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Gesundheitslexikon: Hippocampus

Hippocampus – die Geburtsstätte der Erinnerungen

Der Hippocampus ist eine entwicklungsgeschichtlich sehr alte Struktur der Hirnrinde. Sie befindet sich auf beiden Hirnhemisphären an den Innenseiten der Temporallappen des Großhirns. Außerdem ist er Teil des limbischen Systems, das für Aufgaben wie Emotionen, Antrieb und Lernen zuständig ist. Der Name Hippocampus bedeutet übersetzt ‚Seepferdchen‘ und wurde der Hirnstruktur zur Zeit ihrer Entdeckung wegen der angeblichen Ähnlichkeit mit dem Meerestier gegeben.

Funktion

Der Hippocampus erhält vielfältige Informationen aus allen Assoziationsgebieten des Großhirns und der umgebenden Strukturen. Diese Daten gelangen gebündelt über Bahnen des ihn umgebenden Riechhirns ins Innere. Er bekommt damit bildlich gesprochen einen Überblick darüber, was im Bewusstsein vor sich geht und wo man sich gerade befindet. Im Hippocampus befinden sich spezialisierte Ortszellen, die das Ortsgedächtnis bilden. Deshalb ist er bei Tieren wie Eichhörnchen oder Vögeln, die sich an die verschiedenen Lokalitäten erinnern müssen, an denen sie Vorräte gespeichert haben, besonders groß. Das Gleiche gilt für Taxifahrer, bei denen die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung besonders gefragt ist.

Die verschiedenen sensorischen Eingänge werden im Hippocampus verarbeitet und vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen. Anschließend werden sie zur Großhirnrinde weitergeleitet, wo sie dauerhaft gespeichert werden. Der Hippocampus besitzt in diesem Zusammenhang eine Art ‚Neuigkeitsdetektor‘, der erkennt, wenn eine Information zum ersten Mal dargeboten wird. Neue Daten setzen den Erinnerungsprozess in Gang, der zur Speicherung im Langzeitgedächtnis führt, während alte keine Aktivität hervorrufen. Variationen von schon bestehenden Gedächtnisspuren werden ebenfalls erkannt und können in die bestehenden Erinnerungen eingebaut werden. Diese Abläufe sind maßgebliche Bestandteile des Lernvorgangs.

Der Hippocampus ist eng mit der Amygdala verbunden, dem sogenannten Furchtzentrum im Gehirn. Zusammen dienen sie zur Verarbeitung von Emotionen und bilden ein emotionales Gedächtnis.

Um alle Aufgaben erfüllen zu können, besitzt der Hippocampus eine hohe Fähigkeit sich selbst zu verändern und anzupassen. Diese als Plastizität bezeichnete Eigenschaft ist nirgends sonst im Gehirn so ausgeprägt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass je nach Höhe des Reizeingangs die Aktivität der Synapsen zwischen Nervenzellen gesteigert oder reduziert werden kann. Das kann auch zur Neubildung von synaptischen Verbindungen und sogar von Nervenzellen führen.

Störungen

Der Verlust des Hippocampus auf einer Hirnhemisphäre kann problemlos kompensiert werden. Wenn aber beide ausfallen, geht die Fähigkeit verloren, Gedächtnisleistungen zu generieren. Betroffene Menschen verlieren dann ihre räumliche Orientierung. Sie sind vor allem nicht mehr in der Lage neue Informationen zu verarbeiten und ins Langzeitgedächtnis aufzunehmen. Es entsteht eine sogenannte ‚anterograde Amnesie ‘, bei der alte Erinnerungen weiter abgerufen werden können, wenn auch beschränkt. Neue Daten bleiben höchstens einige Sekunden oder Minuten im Gedächtnis und verschwinden dann wieder. Diese Störung kann durch Tumore oder Entfernung beider Hippocampi hervorgerufen werden. Sie kann aber auch Folge von Abbauprozessen sein und ist dann elementarer Bestandteil von Demenzerkrankungen, besonders beim Morbus Alzheimer. Das motorische Gedächtnis ist davon nicht betroffen.

Hirntumore können die schon bestehende Neigung zur Erregbarkeit der Nervenzellen verstärken und zu teilweise heftigen Epilepsien führen, die meist nur durch die operative Entfernung in den Griff zu bekommen sind. Studien legen den Verdacht nahe, dass Rauschtrinken bei Heranwachsenden die Ausbildung des Hippocampus beeinträchtigen kann. Das kann zur Reduzierung der Gedächtnisleistung und zur Verschlechterung der räumlichen Orientierung führen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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