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Gesundheitslexikon: Lysin

Lysin: wichtiger Bestandteil von Proteinen

Bei Lysin in der natürlichen L-Form handelt es sich um eine essenzielle α-Aminosäure, die am Aufbau vieler Proteine beteiligt ist. Schweine und auch wir Menschen müssen Lysin täglich mit der Nahrung aufnehmen, da unser Organismus die lebenswichtige Aminosäure nicht selbstständig herstellen kann. Mangelerscheinungen haben Auswirkungen auf das Bindegewebe, den Stoffwechsel, die Knochen, die Haare und das Immunsystem.

Eigenschaften von L-Lysin

Lysin ist eine basische Aminosäure, die chemisch als α-ε-Diamino-n-capronsäure bezeichnet wird. Charakteristischerweise trägt Lysin zwei basische Aminogruppen. Eine davon sitzt in α-Position zur Carboxygruppe. Die zweite Aminogruppe sitzt in ε-Position der Seitenkette am Ende des aliphatischen Kohlenwasserstoffrestes. Die chemische Formel der Aminosäure lautet somit H2N-(CH2)4-CH(NH2)-COOH. Basische Aminosäuren besitzen damit einen Protonenakzeptor in Form einer Base in ihrer Seitenkette. Bei Lysin handelt es sich bei diesem Akzeptor um die zweite Aminogruppe, die basische Eigenschaften besitzt. Die Seitenkette wird durch die Protonenaufnahme positiv geladen. Die Ladung der Aminosäure hängt generell vom pH-Wert ab. L-Lysin besitzt biologisch geringere Bedeutung als DL-Lysin, das als Bestandteil verschiedener Arzneistoffe allerdings kommerzielle Bedeutung hat.

Wozu benötigen wir Lysin?

Lysin ist aufgrund des basisch liegenden Äquivalenzpunktes ein wichtiger Bestandteil von Proteinen und kommt außerdem in einer Konzentration von rund 25 Milligramm pro Liter im Blutplasma vor. Unser Körper baut Lysin über Zwischenstufen ab und lässt damit Acetyl-CoA entstehen. Dabei handelt es sich um aktivierte Essigsäure, die am Citratzyklus beteiligt ist. Der Citratzyklus spielt wiederum für unsere Stoffwechselwege eine entscheidende Rolle. In dem Zyklus treffen sich die Abbauwege unseres Kohlenhydrat-, Protein- und Fettstoffwechsels in der aktivierten Essigsäure. Indirekt trägt der Citratzyklus zur Energieausbeute der Zellen in Form von ATP bei und setzt Elektronen für die Atmungskette frei. Wegen der Beteiligung am Citratzyklus wird Lysin zu den sogenannten ketoplastischen Aminosäuren gerechnet. Darüber hinaus wurde in Kollagen modifiziertes Lysin entdeckt, das Hydroxylysin katalysiert. Diese Katalyse ist eine entscheidende Vorarbeit für die O-Glykosylierung von Kollagenmolekülen im endoplasmatischen Retikulum oder dem Golgi-Apparat der Zellen. Von der Glykosylierung hängen beispielsweise die Packungsdichte unserer Bindegewebeproteine und die Abgabe von Kollagen aus den Zellen ab. L-Lysin ist außerdem am Bau von Hormonen, Antikörpern und Enzymen beteiligt, unterstützt die Kalziumeinlagerung in Knochen und Zähne und schützt uns vor Stressanfälligkeit.

Vorkommen von Lysin

Da der menschliche Körper Lysin nicht herstellen kann, muss er über die Nahrung mit der essentiellen Aminosäure versorgt werden. Lysin kommt in verschiedenen Lebensmitteln vor, so allerdings vorwiegend als chemisch gebundenes L-Lysin. In Kürbiskernen, Hähnchenbrust und rohem Rindfleisch sitzen hohe Konzentrationen der chemisch gebundenen Aminosäure. Getreide und Gemüse enthalten kaum L-Lysin. Eine Ausnahme sind Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen.

Bei Mangelerscheinungen stellt sich unter anderem eine Schwäche des Bindegewebes ein. Weitere Symptome sind Konzentrationsschwäche, Übelkeit, Müdigkeit, Infektionsanfälligkeit, Haarausfall und Wachstumsstörungen. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist Lysin-Mangel in der Regel weitestgehend ausgeschlossen. Als täglich optimaler Richtwert für Lysin gelten laut ‚WHO‘ zwischen 30 und 64 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Neben der Anwendung der Aminosäure in der parentalen Ernährung und der Futterversorgung von Nutztieren wird Lysin in Arzneimitteln wie Ibuprofen verwendet, um die schmerzlindernde Wirkung zu beschleunigen. Außerdem kommt die Aminosäure bei der Behandlung von Herpes zum Einsatz.

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