Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Klaustrophobie (Platzangst)

Klaustrophobie - Platzangst hat häufig etwas mit sozialen Beziehungen zu tun

Klaustrophobie ist, anders als uns Comedians glauben lassen wollen, nicht etwa die Angst vor Menschen mit dem Namen Klaus. Es handelt sich um die übermäßige Angst vor Räumen, die subjektiv als beengend empfunden werden. Die Angststörung ist eine Unterform der sogenannten Agoraphobie, bei der sich Menschen vor der Außenwelt fürchten. Agoraphobien sind die häufigsten Angststörungen überhaupt.

Ursachen

Als Menschen besitzen wir denselben Grundkonflikt: wir empfinden ein Bedürfnis, unserer sozialen Natur gerecht zu werden. Gleichzeitig treibt uns aber auch ein Bedürfnis nach Autonomie an, das einen gewissen Grad der Unabhängigkeit von unserer sozialen Umwelt beinhaltet. An diesem Grundkonflikt setzt der psychodynamische Hintergrund von klaustrophoben Ängsten an. Meist sind von Raumangst vor allem Menschen betroffen, die sich in zwischenmenschlichen Beziehungen zu wenig Autonomie verschaffen und zumindest von empfundener Vereinnahmung betroffen sind. Die Angst vor dieser Vereinnahmung wird symbolisch und metaphorisch auf Situationen umgelegt, die als beengend empfunden werden können. Schätzungen zufolge sind weltweit bis zu sieben Prozent der Bevölkerung von Raumangst oder Klaustrophobie betroffen. Besonders in Aufzügen, in Bussen und in der Bahn ergeben sich Situationen mit klaustrophobem Potenzial. Teilweise empfinden die Betroffenen aber auch Kaufhäusern, Kinos oder größere Menschenansammlungen als beengend.

Symptome

Phobiker erleben ihre Angst auf verschiedene Art. Neben Schweißausbrüchen, Atemnot und

Schwindelgefühl können Ohnmachtsgefühle, Kopfschmerzen und Übelkeit oder andere Magenbeschwerden klaustrophobe Angststörungen prägen. Die Angst kann sich im Extremfall zu handfesten Panikattacken steigern. Der Betroffene ist durch die Phobie mehr oder weniger stark in seinem täglichen Leben beschränkt. Manche Menschen mit Klaustrophobie meiden Hochhäuser, Fahrstühle, Bahn-, Bus- und Flugreisen vollständig. Das Vermeidungsverhalten kann auch Tunnel, Umkleidekabinen, Kellerräume, Höhlen und anderweitig kleine Räume betreffen. In vielen Fällen werden auch Menschenansammlungen konsequent vermieden. Ein Extremfall besteht, wenn der Patient das Haus nicht mehr verlässt oder die Klaustrophobie in seinem eigenen Haus ausgelöst wird. Zum Teil fühlen sich Patienten der Platzangst sogar von engen Kleidungsstücken beengt.

Diagnose

Platzangst ist wird vom Psychotherapeuten oder Psychiater in der direkten Konversation mit dem Patienten diagnostiziert. Neben dem Gespräch kann die Platzangst im Rahmen der Diagnostik auch gezielt provoziert werden, um den Therapeuten das Ausmaß einschätzen zu lassen.

Behandlung

Zur Behandlung von Klaustrophobie kommen auf medikamentöser Basis meist Antidepressiva wie Trizyklika zum Einsatz. Medikamente heilen die Angststörung jedoch nicht. Um sich von Raumangst zu befreien, müssen gezielte Verhaltenstherapien oder tiefenpsychologische Psychotherapie und Psychoanalyse stattfinden. Bei der Verhaltenstherapie steht die Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen im Mittelpunkt. Am häufigsten wird als Konfrontationsverfahren die graduierte Exposition gewählt. Die Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen steigert sich bei dieser Methode abhängig vom persönlichen Fortschritt des Patienten allmählich. Seit der jüngsten Zeit kommen zuweilen auch Virtual-Reality-Verfahren zum Einsatz. Der Patient durchlebt bei diesen Techniken anfangs nicht die tatsächliche Situation, sondern nur eine computerbasierte Animation. Persönliche Verhaltensmuster werden in tiefenpsychologischer Psychotherapie oder Psychoanalyse aufgedeckt. Dieser Behandlungsweg hat die Erkennung bislang unverstandener oder unbewusster Motive zum Ziel.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige