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Gesundheitslexikon: Morphin

Morphin: stark gegen Schmerzen

Morphin ist ein Alkaloid aus Opium, wie es im getrockneten Milchsaft von Schlafmohn vorkommt. Medizinisch findet Morphin als starkes Schmerzmittel Einsatz. Die Substanz gilt als stärkste natürlich vorkommende Substanz mit schmerzstillender Wirkung.

Wirkung

Morphin greift unmittelbar in unser Zentralnervensystem (ZNS) ein. Vom zentralen Nervensystem aus werden neben den vitalen und motorischen Funktionen unsere gesamte Wahrnehmung und unser Bewusstsein gesteuert. Das Morphin lagert sich an sogenannte Opiatrezeptoren des ZNS, so insbesondere an der Großhirnrinde, an. Opiatrezeptoren sitzen vor allem in den Arealen des Zentralnervensystems, die Gefühlbewegungen und Schmerzempfinden kontrollieren. Durch die Anlagerung an die Rezeptoren blockiert das Morphin die Neuronen. Wenn eine Schmerzempfindung an den blockierten Zellen entsteht, leiten die Rezeptoren diesen Schmerz nicht weiter. Das Schmerzempfinden des Patienten wird auf diese Weise ausgeschaltet. Mit Morphin sind neben der schmerzlindernden Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen verbunden, so zum Beispiel Bewusstseinsstörungen wie Halluzinationen, Lähmungserscheinungen wie die Atemdepression oder ein Abfall von Vitalfunktionen wie dem Blutdruck. Darüber hinaus kann Morphin die Grundspannung der glatten Muskulatur beeinflussen und den Hustenreiz ausschalten. Als unerwünschte Nebenwirkung der Morphingabe ist außerdem die Wirkung auf das Brechzentrum des Gehirns zu nennen. Ab einer bestimmten Dosis stellen sich also Übelkeit und Brechreiz ein.

Anwendungsgebiete und Verschreibungspflicht

Morphin findet in der medizinischen Praxis annähernd ausschließlich bei starken Schmerzen wie beispielsweise Tumorschmerzen Einsatz. Die Substanz steht in Form von Salben, Gels, Retard-Kapseln, Retard-Tabletten, Tropfen, Injektionslösungen und Pflastern zur Verfügung. Bei akuten Schmerzen im Rahmen von Traumata wird Morphin meist parenteral gegeben. Die schnellste Wirkung erzielt der Arzt mittels intravenöser Gabe in die Blutbahnen. Patienten mit chronischen Schmerzen erhalten Morphin in der Regel in Form von retardierten Tabletten und Kapseln. Gels und Salben mit dem Wirkstoff finden zum Beispiel im Rahmen von Arthrose Anwendung. Abgesehen von der schmerzlindernden Verwendung wird Morphin teilweise auch Patienten mit Atemnot verabreicht. Da die Substanz mit einer atemdepressiven Wirkung verbunden ist, haben die Patienten das subjektive Gefühl, weniger Luft zu benötigen. In Einzelfällen findet Morphin auch bei Husten Verwendung, da es den Hustenreiz ausschaltet. In jeder genannten Darreichungsform unterliegt Morphin dem Betäubungsmittelgesetz. Die Ausgabe der Substanz darf daher unabhängig von der Darreichungsform nur auf BtmG-Rezept erfolgen. Über den Verbleib von Morphin muss ein Nachweis geführt werden.

Wichtige Hinweise

Überdosierungen von Morphin verursachen eine Opiatintoxikation. Die tödliche Dosis wird für die perorale Aufnahme zwischen 0,3 und 1,5 Gramm angegeben. Für Drogenabhängige liegt die tödliche Dosis teilweise deutlich höher. Neben den Nebenwirkungen wie Erbrechen sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Alkohol zu beachten. Sobald eine Morphinintoxikation vorliegt, besteht eine Indikation auf die Gabe von Naloxon oder Naltrexon. Naloxon kann das Morphin von den Opiatrezeptoren verdrängen und damit seine Wirkung aufheben. Die Dosierung des Gegenmittels ist mit Sorgfalt durchzuführen. Bei hochdosierter Gabe gelangt der Patient einer Morphinüberdosis unmittelbar in einen Entzugszustand mit starken Entzugssymptomen. Wenn Morphin chronischen Schmerzpatienten nur bei Bedarf verabreicht wird, sind immer höhere Dosen für eine schmerzlindernde Wirkung erforderlich. Zur Vermeidung dieses Phänomens wird bei chronischen Patienten in der Regel ein bestimmter Morphinspiegel im Blut angestrebt, der dauerhaft gehalten wird.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.

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