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Gesundheitslexikon: Lachgas (Distickstoffmonoxid)

Lachgas – das Gas, das Schmerzen vergessen macht

Die chemische Bezeichnung für Lachgas, in der Fachsprache Distickstoffmonoxid, lautet N2O. Wie der Name bereits verrät, setzt sich das Gas, das der Gruppe der Stickoxide angehört, aus zwei Teilen Stickstoff und einem Teil Sauerstoff zusammen. Hergestellt wird es im Zuge der kontrollierten Erhitzung von NH4NO3 (chlorfreies Ammoniumnitrat) oder einer Kombination aus Natriumnitrat und Ammoniumsulfat. Distickstoffmonoxid wurde 1772 vom Engländer Joseph Priestley synthetisiert, nur wenige Jahre später entdeckte der ebenfalls aus England stammende Chemiker Humphry Davy im Selbstversuch die berauschende und schmerzstillende Wirkung des Gases. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Lachgas erstmals vom US-amerikanischen Zahnarzt Horace Wells eingesetzt. Seit 1868 ist es aus der Welt der Anästhesiemittel nicht mehr wegzudenken. Verwendung findet das Gas in der Medizin, aber auch in der Nahrungsmittel-, der Antriebs- und Raketentechnik sowie in der Drogenszene.

Wirkungsweise

Lachgas ist farb- und geruchlos, beim Einatmen berichten Patienten von einem leicht süßlichen Geschmack. Distickstoffmonoxid wird nicht rein angewendet, sondern mit Sauerstoff vermischt. Die Sedierung mit Lachgas erfolgt über eine Nasenmaske, schon nach wenigen Atemzügen nehmen Patienten die Wirkung wahr. Durch das Gas befindet sich der Betroffene in einem angenehmen Zustand der Leichtigkeit und Geborgenheit, eine innere Distanz zum Eingriff wird vermittelt. Es kommt zu einem Trancezustand, der auch von Halluzinationen begleitet sein kann. Infolge berichten Patienten von verschleierter Sicht, Schläfrigkeit, gedämpfter Geräuschwahrnehmung oder spontanem Lachen. Während der Behandlung ist der Patient ansprechbar und kann kommunizieren. Lachgas wird fast zur Gänze ausgeatmet, Reste werden über die Haut diffundiert. Bei einer zu hohen Dosierung des Lachgasanteils kann es zu Nebenwirkungen kommen. Erschöpfung, Schwindelgefühl oder ein Taubheitsgefühl in den Extremitäten können die Folge sein. In der Regel wird Nebenwirkungen allerdings mittels moderner Geräte und der stetigen Überwachung der Sauerstoffsättigung im Blut vorgebeugt.

Anwendung in der Medizin

Neben seiner Verwendung für kurze chirurgische Eingriffe findet Lachgas auch in der Anästhesie bei größeren Operationen Verwendung. Dann wird es in der Regel aber mit anderen Narkosemitteln gemischt.

Besonders häufig wird Lachgas in der Zahnmedizin angewendet. Eltern mit Kindern oder Angstpatienten schätzen die Möglichkeit einer schmerzfreien Behandlung ohne Würgereiz. Da Lachgas sehr schnell abgebaut wird, sind Patienten bereits nach kurzer Zeit wieder verkehrsfähig. In Frankreich, Großbritannien und Australien kommt Distickstoffmonoxid gerne in der Geburtsmedizin zum Einsatz. Dank des Lachgases wird der Schmerz zwar nicht gänzlich ausgeschaltet, aber doch wesentlich verringert. Das Lachgas wird über eine Atemmaske abgegeben, die Gebärende kann die Dosierung selbst steuern. Der Vorteil gegenüber der Periduralanästhesie (PDA) ist die Tatsache, dass das Gas die Wehentätigkeit nicht beeinflusst.

Lachgas als Droge

Die dissoziative Wirkung macht Lachgas als Droge interessant. In Luftballons gefüllt wird das Distickstoffmonoxid eingeatmet und verursacht einen Rausch, der bis zu drei Minuten andauern kann. Oftmals wird Lachgas als ungefährliche Droge bezeichnet, allerdings kann regelmäßiger Konsum abhängig machen. Zudem kommt es zu gesundheitlichen Schäden. Bei Langzeitkonsumenten wurden Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme oder Schädigungen der Nerven und des Knochenmarks beobachtet. Im schlimmsten Fall – der Überdosierung – kann der unkontrollierte Konsum von Lachgas sogar zum Tod führen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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