Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Leistenbruch (Leistenhernie)

Was passiert bei einem Leistenbruch?

Als Leistenbruch oder Leistenhernie wird eine Vorwölbung in der Leistengegend bezeichnet, die in seltenen Fällen auch von leichten Schmerzen begleitet wird. Die Leiste, die den Übergang zwischen Oberschenkel und Bauch bildet, muss großen Druck aushalten. Beim Heben, aber auch beim Husten oder Niesen drücken die Bauchorgane auf den Leistenbereich. Manchmal hält die Leistenregion diesem Druck nicht mehr stand und das Bauchfell durchdringt den Leistenkanal. Der sich daraus bildende Bruchsack kann Teile des Darms oder des Darmnetzes enthalten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist ein Leistenbruch in der Regel noch ungefährlich. Da sich der Bruch aber vergrößert, steigt das Risiko, dass der Bruchinhalt eingeklemmt und abgequetscht wird (Inkarzeration). Experten empfehlen daher schon bei Eintreten des Leistenbruchs eine Operation – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern.

Ursachen

Es wird zwischen zwei Arten von Leistenbrüchen unterschieden: der angeborenen und der erworbenen Leistenhernie. Erstere wird bereits in jungen Jahren diagnostiziert und betrifft rund ein bis vier Prozent aller Kinder. Der erworbene Leistenbruch entsteht in der Regel bei Erwachsenen durch ständigen Druck. Gründe dafür können schwere körperliche Arbeit, chronischer Husten, das Spielen von Blasinstrumenten oder auch eine Schwangerschaft sein. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

Symptome

Ein typisches Anzeichen für eine Leistenhernie ist eine weiche Vorwölbung in der Leistengegend, die sich wegdrücken lässt. Die Auswölbung zeigt sich immer dann besonders stark, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht, also etwa beim Schreien, beim Husten oder beim Stuhlgang. Selten leidet der Leistenbruch-Patient an ziehenden Schmerzen in der Bauch- und/oder Leistengegend, die sich bei Belastung verstärken. Klagt der Patient über starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen und fühlt sich der Bauch hart an, so kann dies auf eine Einklemmung hindeuten. In solch einem Fall ist die Vorwölbung prall und nicht verschiebbar.

Diagnose

Anhand der Symptome und einer Untersuchung der Leistenregion kann der Arzt eine Leistenhernie feststellen. Absolute Sicherheit gibt eine Ultraschalluntersuchung.

Behandlung

Aufgrund der Gefahr der Einklemmung raten Mediziner so gut wie immer zu einer Operation. Unterschieden wird dabei zwischen drei Methoden.

Bei der Operation nach Shouldice wird die Leistenregion mittels Hautschnitt geöffnet, der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückgedrückt und die Bruchlücke vernäht. Vorteil: Die OP kann unter örtlicher Betäubung stattfinden. Nachteil: Der Patient muss sich bis zu zwei Monate nach der OP schonen.

Die Operation nach Lichtenstein funktioniert ähnlich, allerdings arbeitet der Chirurg ein spezielles Kunststoffnetz ein. Vorteil: Die OP ist ebenfalls unter örtlicher Betäubung möglich, die Patienten dürfen früher als bei der Shouldice-Operation belasten. Nachteil: Ein Fremdmaterial befindet sich im Körper.

Ohne großen Hautschnitt kommen die minimal-invasiven Techniken (TEP- oder TAPP-Operation) aus. Es sind nur winzige Schnitte notwendig, um das Endoskop und die notwendigen Instrumente in den Leistenbereich einzuführen und dort den Bruch zu korrigieren. Vorteil: Eine Belastung ist bereits nach rund einer Woche wieder möglich. Nachteil: Die Operation erfolgt unter Vollnarkose.

Vorbeugung

Einer Leistenhernie kann nur bedingt vorgebeugt werden, denn eine Schwäche des Bindegewebes ist angeboren. Wer allerdings keine schweren Lasten hebt, seine Bauchmuskeln trainiert und Übergewicht vermeidet, trägt seinen Teil zur Vorbeugung bei.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige