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Gesundheitslexikon: Insulin

'Insulin' – dem Zucker keine Chance

Insulin ist ein Hormon, das in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Diese spezialisierten Zellen kommen nur in den sogenannten Langerhans-Inseln vor, die etwa 5 Prozent des gesamten Pankreasgewebes bilden und locker im gesamten Organ verteilt sind. Seinen Namen verdankt das Insulin der lateinischen Bezeichnung insula (= Insel), von der er abgeleitet ist. Das Insulinmolekül besteht aus zwei über Disulfidbrücken verbundenen Peptidketten, die in der Speicherform als Sechserketten in den Zellen vorliegen. Die Langerhans-Inseln enthalten auch α-Zellen, in denen Glukagon hergestellt wird.

Wirkungen

Die Hauptfunktion des Insulin ist die Senkung der Blutzuckerkonzentration, die vor allem nach der Aufnahme von Kohlenhydraten steigt. Diese werden nach der mechanischen Zerkleinerung durch Enzyme in Glucosemoleküle aufgespalten, die über die Dünndarmschleimhaut ins Blut gelangen. Übersteigt die Konzentration einen bestimmten Wert, wird das Insulin aus den β-Zellen zuerst in den extrazellulären Raum ausgeschüttet und dann ins Blut aufgenommen. Es gelangt zu den Zellen und bewirkt dort eine bessere Membrandurchlässigkeit für Glucose. Diese wird vermehrt aufgenommen, besonders in die Fett- und Muskelzellen. Gleichzeitig fördert Insulin den Aufbau und die Speicherung von Glykogen in den Muskelzellen und der Leber. Beide Prozesse führen zu einer Senkung der Glucosekonzentration im Blut.

Das Glukagon hat die gegenteilige Wirkung: Es steigert den Blutzuckerspiegel beziehungsweise verhindert einen zu starken Abfall. Eine erhöhte Insulinkonzentration im Blut hemmt gleichzeitig die Aufspaltung von im Fettgewebe gespeicherten Fettsäuren. Diese Wirkung ist das Hauptargument der Anhänger der sogenannten Low-Carb-Diät. Sie argumentieren, dass durch eine geringe Zufuhr von Kohlenhydraten die hemmende Wirkung des Insulins auf die Fettverbrennung wegfällt und deshalb vermehrt Fettsäuren bei der Energiebereitstellung verbrannt werden.

Eine weitere Wirkung des Insulins ist die Förderung der Aufnahme und die Speicherung von Eiweißbausteinen und Kalium in Muskel- und Fettzellen. Diese werden dort für den Aufbau von Peptidketten und komplexeren Eiweißstrukturen gebraucht.

Störungen/Erkrankungen

Die häufigste Erkrankung, die im Zusammenhang mit Insulin auftritt, ist der Diabetes mellitus. Die Ursache dieser Stoffwechselkrankheit ist entweder ein Insulinmangel oder eine verminderte Insulinwirkung oder beides zusammen. Die Folge ist, dass sowohl die Aufnahme von Glucose in die Zellen als auch die Hemmung der Fettspaltung gestört sind. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel, und Fett kann nicht mehr eingelagert werden. Das erklärt die häufig zu beobachtende starke Gewichtsabnahme bei Erkrankten mit Diabetes Typ I. Ursachen für einen absoluten Insulinmangel sind Zerstörungen der Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse durch Autoimmunreaktionen oder als Folge von Tumoren oder entzündlichen Prozessen (Pankreatitis). Das Insulindefizit muss in dem Fall durch die Gabe von Humaninsulin ausgeglichen werden. Beim Diabetes Typ II führt eine Entgleisung des Zucker- und Fettstoffwechsels, oft durch kohlenhydratreiche Ernährung maßgeblich beeinflusst, zu einer Kaskade von Reaktionen. Es wechseln sich Phasen von forcierter Insulinausschüttung mit starkem Blutzuckerabfall (Hypogklykämie) und Phasen mit zu geringer Produktion und Blutzuckeranstieg (Hyperglykämie) ab. Die ß-zellen verlieren mit der Zeit ihre Empfindlichkeit und werden zum Teil zerstört. Die Senkung des Blutzuckerspiegels kann nicht mehr komplett gewährleistet werden. In frühen Stadien kann diese Form des Diabetes durch Nahrungsumstellung günstig beeinflusst werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Insulin, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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