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Gesundheitslexikon: Kernikterus (Bilirubinenzephalopathie)

Kernikterus - eine schwere Form der Gelbsucht bei Neugeborenen

Ein Ikterus entsteht, wenn der Gallenfarbstoff ‚Bilirubin‘ nicht rasch genug abgebaut wird und sich im Körper ablagert. Aufgrund der typischen Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten wird ein Ikterus auch als ‚Gelbsucht‘ bezeichnet. Bei Neugeborenen ist dies eine verbreitete Erscheinung in den ersten Tagen nach der Geburt, die nach wenigen Tagen wieder abklingen sollte. Selten kann es jedoch zu Komplikationen kommen, bei denen sich Gallenfarbstoffe in Kernstrukturen des Gehirns ablagern. Diese als ‚Kernikterus‘ bezeichnete Neugeborenen-Gelbsucht wird auch ‚Bilirubinenzephalopathie‘ genannt. Hierbei steht der Begriff ‚Enzephalopathie‘ für Erkrankungen des Gehirns.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen eines Kernikterus zählen angeborene Stoffwechselstörungen oder Erkrankungen von Blut, Leber und Galle. Eine weitere Ursache ist der vermehrte Abbau roter Blutkörperchen in den ersten Tagen nach der Geburt. So passt sich das kindliche Blut an die Bedingungen außerhalb des Mutterleibes an. Als Folge fallen kurzzeitig fettlösliche Gallenfarbstoffe in erhöhter Menge an. Diese müssen von der Leber in eine wasserlösliche Form umgebaut werden, damit sie ausgeschieden werden können. Nicht immer kann die kindliche Leber diese Stoffwechselaufgabe rasch genug bewältigen. Die Folge ist, dass sich Gallenfarbstoffe z. B. an der Haut ablagern. Wird die Konzentration an unverarbeitetem Bilirubin auf Dauer zu hoch, können die Gallenfarbstoffe bis ins Gehirn vordringen.

Symptome

Ein Leitsymptom des Ikterus ist die typische Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten. Abhängig von der auslösenden Ursache ist auch ein ungewöhnlich heller Stuhlgang möglich. Darüber hinaus kann ein Kernikterus bei Neugeborenen Symptome hervorrufen, die auf eine Beteiligung des Gehirns hinweisen. So kann der Säugling zunehmend teilnahmslos (apathisch) werden. Auch eine Trinkschwäche kann ein Hinweis sein. Schrilles Schreien, Verkrampfungen und Überstreckungen des Halses sind weitere ernste Warnzeichen.

Diagnose

Besteht der Verdacht auf einen Ikterus, so wird in der Regel das Blut untersucht, um die Bilirubin-Werte zu bestimmen. Anhand der Bilirubin-Konzentration im Blut sowie weiterer Parameter lassen sich erste Rückschlüsse auf Ursachen und Schweregrad der Gelbsucht ziehen. Daneben können Ultraschalluntersuchungen von Leber und Galle erforderlich sein.

Behandlung

Die Gefahr eines Kernikterus steigt mit der Konzentration des Bilirubins im Blut. Dabei ist die Wahl der Behandlung in erster Linie abhängig von der Ursache der Gelbsucht sowie vom Zustand des Patienten. Eine Möglichkeit ist die sogenannte ‚Blaulicht-Fototherapie‘, die zu den physikalischen Behandlungsformen zählt. Hier wird der Säugling mit einem Licht behandelt, dessen Wellenlänge im blauen Bereich liegt. Dieses Licht bewirkt, dass das eingelagerte Bilirubin sich in seine wasserlösliche Form umwandelt, damit es anschließend über Nieren und Darm ausgeschieden werden kann. Gibt es Gründe gegen eine Fototherapie oder liegen die Ursachen in einer Erkrankung des Blutes, kann ein Bluttausch (Austauschinfusion) notwendig sein. Hierbei wird ein Großteil des kindlichen Blutes durch Fremdblut ersetzt.

Vorbeugung

Um einem Kernikterus vorzubeugen, sollten Sie bei Anzeichen einer Gelbsucht die Ursachen abklären lassen. Bei einer leichten Neugeborenen-Gelbsucht kann es ausreichen, den Abbau des Bilirubins mit Hilfe von Tageslicht auf natürliche Weise zu unterstützen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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