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Gesundheitslexikon: Morbus Bechterew

Ursachen, Symptome und Behandlung von Morbus Bechterew

Bei Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans), benannt nach dem Erstbeschreiber Wladimir Bechterew, handelt es sich um eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung. Betroffen sind dabei insbesondere die Wirbelsäule und das Becken, manchmal auch die Gelenke der Gliedmaßen. In Folge der Entzündung kann sich zwischen den Wirbeln und den Kreuz-Darmbeingelenken Knochengewebe bilden, das diese unbeweglich macht. In fortgeschrittenem Stadium ist eine Verknöcherung (Ankylosierung) und Versteifung nicht auszuschließen.

In Mitteleuropa sind schätzungsweise rund 0,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. In der Regel erkranken Männer häufiger als Frauen. Typischerweise beginnt Morbus Bechterew zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, wobei die Erkrankung auch bereits in der Kindheit auftreten kann.

Ursachen

​Mediziner vermuten, dass die Erbanlagen Grund für die Erkrankung sind. Laut 'Netdoktor' weisen mehr als 95 Prozent der Erkrankten das genetische Merkmal HLA-B27 auf. Zum tatsächlichen Ausbruch der Krankheit wirken aber noch weitere Faktoren mit. So könnte eine Fehlregulierung des Immunsystems für die Erkrankung mitverantwortlich sein. Wissenschaftler vermuten etwa, dass Bakterien im Zuge von Infektionen das körpereigene Abwehrsystem zu einer übermäßigen Reaktion reizen. Infolgedessen greifen die Entzündungen auch auf gesundes Körpergewebe über.

Symptome

Zu Beginn der Erkrankung sind häufig die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) betroffen. Bei längerem Sitzen kommt es zu Schmerzen im Becken, die zum Teil in die hinteren Oberschenkel ausstrahlen. Morbus Bechterew-Patienten leiden zudem an Rückenschmerzen, typischerweise in längeren Ruhephasen. Insbesondere nachts klagen Erkrankte über starke Schmerzen, die auch zum Erwachen führen können. Beim Aufstehen fühlen sich die Gelenke steif und unbeweglich an. Erst Bewegung sorgt für eine Besserung der Symptome.

In manchen Fällen können auch Schmerzen außerhalb der Wirbelsäule auftreten. Gelenke wie Knie, Sprunggelenk und Hüfte oder das Brustbein und die Fersen sind häufig betroffen. Rund 40 Prozent der Morbus Bechterew-Patienten leiden zudem an einer Entzündung der mittleren Augenhaut. Dabei schmerzt das Auge, reagiert lichtempfindlich und ist gerötet. In fortgeschrittenem Stadium werden ein stark ausgeprägter Rundrücken, Osteoporose oder feine Risse in den Wirbelkörpern beobachtet.

Diagnose

Aufgrund der unspezifischen Merkmale, die auf verschiedene Krankheiten hindeuten können, kommt es häufig erst spät zu einer eindeutigen Diagnose. Diese erfolgt aufgrund der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung. Dabei prüft der Arzt die Beweglichkeit der Wirbelsäule und eine mögliche Entzündung des Kreuzbein-Darmbein-Gelenks. Anschließend folgen Röntgenaufnahmen und/oder eine Magnetresonanztomografie, um Entzündungen oder Verknöcherungen abzuklären. Außerdem erfolgt eine Blutanalyse im Labor.

Behandlung

Morbus Bechterew ist nicht heilbar, der Krankheitsverlauf kann aber positiv beeinflusst werden. Dabei ist Bewegung der wichtigste Pfeiler. Eine entsprechende Krankengymnastik hilft den Patienten, die Muskeln zu kräftigen und die aufrechte Körperhaltung zu trainieren. Zudem können Bäder, Massagen oder eine Niederfrequenz-Therapie hilfreich sein. Im Alltag unterstützen zudem Sitzkissen, ein richtiges Bett oder ein ergonomischer Arbeitsplatz den Patienten. Sportliche Aktivität, am besten mit dem Arzt abgestimmt, sollte für Betroffene zur Selbstverständlichkeit werden.

Die Symptome der Krankheit werden meist medikamentös behandelt. Entzündungshemmende und schmerzlindernde nichtsteroidale Antirheumatika werden vom Arzt verschrieben. In seltenen Fällen wird eine Operation notwendig.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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