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Gesundheitslexikon: Hypertensive Retinopathie (Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck)

Hypertensive Retinopathie: das müssen Sie wissen

Die hypertensive Retinopathie ist eine Netzhauterkrankung, die sowohl bei chronischem Bluthochdruck (Hypertonie) als auch bei akut zu hohem Blutdruck in Erscheinung tritt. Hierbei verändern sich durch die hohen Blutdruckwerte die Gefäße und somit auch die Durchblutung der Netzhaut, wodurch Nervenzellen zerstört werden können. Die Folge sind Netzhautblutungen und -ablösungen und daraus resultierend eine Verminderung der Sehkraft, die im schlimmsten Fall zu einer völligen Erblindung führt.

Ursachen

Eine Erkrankung der Augennetzhaut durch Bluthochdruck kann in akuter oder in chronischer Form vorliegen. Auslöser für die akute Retinopathie ist ein plötzlicher Blutdruckanstieg bei schon bestehender Hypertonie. Seltener, aber schwerer beherrschbar, sind sekundäre Formen der Retinopathie, die unter anderem auf Krankheiten von Nieren und Nierengefäßen (Verengungen oder Verschlüsse) oder auf hormonproduzierenden Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytome) beruhen. Bluthochdruck im späteren Schwangerschaftsverlauf kommt ebenfalls als Ursache für eine Retinopathie infrage.

Symptome

Durch chronischen Bluthochdruck verursachte Netzhautveränderungen rufen über einen langen Zeitraum keine Symptome hervor. Erst wenn sich durch fortschreitende Gefäß- und Gewebeveränderungen eine hypertensive Retinopathie herausbildet, machen sich die chronischen Schäden am Sehnerv oder an der Nervenfaserschicht durch eine zunehmende Sehschwäche und Sehstörungen bemerkbar. Weitere typische Krankheitszeichen sind Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.

Diagnose

Netzhauterkrankungen bei Bluthochdruck erkennt Ihr Arzt mithilfe der Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie oder Funduskopie). Hierzu tropft er Ihnen Pupillen erweiternde Tropfen auf die Augen und untersucht die Netzhaut mithilfe einer Lupe und einer Lichtquelle. Auf diese Weise kann er die Einzelheiten der Retina dreidimensional betrachten und auch die Netzhautränder deutlich erkennen. Um den Verlauf der Retinopathie stärker kontrollieren zu können, besteht die Möglichkeit, den Netzhautbefund zu fotografieren. Nach dieser Untersuchung sind Sie für circa sechs Stunden fahruntüchtig.

Anhand des ermittelten Untersuchungsbefundes bestimmt Ihr Arzt das individuelle Erkrankungsstadium. Dabei werden vier Stadien der Netzhautveränderungen bei Bluthochdruck unterschieden. Der erste Grad zeigt sich durch leicht verengte arterielle Gefäße. Beim zweiten Grad gibt es entweder deutliche Engstellungen oder verschiedene Eng- und Weitstellungen (Kaliberschwankungen) der Gefäße. Im dritten Grad lassen sich zusätzlich Ödeme, flaumförmige Zellbereiche und streifenförmige Netzhauteinblutungen feststellen, während im vierten Erkrankungsgrad außerdem eine Schwellung des Sehnervs an seiner Austrittsstelle vorliegt.

Behandlung

Da eine Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck auf eine schon länger vorhandene Hypertonie hindeutet, sind Medikamente häufig unverzichtbar. Hier kommen beispielsweise Betablocker und Diuretika (entwässernde Präparate) zum Einsatz. Besonders starker Bluthochdruck wird in einer Klinik, im Notfall intensivmedizinisch, therapiert. Liegt der Hypertonie eine andere Erkrankung zugrunde, muss diese behandelt werden.

Eine Anpassung der Lebensgewohnheiten spielt bei der Behandlung der hypertensiven Retinopathie eine wesentliche Rolle. Besonders wichtig sind dabei der Verzicht auf das Rauchen und die Reduzierung eines eventuell vorliegenden Übergewichts. Auch der Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden. Eine körperliche Betätigung ist mindestens dreimal wöchentlich für dreißig Minuten zu empfehlen.

Vorbeugung

Maßnahmen zur Früherkennung können einer Netzhauterkrankung durch Bluthochdruck vorbeugen. Leiden Sie unter Diabetes mellitus, Hypertonie oder Nierenkrankheiten, sollten Sie Herz, Nieren, Blutdruck und Augen regelmäßig überprüfen lassen. Eine jährliche Augenuntersuchung empfiehlt sich ab dem 40. Lebensjahr.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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