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Gesundheitslexikon: Methanol

Methanol: natürlicher Alkohol, der Menschen gefährlich werden kann

Methanol ist ein Vertreter aus der Gruppe der Alkohole. Die organische chemische Verbindung hat die Summenformel CH4O. Wie die meisten Alkohole ist auch Methanol eine klare und farblose Flüssigkeit, die leicht entzündlich ist. Sie ist leicht flüchtig und verfügt über einen alkoholischen Geruch. Pro Jahr werden rund 45 Millionen Tonnen Methanol hergestellt. Damit ist der Alkohol die Chemikalie, die am häufigsten produziert wird. Methanol wird aus Kohlenstoffmonoxid und Wasser gewonnen. Der Alkohol dient der Industrie als Ausgangsprodukt zur Fertigung von Essigsäure, Ameisensäure und Formaldehyd. Ferner werden Methanol und daraus entstandene Produkte zur Energiegewinnung eingesetzt. So kann aus dem Alkohol auch Kraftstoff gewonnen werden. In der Natur findet sich Methanol in Früchten, Gräsern und in der Baumwolle. Bei der Herstellung von Wein und beim Bierbrauen entsteht immer in geringer Menge Methanol.

Methanol und seine Wirkung auf den Körper

Methanol kann durch Inhalation, Hautkontakt oder durch Verschlucken in den Körper gelangen. Über den Blutweg verteilt sich der Alkohol schnell im Körper. Während kleinere Mengen unverändert wieder über die Nieren oder über die Lunge ausgeschieden werden, können größere Mengen Methanol zu Vergiftungen führen. Giftig ist dabei nicht der unverstoffwechselte Alkohol, sondern die Metaboliten (Abbauprodukte), die im Körper durch Stoffwechselprozesse entstehen. Durch die Alkoholhydrogenase, ein Enzym, das Alkohol katalysiert, entsteht aus Methanol Formaldehyd. Daraus entsteht im weiteren Verlauf wiederum Ameisensäure. Innerhalb von sechs bis 30 Stunden nach der Aufnahme des Alkohols entwickelt sich eine sogenannte metabolische Azidose. Als metabolische Azidose wird die stoffwechselbedingte Übersäuerung des menschlichen Körpers und des Blutes bezeichnet. Da die Ameisensäure nur sehr langsam abgebaut werden kann, sammeln sich während des schnellen Abbaus von Methanol größere Mengen Ameisensäure an.

Symptome einer Methanolvergiftung

0,1 Gramm Methanol pro Kilogramm Körpergewicht sind gefährlich. Eine Aufnahme von mehr als einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ist lebensgefährdend. Die Methanolvergiftung verläuft in drei Phasen. Direkt nach der Aufnahme des Alkohols tritt das narkotische Stadium mit Bewusstseinseinschränkungen ein. Eine berauschende Wirkung wird in der Regel nicht beobachtet. Nach einer kurzen Latenzphase klagen die Betroffenen über Schwindel, Erbrechen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Sie fühlen sich schwach und atmen schneller. Dies sind Symptome der eintretenden metabolischen Azidose. In der dritten Phase werden die Nerven durch die Azidose geschädigt. Charakteristischerweise ist der Nervus opticus, der Sehnerv, betroffen, sodass durch die Degeneration des Sehnervs eine Erblindung eintritt. Vorher zeigen sich durch Ödeme der Netzhaut häufig Sehstörungen. Die Erblindung ist irreversibel. Der Tod tritt in der Regel durch Atemlähmung ein.

Die Behandlung von Methanolvergiftungen

Zur Therapie wird der Abbau des Alkohols im Körper unterbunden, sodass weder Formaldehyd noch Ameisensäure entstehen können. Als Antidot gilt Ethanol. Dieser hemmt den Abbau des Methanols, da die Alkohol abbauenden Enzyme eine höhere Affinität zu Ethanol besitzen und diesen somit zuerst abbauen. Je nach aufgenommener Methanolmenge muss die Therapie mit Ethanol über Tage aufrechterhalten werden. Alternativ kommt ein ADH-Inhibitor zum Einsatz, der den Abbau von Methanol ebenfalls hemmen kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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