Gesundheitslexikon Gesundheitslexikon

Gesundheitslexikon: Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss)

Hyperkaliämie: Wissenswertes über den Kaliumüberschuss

Kalium ist ein Mineralstoff in unseren Zellen, der unseren Wasserhaushalt reguliert. Ein Kaliumüberschuss wird in der medizinischen Fachsprache als Hyperkaliämie bezeichnet und liegt bei einem Serumspiegel von mehr als 5,2 mmol/l vor. Das Phänomen ist in der Regel das Symptom einer übergeordneten Erkrankung, so vor allem von Nierenerkrankungen.

Ursachen

Nicht bei jeder Hyperkaliämie handelt es sich tatsächlich um ein Übermaß an Kalium. Bei unsachgemäßer Blutabnahme kann durch die Scherkräfte oder langen Transport eine Auflösung der roten Blutkörperchen eintreten. Diese Hämolyse kann im Labor den Anschein eines Kaliumüberschusses erwecken. Bei wiederholter und diesmal sachgerechter Blutabnahme ist in diesem Fall keine Hyperkaliämie mehr festzustellen. Wenn die Hyperkaliämie auch bei der zweiten Blutabnahme noch vorliegt, steht der Kaliumüberschuss in den meisten Fällen mit einer verminderten Kalium-Ausscheidung über die Nieren in Zusammenhang. Als Ursachen für eine solche Ausscheidungsstörung kommen die verschiedenen Formen der Niereninsuffizienz infrage. Auch nach akuten Zellschädigungen kann es zu einem Kaliumüberschuss im Serum kommen. Als Bestandteil der Zellen wird das Kalium bei der Zerstörung von Geweben in die Blutbahn geleitet. Vor allem im Rahmen von Verbrennungen, Ischämien oder Infarkten ist dieses Phänomen denkbar. Darüber hinaus verursachen einige Medikamente verminderte Kalium-Ausscheidung oder vermehrte Kalium-Freisetzung. Das gilt zum Beispiel für kaliumsparende Diuretika wie Triamteren, ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorantagonisten wie Sartan, Betablocker oder Succinylcholin. Da Kalium vor allem in Obst und Gemüse vorkommt, kann unter Umständen auch eine vermehrte Kaliumzufuhr zu einem leichten Kaliumüberschuss führen. Außerdem können hormonelle Fehlregulationen und zelluläre Umverteilung einen Kaliumüberschuss begünstigen. Von einer zellulären Umverteilung ist vor allem bei Hyperkaliämie im Rahmen von Azidose die Rede.

Symptome

Zu den wichtigsten Symptomen der Hyperkaliämie zählen Muskelschwäche und Parästhesien. Als Letztere sind Kribbelgefühle in den Extremitäten bekannt. Oft tritt als Warnsymptom auch eine pelzige Empfindung auf der Zunge ein. In den meisten Fällen beginnt die Symptomatik diskret. Allerdings kann sie sich im Extremfall bis hin zur akuten Lebensgefahr entwickeln. Lebensbedrohlich Komplikationen sind zum Beispiel mit dem Eintritt von kardialen Arrhythmien gegeben. Die arrhythmischen Herzkontraktionen können beispielsweise Kammerflimmern auslösen. Abhängig von der ursächlichen Grunderkrankung kann der Kaliumüberschuss viele weitere Symptome hervorrufen.

Diagnose

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Hyperkaliämie um einen Zufallsbefund der Routineblutkontrolle im Rahmen von stationären Krankenhausaufenthalten. Hohe Kaliumwerte im Blut werden durch eine zweite Blutprobe abgesichert, um Transportschäden der Blutprobe als Ursache auszuschließen.

Behandlung

Bei einer Hyperkaliämie handelt es sich um einen Notfall, der zur sofortigen Förderung der Kalium-Ausscheidung aufruft. Wenn bereits eine Beteiligung des Herzens besteht, wird den Patienten intravenös Calciumgluconat gegeben, um die verheerenden Auswirkungen von Kalium auf das Myokard herabzuregulieren. Bei extrem hohen Werten wird den Betroffenen ein zentraler Venenkatheter angelegt, über den die Ausscheidung des Kaliums medikamentös gefördert wird. Die Medikamentengabe kann der Verabreichung von Schleifendiuretika wie Furosemid oder der Versorgung mit Kationenaustauschern entsprechen. Falls das Kalium aus den Zellen freigesetzt wurde, muss es zurück in die Zellen geschleust werden. Diesem Zweck dient die Gabe von Insulin oder Glucose. Zusätzlich können Sympathomimetika und Natriumbikarbonat gegeben werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Anzeige