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Gesundheitslexikon: Inzidenz

Inzidenz: in der medizinischen Statistik von Bedeutung

Inzidenz ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Das lateinische Verb ‚incidere‘ bedeutet wörtlich übersetzt ‚vorfallen‘. Angelehnt an diese Wortbedeutung ist die Inzidenz der medizinischen Statistik die Zahl der Neuerkrankungen innerhalb einer Population und eines bestimmten Zeitraums.

Kumulative Inzidenz

In der medizinischen Statistik wird die sogenannte Inzidenzrate von der kumulativen Inzidenz unterschieden. Mit der kumulativen Inzidenz wird die Häufigkeit einer speziellen Krankheit in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu einer bestimmten Zeit angegeben. Die Anzahl der Neuerkrankungen im Untersuchungszeitraum wird dazu durch die Anzahl an Menschen unter Erkrankungsrisiko geteilt. Falls keine Daten über die Gesamtbevölkerung existieren, wird mit einer repräsentativen Stichprobe gearbeitet. Wenn eine Person mehrmals an der untersuchten Krankheit erkrankt ist, geht in die Statistik nur eine Neuerkrankung ein. Das Ergebnis der Rechnung ist als Anteil zu verstehen, der meist im Sinne von „Krankheitsfällen pro 100.000“ angegeben wird. Der Untersuchungszeitraum beträgt in aller Regel ein Jahr. Je seltener die Krankheit, desto länger ist meist der untersuchte Zeitraum. Die kumulative Inzidenz entspricht damit einer zeitlich begrenzen Erkrankungswahrscheinlichkeit. Die untersuchte Menschengruppe muss nicht der Gesamtbevölkerung entsprechen. Kumulative Inzidenzen können ebenso gut nach Geschlecht oder Altersgruppe erhoben werden. In vielen Fällen wird die kumulative Inzidenz auch als Prozentzahl angegeben.

Inzidenzrate

Von der kumulativen Inzidenz ist die sogenannte Inzidenzrate zu unterscheiden. Diese statistische Zahl wird auch als Inzidenzdichte bezeichnet und gibt eine zeitliche Summe wieder, die einzelne Personen unter Erkrankungsrisiko verbracht haben. Diese Zahl ist als Anteil pro Zeit zu interpretieren. Während die kumulative Inzidenz mit der Länge des Zeitraums automatisch zunimmt, hängt die Inzidenzdichte in keinem Fall von der Länge des beobachteten Zeitraums ab. Solange sich die Dynamik der Krankheiten nicht ändert, ist die Inzidenzrate in ihrer Höhe also unabhängig von der Zeitspanne. Mit der Rate lässt sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Krankheiten angeben. Der Kehrwert entspricht jeweils der durchschnittlichen Zeit, die eine Person bis zum Ausbruch der Krankheit unter Risiko verbringt. Wie die Inzidenzrate kann die Genesungsrate als ein Quotient aus Genesung und Zeit unter Krankheit definiert werden. Der Kehrwert dieser Genesungsrate entspricht wiederum der durchschnittlichen Dauer einer Krankheit.

Bezüge zur Prävalenz

Der Anteil aller Erkrankten wird nicht mit der Inzidenz, sondern der Prävalenz angegeben. Wenn die Anzahl der Erkrankten in einer Bevölkerung konstant ist, halten sich neue Erkrankungen und neue Genesungen aktuell die Waage. Eine hohe Prävalenz besteht für Krankheiten nur dann, wenn entweder eine besonders hohe Inzidenzrate gegeben ist oder eine geringe Genesungsrate vorliegt. Hohe Prävalenzen sind damit für hochinfektiöse Keime ebenso wahrscheinlich wie für chronische Erkrankungen. Sowohl Krankheiten mit schnellen Heilungen als auch solche mit rasch eintretendem Tod besitzen automatisch geringere Prävalenzen.

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