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Gesundheitslexikon: MCV (MCV-Wert)

Der MCV-Wert steht bei einer Anämie im Fokus

Möchte der behandelnde Arzt die Konstitution des Patienten untersuchen, so stellt das Blutbild dafür eine gute Möglichkeit dar. Hier finden sich viele Werte wieder, die teilweise auf Krankheiten hindeuten können und einen ersten Eindruck über den Zustand des Erkrankten ermöglichen. Wer unter einer Blutarmut leidet, bei dem gilt dem Laborwert MCV (MCV-Wert) besonderes Augenmerk.

Was ist MCV?

Die Abkürzung MCV steht für ‚Mean Corpuscular Volume‘, ins Deutsche übertragen also für ‚mittleres Zellvolumen‘. Vermessen wird dabei das Zellvolumen der peripheren Erythrozyten. Mit dem MCV-Wert lässt sich also die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen errechnen. Der normale Wert des mittleren Erythrozyteneinzelvolumens beträgt bei einem Erwachsenen zwischen 80 und 98 fl (Femtoliter). Der Laborwert soll innerhalb des blutbildenden Systems auf Anämien oder sonstige Erkrankungen hinweisen und ist demnach ein sogenannter ‚diagnostischer Marker‘. Eine Vergrößerung oder Verkleinerung des Volumens gibt Aufschluss zur Art der Erkrankung.

Was sagt der MCV-Wert aus?

Mit dem MCV werden Anämien, also eine bereits diagnostizierte Blutarmut, labortechnisch beurteilt.

Wird ein MCV im Normalbereich gemessen, so spricht man von der normozytären Anämie. Dafür könnte beispielsweise eine vorangegangene Blutung oder eine Nieren- oder Lebererkrankung verantwortlich sein. Auch eine hämolytische oder aplastische Anämie könnte den Wert beeinflussen.

Ist der MCV-Wert zu niedrig, so liegt eine mikrozytäre Anämie vor. Dann sind die roten Blutzellen in der Probe auffallend klein. Dies kann auf einen Eisenmangel hindeuten. Auch eine Thalassämie oder ein Vitamin-B6-Mangel könnte vorliegen. Bestimmte Tumorerkrankungen führen ebenfalls zur mikrozytären Anämie.

Bei einem zu hohen MCV sind die roten Blutzellen abnorm vergrößert. Man spricht von einer makrozytären Anämie. Dann könnte beispielsweise eine perniziöse Anämie dahinterstecken. In diesem Fall könnte der Patient mit dem Vitamin B12 oder Folsäure behandelt werden. Auch ein massiver Alkoholmissbrauch zeigt sich in einem zu hohen MCV-Wert.

Der MCV alleine zur Beurteilung einer Blutarmut ist jedoch wenig aussagekräftig. Er wird in Verbindung mit weiteren Parametern gesetzt. Daher wird daneben auch der MCH-Wert gemessen. Dieser Wert zeigt den mittleren durchschnittlichen Hämoglobingehalt eines einzelnen, isolierten Erythrozyten an. Ist dieser Wert zu hoch oder zu niedrig, bestätigt dies ebenfalls die Blutarmut. Neben dem MCV und dem MCH wird auch noch der MCHC-Wert festgehalten. Er spiegelt die mittlere Hämoglobinkonzentration der roten Blutkörperchen wider. Diese drei Werte zusammen weisen auf die Erkrankung Blutarmut hin.

Wie wird MCV ermittelt?

Der Patient wird zu Blutabnahme gebeten und ihm werden durchschnittlich 0,5 Milliliter Blut entnommen. Daraus wird zunächst der Hämatokrit ermittelt, also der Bestandteil zellulärer Anteile im Blut. Bei modernen Hämatologiegeräten werden dann die Erythrozyten mittels Lichtberechnung vermessen. Dabei bezieht sich das Gerät auf einen Referenzwert und vergleicht die Werte miteinander.

Der MCV-Wert lässt sich aus dem Hämatokrit auch rechnerisch herleiten. Dabei wird das Hämatokrit durch die Erythrozytenzahl subtrahiert.

Was muss man beim MCV-Wert beachten?

Ein einmalig ermittelter Wert innerhalb eines Blutbildes hat keine finale Aussagekraft. Der MCV unterliegt starken tageszeitlichen Schwankungen. Gerade bei Frauen kann es zudem zyklusbedingt zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Auch sollte berücksichtigt werden, dass die Arbeit von Laboren untereinander abweichend ist. Somit sollte bei begründetem Verdacht auf Anämie der MCV-Wert mehrfach und zu unterschiedlichen Tageszeiten bemessen werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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