Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Lipödem

Lipödem: Das steckt hinter den Fetteinlagerungen bei Frauen

Umgangssprachlich als ‚Reiterhosen‘ bezeichnete Fetteinlagerungen an den seitlichen Oberschenkeln werden von Betroffenen meist als psychisch belastend empfunden und für eine Folge falscher Ernährung gehalten. Häufig wird dabei jedoch verkannt, dass es sich beim Lipödem um eine eigenständige und kontinuierlich voranschreitende Krankheit handelt, die mehrere Stadien durchlaufen kann und zahlreiche Folgerisiken birgt.

Was ist ein Lipödem?

Der Begriff Lipödem leitet sich von dem altgriechischen Wort für ‚Fettschwellung‘ ab und bezeichnet eine Fettverteilungsstörung, die vor allem bei Frauen auftritt. Viele von ihnen leiden bereits ab der Pubertät unter der übermäßigen Bildung von Fettgewebe, die symmetrisch an Hüfte, Gesäß und Oberschenkeln entsteht. Hin und wieder tritt die Erkrankung jedoch auch erst später auf – etwa während einer Schwangerschaft oder im Verlauf der Wechseljahre.

Ursachen

Oft wird fälschlicherweise angenommen, das Lipödem resultiere aus einer übermäßigen Kalorienaufnahme. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen: Die Fettzellen-Bildung an den für das Lipödem typischen Stellen ist untypisch für eine Adipositas (Fettsucht). Dennoch könnte eine Gewichtszunahme das Entstehen der Krankheit begünstigen; selbiges gilt für hormonelle Veränderungen sowie eine genetische Veranlagung. Da die genauen Ursachen für das Lipödem noch nicht abschließend geklärt sind, handelt es sich jedoch lediglich um Faktoren, die von Experten als Auslöser vermutet werden.

Symptome

Es lassen sich fünf Schweregrade beziehungsweise Lipödem-Typen unterscheiden. Die bereits beschriebene Reiterhose bildet Typ I des Lipödems. Bei den Typen II bis V dehnen sich die Fetteinlagerungen in vertikaler Richtung aus: Zunächst bis zu den Knien (Typ II), dann bis zu den Knöcheln (Typ III). Typ IV ist durch ein Übergreifen auf die Arme gekennzeichnet. Im Falle von Typ V schließlich spricht man von einem Lipolymphödem, das sich durch große Flüssigkeitsansammlungen speziell im Bereich der Füße und Hände äußert. Mit dem Voranschreiten der Erkrankung verändert sich das Hautbild von einer leichten Orangenhaut über dellige Hautpartien bis hin zu regelrechten Hautlappen und -wülsten. Generelle Lipödem-Symptome sind Druck- und Berührungsschmerz mit vermehrter Neigung zur Hämatombildung. Besenreißer, schlechte Durchblutung sowie Veränderungen des Gangbilds aufgrund der Fetteinlagerungen an den Oberschenkeln (X-Beine) stellen weitere Symptome dar. Lipödeme haben meist auch psychische Auswirkungen, die von leichten depressiven Verstimmungen über Depressionen bis hin zu Essstörungen reichen können.

Diagnose

Durch das Betrachten und Abtasten der betroffenen Körperpartien können Mediziner recht gut bestimmen, ob es sich bei den Beschwerden des Patienten um ein Lipödem handelt und welchem Typ es zuzuordnen ist. Ausgeschlossen werden müssen ähnliche Erkrankungen wie etwa ein primäres Lymphödem oder eine Lipohypertrophie. Es empfiehlt sich daher der Besuch bei einem Facharzt mit entsprechenden Erfahrungen.

Behandlung

Eine sich unmittelbar an die Diagnostik anschließende Therapie beugt dem Voranschreiten der Krankheit vor. Bestimmte Sportarten wie Walking, Schwimmen, Aquajogging oder Wandern regen die Durchblutung an, sollten jedoch immer mit dem konsequenten Tragen von Kompressionsstrümpfen oder Bandagen verbunden sein. Obgleich Lipödeme nichts mit Übergewicht zu tun haben, können sich gesunde Ernährung und eine Gewichtsreduktion (in Absprache mit dem behandelnden Arzt) positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Lockere, bequeme Kleidung, die vor allem die vom Lipödem betroffenen Körperpartien nicht einschnürt, sowie die regelmäßige Pflege mit pH-neutralen Produkten tragen zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden des Patienten bei. In einigen Fällen kommt auch eine Fettabsaugung (Liposuktion) in Betracht – allerdings besteht hier neben typischen OP-Risiken die Gefahr einer starken Dellenbildung, so dass der Eingriff gut überlegt und mit dem behandelnden Arzt ausführlich besprochen werden sollte.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige