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Gesundheitslexikon: Mistel

Die Mistel – rätselhaft und mystisch

Wenn die Bäume im Winter ihre Blätter verloren haben, zeigen sich in manchem Geäst kugelförmige, verästelte Gewächse: Misteln, im Volksmund auch ‚Hexenbesen‘ genannt. Die immergrüne, strauchartige Pflanze aus der Familie der Sandelholzgewächse gedeiht in Laub- oder Nadelbäumen. Dort ernährt sich die Mistel als Halbparasit von ihrer Wirtspflanze, indem sie über spezielle Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe aufnimmt und durch Fotosynthese ihre zum Leben benötigten Energiestoffe daraus herstellt. Nach der Blütezeit, wenn die unscheinbaren grünlich-gelben Blüten aus den Blattachseln verschwunden sind, schmückt sich die hierzulande verbreitete Sorte Viscum album mit glänzenden weißen Beeren.

Misteln mögen Wärme

In Mitteleuropa sind drei Unterarten der Mistel bekannt: die Laubholzmistel, die Tannenmistel sowie die Kiefernmistel. Misteln befallen häufig Bäume mit weichem Holz wie Weiden oder Pappeln und sie mögen besonders das feucht-warme Klima, wie es in Flussauen herrscht. Kalte Winter mit intensiver Sonneneinstrahlung können den Wärme liebenden Misteln dagegen arg zusetzen, denn über die eingefrorenen Leitungsbahnen ihrer Wirtsbäume kann die Pflanze keine Nährsalze mehr aufnehmen. Die ledrigen Blätter werden dann braun oder vertrocknen ganz. Für die Vermehrung der Mistel sorgt insbesondere die Misteldrossel durch das Fressen und Ausscheiden der erbsengroßen Beeren.

Die Mistel als Zauberpflanze und Glücksbringer

Die lateinische Bezeichnung der Mistel, ‚Viscum‘, bedeutet ‚Leim‘. Damit weist der Name schon auf eine frühere Verwendung hin, der aus den klebrigen Früchten hergestellte Vogelleim diente dem Vogelfang. Die Kelten benutzten die als heilig geltenden Misteln zu rituellen Handlungen und im Altertum sollte ein daraus zubereiteter Trank gegen Unfruchtbarkeit helfen. Aus England kommt der Brauch, zu Weihnachten einen Mistelzweig über die Tür zu hängen. Darunter stehende Mädchen dürfen geküsst werden.

Die Mistel: Heilpflanze der modernen Medizin?

Obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen, werden Mistelpräparate heute bei verschiedenen Krankheitsbildern eingesetzt. Traditionelle Anwendungsgebiete sind Bluthochdruck, Wechseljahresbeschwerden oder degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose. Die Idee, Mistelsaft in der Krebstherapie einzusetzen, stammt von dem Anthroposophen Rudolf Steiner, dem Begründer dieser alternativen Heilmethode. Er glaubte, die Mistel könne einen Tumor, ebenso wie einen Baum, durch langfristigen Nährstoffentzug aushungern. Die medizinische Forschung beschäftigt sich seit den 1980er-Jahren mit einer möglichen Wirksamkeit in der Krebstherapie, die den in der Mistel enthaltenen Lektinen zugeschrieben wird. Langjährige klinische Studien konnten allerdings keine zweifelsfreie Wirkung gegen ein Tumorwachstum nachweisen, lediglich die Lebensqualität bei Patientinnen mit Brustkrebs und einer begleitenden Chemotherapie verbesserte sich.

Die Dosis macht das Gift

Alle Teile sowie die Beeren der Mistel sind giftig, wobei die Intensität von der Art des Wirtsbaumes abhängig ist. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall oder auch ein Blutdruckanstieg können die Folge eines Verzehrs von Pflanzenstücken sein. Kinder und Tiere sollten deshalb von Misteln ferngehalten werden. Bei über den Mund eingenommenen Mistelpräparaten sind derartige Nebenwirkungen nicht zu befürchten. Anders sieht es bei Injektionen von Mistelextrakten aus dem Pflanzensaft aus. Auch wenn viele Menschen eine Misteltherapie mittels Spritze gut vertragen, sind starke Nebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost, Kreislaufbeschwerden, Allergien oder Entzündungsreaktionen an der Einstichstelle möglich.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.

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