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Gesundheitslexikon: Hypoglykämie (Unterzucker, Unterzuckerung)

Hypoglykämie – riskante Unterzuckerung

Unter Hypoglykämie versteht man einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel bzw. eine zu geringe Glukosekonzentration im Blut. Je nach Ursache, Ausprägung und Dauer kann der Zustand der Hypoglykämie bis hin zum Koma oder Tod führen.

Ursachen

Unterschieden wird zwischen einer Diabetes-mellitus-assoziierten Hypoglykämie und einer Unterzuckerung anderer Genese. Bei erster Patientengruppe sind meistens menschliche Fehler die Ursache einer Hypoglykämie. Manche Diabetiker möchten die Langzeitschäden der Krankheit minimieren und halten ihren Blutzucker deshalb sehr niedrig. Andere haben bereits Polyneuropathien und bemerken erste Symptome einer Hypoglykämie nicht, was dann in einem schweren Verlauf enden kann. Oft passiert es auch aus Unachtsamkeit, dass vor einer Mahlzeit zu viel Insulin gespritzt wird oder versehentlich kurzwirksames statt langwirksames, was sehr schnell zur Hypoglykämie führt. Auch kommt es vor, dass besonders junge Diabetiker ihre Insulineinheiten einer vermehrten Bewegung nicht anpassen und sich dadurch der Gefahr einer Unterzuckerung aussetzen. Wenn der Spritz-Ess-Abstand zu lang ist, dann kann es ebenfalls passieren, dass der empfindliche Hormonhaushalt gestört wird. Durch verschiedene Medikamente wie Antibiotika oder ß-Blocker, aber auch Alkohol kann die Insulinwirkung verstärkt und dadurch eine Hypoglykämie provoziert werden. Nicht zu vergessen sind Krankheiten wie Erbrechen oder Durchfall, was insbesondere bei Diabetikern schnell in einer Unterzuckerung enden kann.

Andere Personen, welche nicht an Diabetes mellitus leiden, können hypoglykäm werden. Das liegt dann beispielsweise an einem Insulin-produzierendem Tumor, einer Leberschädigung oder Schilddrüsenstörung. Diese Ursachen sind jedoch sehr selten.

Symptome

Symptome einer Hypoglykämie treten meist ab einem Blutzucker unter 50 mg/dl auf oder wenn die Blutzuckersenkung zu schnell erfolgte. Dann kommt es zuerst zu sogenannten andrenergen Zeichen. Diese Symptome, bemerkbar durch Zittern, Schwitzen, Blässe und Herzrasen, sind ein Versuch des Körpers, durch reaktive Adrenalinausschüttung ein Koma zu verhindern.

Im weiteren Hypoglykämie-Verlauf kommen zerebrale Symptome hinzu. Seh- und Sprachstörungen, Schwindel oder Bewusstlosigkeit sind ein Zeichen, dass die Neuronen des zentralen Nervensystems bereits unterversorgt sind. Da diese auf einen permanenten Zuckerzufluss angewiesen sind, treten die Symptome bereits nach wenigen Minuten auf.

In manchen Fällen kommt es zu nächtlichen Hypoglykämien, die von den Betroffenen meist nicht als solche wahrgenommen werden. Diese meist sehr unspezifischen Symptome wie Kopfschmerzen, Nachtschweiß und Alpträume werden als ‚Morgen-Zeichen‘ betitelt und finden sich besonders bei jungen Diabetikern.

Diagnose

Zur Diagnosesicherung bei klinischen Anzeichen einer Hypoglykämie eignet sich die Blutzuckermessung an Ohrläppchen oder Fingerkuppe.

Behandlung

Bei einer Hypoglykämie zählt jede Sekunde. Wenn man sich als Außenstehender also unsicher ist, ob es sich um eine Hypo- oder Hyperglykämie handelt, sollte man in jedem Fall wie bei einer Unterzuckerung handeln. Denn eine Hebung des Blutzuckerspiegels von 400 auf 500 mg/dl hat keine Auswirkungen, eine Senkung von 50 auf 30 mg/dl führt zum Tod. Daher gilt es bei klinischen Anzeichen einer Hypoglykämie sofort Maßnahmen zu treffen, um den Blutzuckerspiegel zu heben. Dies geschieht am besten mit schnellen Broteinheiten aus Einfachzucker, also Traubenzucker, Cola oder Weintrauben. Ist der Betroffene nicht mehr ausreichend ansprechbar, sollte eine subkutane Glukagon-Injektion erfolgen. Die meisten Diabetiker tragen einen solchen Pen bei sich und die Handhabung ist kinderleicht. Wenn es bereits Anzeichen einer Bewusstseinstrübung gibt, so muss unbedingt der Notarzt konsultiert werden, damit dieser eine intravenöse Glukose-Infusion verabreichen und den weiteren Verlauf beobachten kann.

Ob leichte oder schwere Hypoglykämie, der Zielblutzucker von circa 200 mg/dl sollte in jedem Fall angestrebt werden. Dieser Wert kann nach erster Hebung durch Einfachzucker mit Brot oder Kräckern stabilisiert werden. Betroffene benötigen nach einer Unterzuckerung meistens Ruhe und Entspannung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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