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Gesundheitslexikon: Korsett (Orthese, Stützkorsett etc.)

Stützt und korrigiert: Das orthopädische Korsett

Bereits seit dem 18. Jahrhundert werden Korsetts zu orthopädischen Zwecken genutzt. Ursprünglich aus Fischbein und später aus Horn, Stahlspiralen und Federstahlband gefertigt, bestehen die heutigen Modelle in erster Linie aus Kunststoffen und Gießharzen. Diese Materialien bergen den Vorteil, hygienisch, leicht, gut formbar und dennoch stabil zu sein. Orthopädische Korsetts zählen gemäß der Norm EN ISO 9999 zur Hilfsmittelgruppe der Orthesen und Prothesen, genauer gesagt: zu den Rumpforthesen. Diese wiederum lassen sich sowohl nach der jeweiligen Rumpfregion als auch nach ihrem Einsatzzweck im Hinblick auf eine passive oder aktive Ausrichtung einteilen.

Korsetts für unterschiedliche Rumpf-Regionen

Der Begriff Korsett kann sich sowohl auf eine Wirbelsäulen- als auch auf eine Abdominalorthese beziehen. Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule der stabilisierenden, formenden oder entlastenden Wirkung der Orthese bedarf, unterscheidet man zwischen sakro-iliakalen Orthesen für das Becken, thorakalen Orthesen für den Brustraum, lumbalen Orthesen für die Lendenwirbelsäule, sakralen Orthesen für das Kreuzbein sowie zervikalen Orthesen für die Halswirbelsäule. Daneben gibt es auch Korsetts, die mehrere Wirbelsäulenbereiche abdecken, wie beispielsweise zerviko-thorako-lumbo-sakrale Orthesen zur Umschließung des gesamten Rumpfes. Abdominalorthesen lassen sich einerseits in Abdominalmuskel-Orthesen, die beispielsweise zum Stützen des Bauchs während der Schwangerschaft verwendet werden, und andererseits in Bauchbruchstützen unterteilen.

Aktive und passive Rumpforthesen

Passive Orthesen werden auch als Stützkorsett bezeichnet; ihre Aufgabe besteht vorrangig darin, die Wirbelsäule zu entlasten und zu stützen. Sie kommen unter anderem bei starkem Bewegungsschmerz sowie zur Stabilisierung der Wirbelsäule zum Einsatz. Beispiele sind das Drei-Punkt-Korsett mit Druckpolstern an Lendenwirbelsäule, Becken und Brustkorb sowie die Boston- und die Chêneau-Orthese. Im Gegensatz zur fixierenden Wirkung passiver Korsetts sollen aktive Korsetts dazu beitragen, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu stärken und – wie der Name suggeriert – aktiv eine aufrechte Haltung zu trainieren. Zum Einsatz kommen solche Korsetts bei Erkrankungen wie Morbus Scheuermann, Osteoporose, Skoliose, Hyperlordose oder Kyphose. Dank einer gekräftigten Muskulatur erleben Schmerzpatienten häufig einen Rückgang ihrer Beschwerden; zudem begünstigt eine gerade Haltung freieres Atmen. Bei Kindern und Jugendlichen mit – etwa durch eine Skoliose-Erkrankung hervorgerufenen – Haltungsfehlern können aktive Orthesen zur Wachstumslenkung beitragen.

Was bei Kauf und Verwendung zu beachten ist

Unterschieden wird zwischen industriell hergestellten Konfektionsorthesen sowie Modellen, die im Sanitätshaus genau angepasst oder gar eigens für einen bestimmten Patienten durch einen Orthopädietechniker angefertigt wurden. Die meist teureren Maßanfertigungen besitzen den Vorteil der genauen Passform und somit des höheren Tragekomforts. Dies ist besonders für Kinder und Jugendliche mit Skoliose von Bedeutung, die ihre Orthese oft über Jahre hinweg tragen müssen und wachstumsbedingt eine regelmäßige Anpassung beziehungsweise Erneuerung benötigen. Grundsätzlich sind aktive Orthesen passiven Stützkorsetts vorzuziehen; letztlich sollte jedoch der behandelnde Orthopäde ein geeignetes Modell empfehlen. Um die Rücken- und Bauchmuskulatur kontinuierlich zu stärken, sollte die Tragezeit langsam erhöht und zugleich auf ausreichend körperliche Betätigung geachtet werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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