrophie zu. Ansonsten steht bei der Diagnostik die Abklärung möglicher Grunderkrankungen im Vordergrund.

Behandlung

Die Therapie ist je nach Ursache sehr verschieden. Bei den schweren Grunderkrankungen einer Muskelatrophie geht es vor allem darum, Schmerzen und andere Symptome zu lindern und wenn möglich das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern oder zu verlangsamen. Bei den schweren Fällen der spinalen Muskelatrophie sind die Behandlungsmöglichkeiten allerdings sehr begrenzt. Inaktivitätsatrophien können bis zu einem gewissen Zeitpunkt rückgängig gemacht werden. Dabei helfen Bewegungsprogramme unter Aufsicht und in Eigenregie und eine entsprechende Ernährung, um den Energiebedarf zu decken.

Vorbeugung

Altersbedingtem Muskelabbau kann durch regelmäßige körperliche oder sportliche Betätigung vorgebeugt werden. Je früher damit begonnen wird, umso besser. Aber auch im fortgeschrittenen Alter können motorische Funktionen, auch die Muskelkraft, noch trainiert werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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