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Gesundheitslexikon: Hypophysenadenom

Gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse: Hypophysenadenom

Ein Hypophysenadenom ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der sich entweder aus den Zellen des Hypophysenvorderlappens oder -hinterlappens entwickeln kann. Rund zehn bis 15 Prozent aller Neubildungen innerhalb des Schädels sind Adenome der Hypophyse. Von den Neubildungen sind Frauen deutlich häufiger als Männer betroffen.

Ursachen

Warum sich Hypophysenadenome bilden, ist bisher nicht bekannt. In den meisten Erkrankungsfällen kann kein Auslöser gefunden werden. Falls keine Ursachen für den Tumor der Hypophyse bekannt sind, sprechen Mediziner von einem sporadischen Tumor. Nur bei etwa vier Prozent der Patienten liegt dem Adenom ein Fehler in der Erbinformation zugrunde. Dieser Genfehler kann an die nächste Generation weitervererbt werden. Da er jedoch nicht nur Tumore der Hirnanhangdrüse hervorruft, sondern auch Tumore in anderen hormonproduzierenden Organen bedingen kann, werden erblich bedingte Hypophysenadenome der multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) zugeordnet.

Symptome

Die Beschwerden sind abhängig davon, ob der Tumor Hormone bildet und wie groß die Neubildung ist. Falls ein Tumor Hormone bilden kann, können drastische Beschwerden bereits dann entstehen, wenn der Tumor noch sehr klein ist. Der häufigste hormonaktive Tumor der Hypophyse ist das Prolaktinom. Dieser produziert Prolaktin, sodass es zu einem Überschuss kommt. Daraus folgen zum Beispiel Unfruchtbarkeit, ein gestörter Menstruationszyklus und milchige Absonderungen aus der Brust (‚Galaktorrhoe‘). Bei Männern ist die Potenz gestört. Produziert der Tumor hingegen das Wachstumshormon Somatotropin, vergrößern sich bei Erwachsenen mit abgeschlossenem Längenwachstum unter anderem Nase, Ohren oder der Kopf. Dieses Symptombild wird als Akromegalie bezeichnet. Kinder und Jugendliche im Wachstum, die unter einem somatotropen Adenom leiden, erreichen Körpergrößen von weit über zwei Metern. ACTH-produzierende Adenome führen zu einem Überschuss des adrenokortikotropen Hormons. Da dieser immer mit einem Überschuss an Glukokortikoiden einhergeht, entwickelt sich ein ‚Morbus Cushing‘. Dieser äußert sich durch Symptome wie Bluthochdruck, Knochenschwund, Depression, Fettverteilungsstörungen und Muskelschwäche. Da zeitgleich auch die Sexualhormone im Blut erhöht sind, können bei Frauen männliche Behaarungsmuster auftreten. Hormoninaktive Tumoren verursachen erst ab einer bestimmten Größe Beschwerden. Dazu gehören unter anderem Kopfschmerzen und Sehstörungen.

Diagnose

Bei einem hormonaktiven Tumor können im Blut die Hormonbasalwerte bestimmt werden. Insbesondere das Wachstumshormon Somatotropin und das Hormon Prolaktin sind dann erhöht. Falls ein sogenannter Mischtumor vorliegt, also ein Tumor, der mehrere Hormone produziert, sind auch mehrere Hormonwerte im Blut pathologisch verändert. Im Röntgenbild werden Hypophysenadenome erst ab einer Größe von fünf Millimetern sichtbar. Mittels Magnetresonanztomographie können hingegen auch kleinere Adenome entdeckt werden.

Behandlung

Je nach Art des Adenoms kommen medikamentöse und operative Therapien zum Einsatz. Adenome, welche Prolaktin produzieren, werden mit Dopaminantagonisten wie Bromocriptin behandelt. Auch bei Hypophysenadenomen, die Wachstumshormone produzieren, kann der Einsatz von Bromocriptin erfolgreich sein. Alternativ kann der Tumor chirurgisch entfernt werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel durch die Nase. Nur bei größeren Tumoren muss die Schädeldecke geöffnet werden. Nach einer radikalen Operation muss der Arzt die Hormonspiegel regelmäßig kontrollieren. Da die entfernte Hypophyse ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen kann, müssen Hormone ersetzt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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