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Gesundheitslexikon: Johanniskraut

Die traditionelle Heilpflanze neu entdeckt – Johanniskraut im Fokus der Medizin

Seit Jahrhunderten wird Johanniskraut gegen depressive Verstimmungen und Angstzustände eingesetzt. Doch Studien lassen immer mehr Zweifel an der urigen Heilpflanze aufkommen. Was kann Johanniskraut wirklich und wie kalkulierbar sind die Risiken?

Was ist Johanniskraut?

Johanniskraut wächst krautartig und bis zu einem Meter hoch. Auffallend an der Pflanze sind ihre vielen gelben Blüten, die intensiv leuchten. Diese treiben um den Johannistag (24. Juni) herum aus, weshalb die Pflanze diesen Namen trägt. Die Pflanze blüht über den gesamten Sommer und ist leicht zu erkennen. Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern, so tritt ein rötlicher Pflanzensaft aus. Deshalb wird die Pflanze im Volksmund auch als 'Herrgottsblut' oder 'Johannisblut' bezeichnet.

Medizinisch aufbereitet wird die ganze Pflanze. Aus den Blüten, dem Stängel und den Blättern können Tee, ein Auszug oder die im Handel bekannten Tabletten hergestellt werden.

Wo kommt Johanniskraut vor?

Johanniskraut ist in ganz Europa, Westasien und teilweise auch in Afrika verbreitet. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Pflanze mittlerweile kultiviert. Sie fühlt sich vor allem auf mageren Wiesen, am Wegrand oder auf Brachen wohl. Die Pflanze ist anspruchslos und breitet sich rasch aus.

Verwendung und Wirkung von Johanniskraut als Heilpflanze

Seit Jahrhunderten wird Johanniskraut bei unterschiedlichsten Leiden eingesetzt. Es soll die Stimmung aufhellen, depressive Gedanken vertreiben, Angstzustände lösen und nervöse Unruhe vom Patienten nehmen. Dafür verantwortlich sind wohl die zwei Bestandteile Hyperforin und Hypericin. Diese beiden Stoffe wirken im Körper auf die Aufnahme von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin und greifen somit ins vegetative Nervensystem ein. Trotz intensiver Forschung konnte bisher jedoch kein genauer Wirkmechanismus festgestellt werden, was die Klassifizierung erschwert. Hinzu kommt, dass sich viele Studien in den vergangenen Jahren mit dem spezifischen Wirkmechanismus dieser beiden Stoffe beschäftigten. Auch hier konnte kein verlässlicher Effekt festgestellt werden. Manche Studien belegen also die Wirksamkeit von Johanniskraut, andere wiederum nicht. Da Johanniskraut jedoch nachweisbar in den Stoffwechsel eingreift, ist die Pflanze in manchen EU-Ländern verschreibungspflichtig. In Deutschland ist sie zumindest apothekenpflichtig.

Neben der Einnahme als natürliches Antidepressivum kann Johanniskraut aber auch zur äußerlichen Hautpflege eingesetzt werden. Hier soll es besonders bei trockener und schuppiger Haut Erleichterung bringen. Als 'Rotöl' scheint Johanniskraut-Öl besonders gut bei Patienten mit Neurodermitis zu wirken. Auch die Anwendung als Massageöl zur Entspannung der Muskeln und Gelenke ist bekannt.

Was sollte man bei Johanniskraut beachten?

Wer Johanniskraut als Stimmungsaufheller einnehmen möchte, sollte berücksichtigen, dass die versprochene Wirkung erst nach einigen Wochen Einnahme in Kraft tritt.

Mittlerweile konnten viele Studien bestätigen, dass Johanniskraut die Wirkung anderer Medikamente herabsetzt. Die Wechselwirkungen beziehen sich insbesondere auf Medikamente zur Blutverdünnung, gegen HIV/AIDS, die Anti-Baby-Pille und Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb ist bei solchen Patienten in jedem Fall eine ausführliche ärztliche Beratung vor der Einnahme anzuraten.

Als weitere Nebenwirkung ist schon lange bekannt, dass Johanniskraut die Haut sehr lichtempfindlich macht. Daher unterbrechen viele Menschen die Einnahme des Präparates in den Sommermonaten und beginnen erst Ende Herbst wieder damit.

Da Johanniskraut auf die Leber wirkt und dort Stoffwechselvorgänge beeinflusst, deren Wirkung nicht gänzlich erforscht sind, raten Ärzte bei Schwangeren und stillenden Frauen eher von der Einnahme ab.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und ersetzt daher keine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Heilpflanzen können in falscher Anwendung oder Dosierung schwerwiegende Nebenwirkungen zur Folge haben. Lassen Sie sich deshalb in der Apotheke oder vom Arzt beraten.

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