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Gesundheitslexikon: Morbus Meulengracht (Gilbert-Meulengracht-Syndrom, Gilbert-Syndrom)

Morbus Meulengracht: Wissenswertes über die Stoffwechselstörung

Morbus Meulengracht, auch als Gilbert-Meulengracht-Syndrom oder als Gilbert-Syndrom bezeichnet, ist eine häufige und meist harmlose Stoffwechselstörung. Diese gilt zwar nicht als Krankheit im eigentlichen Sinne, sie kann jedoch zu lästigen Symptomen und einer Unverträglichkeit für bestimmte Medikamente führen und sich als Störfaktor bei anderen Erkrankungen erweisen. Meulengracht ist weit verbreitet. Eine entsprechende Anlage haben neun bis 17 Prozent der weißen Bevölkerung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen

Die Ursache des Gilbert-Meulengracht-Syndroms ist eine verringerte Enzymaktivität der UDP-Glucuronosyltransferase (UDP-GT). Hierdurch wird der gelbbraune Gallefarbstoff Bilirubin nur unzureichend abgebaut und ausgeschieden. Personen mit Morbus Meulengracht haben daher oft erhöhte Bilirubin-Werte, insbesondere bei körperlicher Aktivität, Stress, Krankheit, während der Menstruation oder beim Fasten.

Symptome

Die meisten Betroffenen zeigen keine Symptome. Steigt der Bilirubin-Wert an, können Haut und Augen zeitweilig eine Gelbfärbung annehmen (Ikterus). Selten kommt es auch zu stärkeren Anzeichen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit oder erheblicher Übelkeit. Sofern Symptome auftreten, dann in der Regel in vorübergehenden Schüben.

Diagnose

Morbus Meulengracht lässt sich eindeutig diagnostizieren. Ein erster Verdacht liegt vor, wenn es zu einer gesteigerten Übelkeit bei gleichzeitiger Gelbverfärbung der Augen kommt. Zwar ist es aufgrund der meist fehlenden Symptome schwierig, die Stoffwechselstörung durch eine äußere Untersuchung festzustellen, eine Untersuchung des Blutes schafft jedoch schnell Klarheit. Sind die Bilirubin-Werte erhöht, während alle anderen Blutwerte normal sind, kann vom Gilbert-Syndrom ausgegangen werden. Oftmals wird der höhere Bilirubin-Spiegel auch nur zufällig bei einer Blutuntersuchung aus anderen Gründen festgestellt.

Trotz der Harmlosigkeit von Morbus Meulengracht spielt die Diagnose eine entscheidende Rolle, da durch sie eine ernste Erkrankung der Leber und auch eine Hämolyse ausgeschlossen werden können. Manchmal führen die Ärzte auch einen Gentest durch, um sich ihres Untersuchungsbefundes hundertprozentig sicher zu sein.

Behandlung

Da es sich beim Gilbert-Meulengracht-Syndrom um eine harmlose Stoffwechselstörung handelt, ist eine Therapie nicht zwingend notwendig. Es besteht jedoch die Möglichkeit, Aufklärung zu betreiben und die Symptome zu beheben. Das ist insbesondere dann erforderlich, wenn die Betroffenen wegen ihrer gelb verfärbten Augen oder der wiederholten Übelkeit verunsichert sind und sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen.

Der wichtigste Eckpfeiler der Therapie ist ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, in dem die einzelnen Symptome und ihr Zusammenhang mit den erhöhten Bilirubin-Werten besprochen werden. Ein weiterer Kernpunkt der Behandlung ist die Untersuchung auf eine Medikamentenunverträglichkeit. Da bestimmte Wirkstoffe wie Paracetamol die Symptome verstärken können, sollten sie gegebenenfalls abgesetzt werden. Möglich sind außerdem Unverträglichkeiten gegenüber östrogenhaltigen Hormonen, Anthraquinonen, Buprenorphin, Flavonoiden, dem Krebsmittel Irinotecan und den HIV-Medikamenten Atazanavir und Indinavir.

Im Normalfall verursacht Morbus Meulengracht keinerlei Beschwerden. Gelbe Augen und Übelkeit verschwinden nach wenigen Tagen von selbst. Es empfiehlt sich allerdings, Rauchen, Alkohol, Infektionen, langes Hungern und unregelmäßige Schlafenszeiten zu vermeiden, da dies einen Anstieg der Bilirubin-Werte bewirken kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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