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Gesundheitslexikon: Magersucht (Anorexie, Anorexia nervosa)

Wie Sie Magersucht erkennen und richtig behandeln

Bei der Anorexia nervosa, auch Magersucht oder Anorexie genannt, handelt es sich um eine psychische Störung aus dem Bereich der Essstörungen. Menschen, die unter Anorexie leiden, möchten dem eigenen Körper durch absichtliches Hungern und zwanghaftes Kalorienzählen möglichst wenig Nahrung zuführen und durch körperliche Aktivitäten den Energieverbrauch steigern. Die Betroffenen können sich selbst nicht richtig wahrnehmen und empfinden sich auch bei extremen Untergewicht als zu dick. Außerdem typisch für Betroffene ist das ständige Gedankenkreisen um die Themen Körper, Ernährung und Gewicht. Bei der Anorexia nervosa unterscheidet man zwischen dem restriktivem Typ, der ausschließlich die Nahrungsaufnahme verringert, und dem Purging-Typ, der neben der verringerten Nahrungsaufnahme auch durch Erbrechen das Eigengewicht verringern möchte. Unbehandelt kann eine Magersucht sogar zum Tode führen.

Ursachen

Bei der Anorexie geht man von einer Kombination aus verschiedenen Faktoren als Krankheitsursache aus. Die erbliche Disposition spielt dabei eine ebenso große Rolle wie gesellschaftliche und familiäre Faktoren. Die Betroffenen erhalten innerhalb der eigenen Familien oftmals nur eine geringe emotionale Unterstützung, wenig Zuneigung und sind häufig den hohen Erwartungen der Eltern ausgesetzt. In der westlichen Gesellschaft sind Frauen zudem mit einem sehr schlanken Schönheitsideal konfrontiert. Frauen möchten dieses oftmals durch gezielte Gewichtsabnahme erreichen, um daraufhin Anerkennung und Beachtung für den Gewichtsverlust und den schlanken Körper zu erhalten. Weitere Faktoren für die Erkrankung an Magersucht können psychische Traumata, zum Beispiel durch Missbrauch, und ein mangelhaftes Selbstwertgefühl sein.

Symptome

Ein typisches Symptom der Magersucht ist die Körperschemastörung, bei der sich der Betroffene selbst bei starkem Gewichtsverlust als zu dick wahrnimmt. Des Weiteren lässt sich die Magersucht an veränderten Essgewohnheiten, zum Beispiel an einer Vermeidung von kalorienreichem Essen oder an außergewöhnlich lang andauernden Mahlzeiten, erkennen. Daneben kommen oftmals Appetitzügler oder Abführmittel zum Einsatz, um noch mehr an Gewicht zu verlieren. Wenn sich der Body-Mass-Index unter einem Wert von 19 befindet, spricht man von Untergewicht, ab 17,5 von Magersucht. Aufgrund der Mangelernährung über längere Zeit kommt es in weiterer Folge zu körperlichen Schäden, wie zum Beispiel zum Ausbleiben der Monatsblutung, zu niedrigem Blutdruck, Unterzucker, Haarausfall, brüchigen Nägeln, Kältegefühl und Darmträgheit. Neben den körperlichen Problemen treten oftmals auch seelische Veränderungen, wie zum Beispiel eine starke Reizbarkeit, depressive Stimmungen oder panische Angst vor einer möglichen Gewichtszunahme, auf.

Diagnose

Die Diagnose der Anorexia nervosa wird durch ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und den nahen Angehörigen gestellt. Im Zuge des Gesprächs werden unter anderem Fragen zum Essverhalten, zur Gewichtsentwicklung, zur körperlichen Aktivität, zur Verwendung von Abführmitteln und zur Einstellung bezüglich des eigenen Körpers gestellt. Anschließend werden sorgfältige Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Blutuntersuchung oder eine Aufzeichnung der Herzkurve, durchgeführt, um Mangelzustände und körperliche Veränderungen zu ermitteln.

Behandlung

Wurde die Krankheit Magersucht diagnostiziert, sind verschiedene Behandlungsmaßnahmen zur Genesung notwendig. Am Beginn der Therapie ist es wichtig, das Körpergewicht des Betroffenen anzuheben und die körperlichen Folgen der Anorexie zu behandeln. In manchen Fällen werden die Betroffenen auch über einen längeren Zeitraum in einem Spital behandelt. Daneben ist für Betroffene auch der Besuch einer Psychotherapie empfehlenswert. Durch den Besuch von Selbsthilfegruppen kann man sich mit anderen Betroffenen austauschen und sich während des Heilungsprozesses stützen.

Vorbeugung

Gute Vorbeugungsmaßnahmen gegen Magersucht sind der Aufbau eines stabilen Selbstwertgefühls und eines guten Körpergefühls. Des Weiteren spielt auch das Essverhalten in Familien eine große Rolle. Schon kleine Kinder sollten das gemeinsame Essen mit der Familie als angenehm und lustvoll erleben.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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