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Gesundheitslexikon: Hypophyse

Die Hypophyse – zentrales Organ zur Steuerung des Hormonhaushalts

Der medizinische Begriff Hypophyse kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie ‚Unterkörper‘. Die deutsche Bezeichnung ist Hirnanhangdrüse. Die Hypophyse ist also eine Drüse, die unterhalb des Gehirns hängt und mit ihm verbunden ist. Im Lateinischen heißt sie Glandula pituitaria, was man mit Schnupfendrüse übersetzen könnte. Diese letzte Bezeichnung kommt daher, dass man früher glaubte, die Hypophyse produziere bei Schnupfen den Schleim in der Nase. Heute weiß man, dass diese Drüse ganz andere Aufgaben hat. Der lateinische Name ist ihr dennoch erhalten geblieben.

Anatomie der Hypophyse

Die Hirnanhangdrüse liegt mitten im Schädel im sogenannten Türkensattel (Sella turcica) und besteht aus Vorderlappen (Adenohypophyse) und Hinterlappen (Neurohypophyse). Dazwischen gibt es noch einen Mittellappen, der die beiden Teile voneinander trennt. Über einen dünnen Stil, der vom Hypophysenhinterlappen ausgeht, ist sie mit dem Gehirn, und zwar mit dem Hypothalamus im Zwischenhirn, verbunden. Sie ist sehr klein und hat in etwa die Größe einer Bohne. Der Hypophysenhinterlappen ist ein Teil des Gehirns, während der Vorderlappen aus dem Dach der Mundhöhle nach oben wächst, aber ursprünglich nicht zum Gehirn gehört.

Aufgaben der Hypophyse

Die Hypophyse ist für die Steuerung des Hormonhaushaltes zuständig. Sie steht in direkter Verbindung zum Hypothalamus, dem obersten Regulierungsorgan des vegetativen Nervensystems. Über den Hypothalamus wird wiederum die Aktivität der Hypophyse gesteuert, also entweder gebremst oder angeregt. Im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse werden verschiedene Hormone hergestellt, wie beispielsweise das Wachstumshormon (STH), das Schilddrüsenhormon (TSH) oder Prolaktin (PRL). Sie sind lebenswichtig für das reibungslose Funktionieren des Körpers. Der Hinterlappen dagegen produziert selbst keine Hormone. Er dient als Lager für Oxytocin und Vasopressin, die im Hypothalamus gebildet wurden und über den Stil in den Hinterlappen transportiert werden. Je nach Bedarf gibt die Hypophyse diese Hormone ins Blut ab und steuert damit zahlreiche Vorgänge im Organismus.

Das Wachstumshormon STH beispielsweise sorgt für Längenwachstum, also dafür, dass der Körper eines Kindes in der Länge wächst. Aber es regt auch das Wachstum der Organe an. Bei Erwachsenen hat es mehrere Aufgaben. Es ist unter anderem am Zuckerstoffwechsel, am Fettabbau und am Muskelaufbau beteiligt. Die Hormone LH und FSH bewirken zum Beispiel die Bildung der Sexualhormone Testosteron und Östrogen und beeinflussen alle geschlechtsspezifischen Vorgänge, wie Menstruation oder Spermienbildung. Prolaktin sorgt in der Schwangerschaft dafür, dass die Brustdrüse wächst, und fördert nach der Entbindung die Produktion von Muttermilch. Das bekannte Oxytocin ist an der Wehenentstehung beteiligt, aber auch an sexuellen Vorgängen. Sämtliche Hormone wirken in einem komplizierten Zusammenspiel und stellen ein hochkomplexes System dar. Sie ergänzen sich, wirken aufeinander ein, hemmen oder fördern Vorgänge im Körper.

Mögliche Störungen der Hypophyse

Es können verschiedene Störungen in der Hypophyse vorkommen. So kann die Hormonproduktion im Vorderlappen aus dem Gleichgewicht geraten, mit der Folge, dass zu viel oder zu wenig von einem Hormon hergestellt wird. Dadurch entsteht entweder ein Mangel oder ein Überschuss im Körper. Die auftretenden Beschwerden orientieren sich daran, welches Hormon betroffen ist. Bildet die Hirnanhangdrüse insgesamt zu wenig Hormone, nennt man das Hypophyseninsuffizienz.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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