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Gesundheitslexikon: Herzrasen (Tachykardie)

Tachykardie: Das steckt hinter dem schnellen Herzklopfen

Eine Tachykardie ist, wie die Übersetzung ‚Herzrasen‘ schon sagt, eine gestörte pathologische Herzfrequenz im Sinne einer Sinustachykardie. Das bedeutet, dass das Herz zwar trotz Ruhe mehr als 100 Schläge pro Minute abgibt, diese jedoch regelmäßig sind. Das ist insofern bedeutsam, weil dabei jede Vorhof-Erregung auch zur Kammer übergeht und somit das Herz in seiner Funktion nicht beeinträchtigt ist. 

Ursachen

Die Tachykardie betrifft vor allem Menschen mittleren Alters, wobei die Ursachen sehr differieren. Während Männer meistens kardial vorbelastet sind und deshalb Herzrasen entwickeln, leiden Frauen insbesondere vor und nach den Wechseljahren unter dem Phänomen der Tachykardie. Daher lässt sich festhalten, dass die Ursachen einer Tachykardie sowohl im Herz selbst liegen können als auch manchmal im restlichen Körper auszumachen sind.

Kardiale Ursachen sind beispielsweise Sauerstoffmangel aufgrund einer KHK oder eines Herzinfarktes, Herzmuskelerkrankungen, Druck- oder Volumenbelastungen durch eine Hypertonie oder Klappenschäden sowie Elektrolytverschiebungen in der Herzmuskelzelle durch Hyper- oder Hypokaliämie.

Tachykardien aufgrund extrakardialer Ursachen treten oftmals wegen hormoneller Störungen, wie bei einer Hyperthyreose oder im Klimakterium, oder durch Toxine auf. Bei Letzterem spielen insbesondere Medikamente wie Digitalis oder Antidepressiva, aber auch Drogen aus Fingerhut oder Engelstrompete eine wichtige Rolle. 

Symptome

Neben einer stark erhöhten Herzfrequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute trotz Ruhe oder alltäglicher Aktivität können zusätzlich Symptome wie Herzstolpern oder Kurzatmigkeit auftreten. Dies verursacht oftmals bei den Betroffenen Beklemmungen und Ängste. Diese können wiederum zu einem Blutdruckabfall, Schwindel, Sehstörungen und Schweißausbrüchen führen. 

In sehr seltenen Fällen sind nach langjähriger Krankheit auch Symptome wie Synkopen, Absencen oder Vorhofflimmern zu beobachten.

Diagnose

Die einzig sichere Diagnose bietet ein EKG. Um falsche Ergebnisse, beispielsweise durch Aufregung, Angst oder den sogenannten ‚Weißkitteleffekt‘ zu vermeiden, wird in den Arztpraxen meist nur ein zehnminütiges Ruhe- und ein ca. dreiminütiges Belastungs-EKG durchgeführt. Erst nach einem zusätzlichen positiven 72-Stunden-EKG, welches alle Herzaktivitäten in Ruhe und Bewegung in alltäglicher Umgebung des Patienten aufzeichnet, kann die Diagnose Tachykardie gestellt werden. 

Behandlung

Die Therapie einer Tachykardie sollte sowohl medikamentös als auch konventionell erfolgen. Meist werden Patienten mit Antiarhythmika, Glykosiden oder ß-Blockern eingestellt, wenn die Ursache des Herzrasens kardial bedingt ist. Hier sind jedoch viele Nebenwirkungen, beispielsweise Müdigkeit, Hautausschlag oder gastrointestinale Beschwerden, bekannt. Daher kommen auch konservative Behandlungsansätze, wie Entspannungstechniken oder Ausdauersport, zum Einsatz und erzielen meist sehr gute Erfolge bei den Betroffenen. 

Die Therapie extrakardialer Tachykardien muss ursachenspezifisch erfolgen. Eine Medikamentenumstellung oder eine hormonelle Substitution verhelfen oftmals zu einer langen beschwerdefreien Zeit. Treten dann trotzdem vereinzelt Tachykardien auf, so kann diesen mit einfachen Tricks wie Luftanhalten oder Trinken eiskalten Wassers meist effektiv begegnet werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

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