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Gesundheitslexikon: Hüftdysplasie (Hüftgelenksdysplasie)

Hüftdysplasie: Fehlbildungen der Hüfte

Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten Fehlbildungen am menschlichen Skelett. Bei der Erkrankung ist die Hüftgelenkspfanne zu flach angelegt und steht zu steil. Der Hüftkopf wird nicht genügend umfasst und kann verrutschen. Der Schenkelhalswinkel entwickelt sich zu steil, weil dem Knochen der Gegendruck fehlt. Es können beide Hüftgelenke betroffen sein, häufiger ist aber ein einseitiger beziehungsweise ungleich starker Befall. Es gibt verschiedene Schweregrade, von der einfachen Fehlbildung, über die Subluxation bis zur kompletten Luxation (=Verrenkung).

Ursachen

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine Erkrankung, die durch viele Faktoren bedingt sein kann. Endogen kann es durch Genveränderungen zu einer Verzögerung der Wachstumsgeschwindigkeit während der embryonalen Entwicklung kommen, die die Formdifferenzierung der Hüftgelenkspfanne behindert. In diesem Zusammenhang spielen Dispositionen als Risikofaktoren eine Rolle. Mädchen sind sechs- bis siebenmal häufiger betroffen als Jungen. Regionale Häufungen deuten darauf hin, dass auch eine familiäre Anfälligkeit ins Gewicht fällt. Hüftdysplasien können auch im Zusammenhang mit anderen genetisch bedingten Fehlbildungen entstehen. Exogene Faktoren spielen in der prä- und postpartalen Phase eine Rolle. Früh geborene Kinder haben ein erhöhtes Risiko an einer Hüftgelenksdysplasie zu erkranken, weil die Gelenkpfanne schon lange vor der Ausreifung mechanischen Belastungen ausgesetzt wird. Die hormonellen Veränderungen der Mutter vor der Geburt können auch zu Lockerungen der Gelenkkapsel des Ungeborenen führen. Kinder, die vor der Geburt in Beckenendlage (Steißlage) waren, sind ebenfalls häufiger betroffen, genauso wie Kinder, die in Streckung und Adduktion gewickelt werden.

Symptome

Bei Neugeborenen treten zunächst keine Beschwerden auf, es können aber Anzeichen beobachtet werden, die auf das Vorliegen einer Hüftdysplasie hindeuten. Die betroffenen Kinder sind häufig bewegungsfaul und die Abduktion ist eingeschränkt. Das heißt die Kleinen haben beispielsweise Schwierigkeiten, Arme und Beine abzuspreizen. Bei ungleichem Schweregrad können eine Beinlängendifferenz und Asymmetrien der Po-, Anal- und Adduktorenfalten sichtbar werden. Diese Symptome sind nicht immer eindeutig und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Im späteren Alter können sich starke Bewegungseinschränkungen und Gangbildveränderungen entwickeln. Nicht frühzeitig behandelte Hüftdysplasien führen in der Regel frühzeitig zu einer Arthrose mit den entsprechenden Beschwerden.

Diagnose

Der Arzt untersucht bereits in der zwischen dem dritten bis zehnten Lebenstag stattfindenden U2 die oben beschriebenen klinischen Zeichen. Die Einschätzung ist sehr schwierig und kann höchstens Hinweise für eine Verdachtsdiagnose liefern. Deshalb wird heute standardmäßig in der U3 (dritte bis fünfte Lebenswoche) eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, die diagnostische Gewissheit über das Vorliegen einer Hüftdysplasie bringt.

Behandlung

Die Behandlung muss so früh wie möglich einsetzen, da sich sonst ihre Dauer verlängert und irreversible Schäden entstehen können. Ziel der Therapie ist es, die Entwicklung der Gelenkpfanne und des Schenkelhalswinkels zu normalisieren, um das Gelenk zu stabilisieren und zu zentrieren. In den meisten Fällen genügt dazu eine sogenannte Abspreizbehandlung, bei leichtgradigen Hüftgelenksdysplasien durch breites Wickeln. Für schwerere Fälle stehen Spreizhosen, Schienen, Spreizgips und andere Hilfsmittel zur Verfügung. Bei einer bestehenden Hüftluxation muss zunächst der Hüftkopf reponiert werden, was meistens manuell möglich ist. Danach wird er für einige Wochen bis Monate durch entsprechende Vorrichtungen in der zentrierten Position gehalten.

Vorbeugung

Eine echte Vorbeugung gibt es bei einer Hüftgelenksdysplasie nicht. Die frühzeitige Erkennung einer Fehlbildung kann aber dazu beitragen, dass sich durch frühe Therapiemaßnahmen nachträglich eine regelgerechte Gelenkkonstellation entwickelt und Folgeschäden vermieden werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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