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Gesundheitslexikon: Hygiene

Mehr als Prävention – Hygiene

Unter der Hygiene versteht die ‚Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie‘ die Lehre von der Verhütung von Krankheiten und die Erhaltung, Festigung sowie Förderung der körperlichen Gesundheit. Die Begrifflichkeit entstammt dem Griechischen – Hygiene wird hierbei als Kunst, die der Gesundheit des Körpers dient, aufgefasst. Im engeren schulmedizinischen Bezug definiert sie Maßnahmen, die zur Vorbeugung von infektiösen Erkrankungen dienen. Den Aspekten der Reinigung, Sterilisation und Desinfektion kommen gewichtige Rollen zu. Die Arbeitshygiene thematisiert die Vermeidung von Berufskrankheiten. Im Volksmund bezeichnet die Hygiene fälschlicherweise oft die Einhaltung von Sauberkeit, Pflege und Ordnung.

Der geschichtliche Aspekt der Hygiene

In der Frühzeit und im Mittelalter war es in weiten Teilen Europas gebräuchlich, den Stuhlgang auf öffentlichen Straßen zu verrichten. Sämtliche Nachtgeschirre wurden in den Gassen entleert. Dazu kamen Abfälle, beispielsweise Speisereste und Schlachtblut, sowie häuslicher Unrat. Sämtliche Überreste vermoderten in belebten Vierteln. Dadurch wurde nicht nur Ungeziefer, etwa Insekten, Mäuse und Ratten, angelockt – auch Bakterienkulturen konnten ideal gedeihen. Hieraus resultierte ein penetranter, allgegenwärtiger Gestank. Die Einwohner wurden von Folgeerkrankungen ereilt. Erst durch den Kanalbau konnte die Problematik umschifft werden. Fortschrittlicher ging es im alten Rom zu: Hier wurde erahnt, dass Krankheiten durch kleine Tiere (Mikroorganismen) verbreitet und gefördert werden. Erst im 19. Jahrhundert wurde flächendeckend erkannt, dass die Hygiene eine unverzichtbare Säule in der Medizin bildet. Zuvor wurden Operationsbekleidungen und Instrumente nur unzureichend – oder überhaupt nicht – gereinigt.

Moderne Hygienemaßnahmen

Im Laufe der Jahre wurden kontinuierlich Maßnahmen entwickelt, die zur Gewährleistung und Optimierung der Hygiene beitragen. Zu den klassischen Methoden, die insbesondere im medizinischen Umfeld eingesetzt werden, zählen die Desinfektion, Sterilisation und Quarantäne. Köche und Händler müssen sich an die strikt verordnete Lebensmittel- und Haushaltshygiene halten. Im privaten Rahmen kann die Mund-, Körper-, Anal- und Sexualhygiene bedacht werden. Diese gehören zum alltäglichen Gebrauch moderner und aufgeklärter Bevölkerungsschichten.

Kritikpunkte an der Hygiene

Dreck reinigt den Magen und macht den Menschen robust – dieses Ammenmärchen birgt, zumindest laut einigen Experten, ein Fünkchen Wahrheit. Sie warnen vor einer akribischen Einhaltung hygienischer Maßnahmen. So weisen diverse wissenschaftliche Studien darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen plötzlichen Allergien und pingeliger Sauberkeit besteht. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass das Immunsystem nur unzureichend mit bestimmten Krankheitserregern konfrontiert wird. Insbesondere im Kindesalter können sich durch übertriebene Hygienemaßnahmen nur wenige Antikörper bilden. Hieraus ergibt sich eine erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Mensch sogar auf bestimmte Bakterien und Würmer in seinem direkten Umfeld angewiesen ist.

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