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Gesundheitslexikon: Melancholie

Melancholie – emotionaler Schmerz

„Bei der Trauer ist die Welt arm und leer geworden.“, so Siegmund Freud. „Bei der Melancholie ist es das Ich selbst.“ Noch heute versteht die Medizin unter der Melancholie einen Gemütszustand voll Traurigkeit, emotionalem Schmerz und Nachdenklichkeit. Häufig wird der Begriff der Melancholie als Synonym zum Krankheitsbild der Depression benutzt.

Schwermut in der Psychologie

Von Zeit zu Zeit ist jeder von uns traurig, empfindet emotionalen Schmerz oder ist nachdenklich. Wenn kein direkt benennbarer, greifbarer Anlass für diesen Gemütszustand besteht, liegt Melancholie vor. Im Aufsatz ‚Trauer und Melancholie’ grenzt Sigmund Freud die Begriffe Melancholie und Trauer voneinander ab. Trauer könne durch positive Trauerarbeit behoben werden. Für die Melancholie gelte das nicht. Melancholie definiert er weiter als „Aufhebung des Interesses für die Außenwelt“, als „Verlust der Liebesfähigkeit“, „Hemmung jeder Leistung“ und „Herabsetzung des Selbstgefühls“. Freud assoziiert den Begriff mit Selbstzerstörung, der bis zum Selbstmord führen kann. In diesem Sinne ist die Melancholie das Symptom einer sogenannten ‚endogenen Depression‘. Trauer allein aber macht noch keine Depression aus, sondern gehört zu einem gesunden Leben ebenso dazu wie Freude. Ein dauerhafter Zustand der Melancholie ist dagegen mit der Depression assoziiert, die einer emotionalen Verarmung gleichkommt. Seit der Antike gilt der Melancholiker in der Temperamentlehre Galens als einer von vier menschlichen Grundtypen. In diesem Zusammenhang ist die Melancholie, anders als bei Freud, keine Erkrankung, sondern eine charakterliche Grundtendenz.

Die Melancholie und die Kunst

Künstler sind Melancholiker, so besagt ein Vorurteil. Schon Friedrich Nietzsche war der Überzeugung, dass die Leidenschaft des Künstlers großes Leiden schafft. Er brachte die Melancholie mit dem ‚Dionysischen Prinzip der Künste‘ in Zusammenhang. Auf ähnliche Weise beschrieb Hermann Hesse den melancholischen Schmerz des Künstlers als Grundbaustein des künstlerischen Genies. Die Diskrepanz zwischen der Sehnsucht nach Leben und der Unfähigkeit zu vollem Leben war für Nietzsche und Hesse eine der wichtigsten Quellen künstlerischen Schaffens. Schon in der antiken Literatur tauchte ein Fragment auf, das vermutlich von Theophrast stammt. Darin wird Melancholie als Bedingung für den „göttlichen Wahnsinn“ interpretiert und darauf hingewiesen, dass „alle hervorragenden Männer, ob Philosophen, Staatsmänner, Dichter oder Künstler, offenbar Melancholiker gewesen“ sind. Dieser Zusammenhang wurde in der Epoche der Romantik zu einem Leitprinzip und stand häufig im selben Zusammenhang mit dem Begriff des Weltschmerzes. Die romantische Genieästhetik betonte die dunkle Seite der Kunst und beschrieb den Schmerz der Sehnsucht und Melancholie als Quelle des künstlerischen Schaffens. Seit Marsilio Ficino gelten Poesie und Musik allerdings als wirksame Therapeutika bei Melancholie. Damit dreht sich der romantische Grundzusammenhang zwischen Kunst und Melancholie. Die Kunst wird also nicht durch Melancholie zur Kunst, sondern ist eine Therapieform, zu der sich ein Melancholiker natürlicherweise hingezogen fühlt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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